Walter direkt: Banken im Modernisierungsstau

Walter direkt
Banken im Modernisierungsstau

Off- und Online sind im Bankgeschäft noch immer zwei Welten, die durch altertümliche Prozessketten voneinander getrennt werden. Kunden haben immer weniger Verständnis für diese „Silo-Denke“.
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Rund 15 Jahre ist es her, da wollte ein Zauberwort die Bankenwelt revolutionieren: Multikanal-Banking.  Banken sollten ihre Kunden auf allen Wegen erreichen können, in der Filiale, über einen mobilen Vertrieb, das Telefon und das Internet.

Diese Geschäftsidee prägte seitdem das Geschäft mit privaten Kunden und mittelständischen Firmen nahezu überall. Deutschland gehörte bei der Einführung des Multikanal-Konzepts sogar zu den Pionieren und den Kunden versprach man „das Beste aus zwei Welten“, aus der physischen Filialwelt und der virtuellen Onlinewelt.

Für die Banken zahlte sich das auch aus. Bis zum Beginn der Krisenjahre lieferten die Institute im Privatkundengeschäft stabile Ergebnisse und gute Eigenkapitalrenditen, viel höhere jedenfalls, als man in der Öffentlichkeit vermutete.

Folge dieser Entwicklung war jedoch, dass die Banken keinen Druck verspürten, die reale und die virtuelle Bankenwelt wirklich zu verzahnen und aufeinander abzustimmen. Damit der Privatkunde gar nicht erst in Versuchung kommt, sich selbst mehr um sein Geld zu kümmern, findet er bei Angeboten wie einer Baufinanzierung außer ein paar einfachen Tools so gut wie nichts, was er online erledigen könnte. Dabei machen innovative Eindringlinge seit Jahren vor, wie Kunden im Internet mehr als die ersten Schritte auf dem Weg zur Finanzierung der eigenen Immobilie gehen können.

Bis heute stecken beide Welten im deutschen Bankgeschäft in zwei weitgehend voneinander abgeschotteten „Silos“. Filialen sind in Regionen organisiert, Online ist Sache der Zentrale oder einer Direktbanktochter. Es ist zwar ein schlechter Witz, aber meistens leider Tatsache, dass ein Berater vor Ort in seinem Computer keine aktiven Hinweise findet, welche „seiner“ Kunden gestern Abend Transaktionen im Netz gemacht haben.

Diese Versäumnisse rächen sich jetzt gleich mehrfach. Die Banken stecken in einer Kostenfalle, auch wegen der zunehmenden Regulierung. Die Niedrigzinsphase sowie die Zurückhaltung der Kunden machen es immer schwieriger, das Ertragsniveau zu halten oder gar auszubauen. Aktuell werden gut 80 Prozent aller Geschäfte noch mit einem Berater gemacht; bis 2020 wird diese Marke auf zwei Drittel sinken, wenn die Banken sich nicht etwas einfallen lassen.

Weitere Folge: die Filialen werden mit sinkendem Neugeschäft immer unrentabler. Die Zahl der Filialen dürfte deshalb in Deutschland im gleichen Zeitraum von derzeit rund 38.000 auf 30.000 zurückgehen.  Seit Anfang dieses Jahrhunderts würde das fast eine Halbierung der Zahl der Bankfilialen bedeuten.

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Banken im Modernisierungsstau

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Die Bequemlichkeit fordert ihren Preis

Kommentare zu "Banken im Modernisierungsstau"

Alle Kommentare
  • Herr Walter,
    es liegt mir fern Sie anzugreifen. Ich bin auch mit Ihrer Überschrift über dem Artikel "Banken im Modernisierungsstau" sehr einverstanden. Nur bin ich der Ansicht, dass Sie den Titel mit einem schlechten Beispiel gefüllt haben.

    Lassen Sie uns sachlich streiten.

    Lassen Sie uns auf den Punkt kommen. Lassen Sie uns schreiben, dass wir von den Aufsichtsbehörden nichts halten. Lassen Sie uns schreiben, dass das BMF die Banken nicht überwacht hat und überwacht. Lassen Sie uns schreiben, dass die Bilanzierungsvorschriften nie in der Lage sind einem Vorstand ein effizientes Risikomanagement zu betreiben. Lassen Sie uns schreiben, dass der Gleichheitsgrundsatz gelten muss. Lassen Sie uns schreiben, dass der der das Geschäft betreiben muss sofort entscheiden muss und lassen Sie uns schreiben, dass es nicht angehen kann, dass sich das BMF 5 (in Worten: fünf) Jahre Zeit lässt einen "Bubs" raus zu bringen. 5 Jahre um auf eine Lehman-Krise zu reagieren! Ein Unding! Im Risikomanagement einer Bank undenkbar.

    Lassen Sie uns schreiben, dass mit dem ersten Banker dessen zuständiger Aufseher auch mit in den Knast geht. Lassen Sie uns schreiben, dass ein Steinbrück, damaliger Finanzminister damals zum Handeln verpflichtet war und nichts gemacht hat. Lassen Sie uns schreiben, dass wir solche Typen, Schwätzer nicht brauchen und nachher mit klugen Ratschlägen kommen. Typen, die wenn es drum ging, nicht da waren.

    Lassen Sie uns schreiben wann und weshalb wir die Bank trennen und in welche Teile Sie aus risikoorganisatorischen Gesichtspunkten zu zerlegen ist.

    Lassen Sie uns schreiben, wer weshalb in den Knast gesteckt werden muss.

    Lassen Sie uns schreiben, weshalb die Bank modernisiert werden muss.

    Ich denke, dass dies interessantere Themen für Sie sind und Sie vieles beitragen können. Schreiben Sie einen neuen Kommentar zum "Trennbankensystem" und "Bankstern".

  • Herr Walter, als Vorstandsvorsitzender kennen Sie die Abläufe in der Bank. Können Sie Auskunft darüber geben, wie oft Sie zahlen aus dem Privatkundengeschäft pro Jahr erhielten und wenn Sie diese denn erhielten, mit wie viel Monaten Verspätung diese an Sie gelangten?

    Haben diese Zahlen mit Ihren übrigen Steuerungsinformationen übereingestimmt oder waren diese Zahlenreihen "zeitlich schräg"? D.h.: Waren diese Zahlen zeitlich synchronisiert?

    Meines Wissens nach hat diese keine Bank!

    Wir können auch noch das Thema aufmachen, ob denn im Privatkundengeschäft eine in sich konsistente Bewertung aller Geschäfte erfolgt? Das wäre eine andere Baustelle. Aber dann fängt die ganze Welt an zu lachen, wenn sie erfährt, dass 2 + 2 zwischen 2 und 7 liegt.

  • Herr Walter, kein Vorwurf, als Quereinsteiger konnten Sie nicht wissen, was bei Dresdners los war.

    Mobbing war tägliches Geschäft.

    Aber das war bei der " Deutschen" auch nicht anders. Der Kulturschock ging doch in der Deutschen mit der Übernahme von Morgan Granfield einher. Nach dieser Übernahme war doch dort hauen und stechen angesagt und durch das Ausstreunen der flüchtenden Mitarbeiter wurde der Virus der Deutschen in das übrige Bankensystem getragen.

    Sie gehen in Ihrem Beitrag auf die segensreichen goldenen Jahre im Privatkundengeschäft ein. An welche Zeit und aus welcher Sicht denken Sie?

    In Deutschland ist Ende der 80ziger ein Optionsmarkt, der Warrant-Markt, entstanden. In diesem börsennotierten Markt wurden den Privaten Optionsscheine für deren Depot angeboten und machten die spekulative Teilnahme der kleinen Leute an der damals sehr positiven Börsenentwicklung erst möglich. Dieser Markt ist heute der größte weltweit. Deutsche und Dresdner waren an dessen Enwicklung nicht oder zumindest nicht repräsentativ involviert.

    Kurz: Deutsche und Dresdners haben nichts für ihre Kunden getan!

    Wenn Sie also von dem goldenen Kundengeschäft schreiben, dann jedenfalls nicht aus der Sicht des Kunden.

    Daraus folgere ich, dass Sie von den internen Ertragszahlen aus dem Privatkundengeschäft schreiben, dem es, wie oben dargestellt, an Investitionen in Produkte für den Kunden mangelte. Letztlich waren es die Einnahmen, die sich aus dem Einsammeln von Provisionen und Gebühren, abzüglich der Personalkosten ergaben.



  • Herr Walter hat die Dresdner Bank von 2003 bis 2008 trotz oder auch mit Hilfe von horrendem Beratereinsatz geführt bis sie ruiniert war. Es wäre sehr hilfreich gewesen, wenn er sich bereits damals auf Artikel schreiben beschränkt hätte.

  • Sehr geehrter Herr Walter, dieser Beitrag ist besser als die zuletzt von Ihnen gelesenen Beiträge und es ist erkennbar, dass Sie aufgrund Ihrer Aufgabenstellung in der Bank zur Auseinandersetzung wesentliches beitragen können. Dennoch gilt es Sie auf einige Punkte hinzuweisen, die sich in anderen Institutsgruppen anders, früher abgespielt haben.

    Es ist korrekt, dass Deutsche Bank und Dresdner Bank Nachzügler im Onlinebanking, letztlich im elektronischen Zahlungsverkehr waren. Diese Entwicklungen wurden vornehmlich im Sparkassen- und genossenschaftlichen Verbund vorwärts getrieben. Und hier darf man die 70iger und verstärkt Mitte der 80iger Jahre ansetzen. Gegen Ende der 80iger war im Hause der DG Bank bereits ein Computersystem im Einsatz, dass Devisenkurse automatisch generierte, über die Nachrichtendienste publizierte und darf automatisch handelte. Dies waren gut 25 Jahre vor der heutigen Zeit und Vorläufer des heutigen Hochfrequenzhandels. Sie geben in ihrem Beitrag 15 Jahre für die Entwicklung des elektronischen Zeitalters an. Das ist korrekt und inkorrekt zu gleich.

    Ihr Werdegang startet bei der Deutschen Bank und für die gelten Ihre Aussagen. In den 10 Jahren davor war von der Deutschen Bank bekannt, dass sie ihre Probleme mit menschlichen Arbeitskräften zu bewältigen versuchte.

    Die Dresdner Bank dagegen hatte ein Projekt "HIAS" in den frühen 80igern auf den Weg gebracht, das in seiner Zielsetzung seines gleichend suchte. Ideologisch top! Es hatte nur den Nachteil, dass durch die technische, die hardware-technische Entwicklung die software-technische Entwicklung immer wieder eingeholt wurde. So kam es, dass die laufende Pflege der Altsysteme diese so zu sagen kaputt sanierte ohne dass das neue System die Altsysteme ablösen konnte.

    Führungstechnisch war es so, dass die mit der Umsetzung des Softwareprojekts betrauten "Führungskräfte" intellektuell überfordert waren und der Vorstand auf zu viele "falsche Fuffziger" setzte oder herein fiel.

  • Ich schließe mich dem Beitrag in allen (!) Punkten an!

  • Sehe ich auch so. Die Banken sollten im Eigeninteresse dieses Geschäftsfeld ausbauen. Es gibt bereits zahlreiche Anbieter außerhalb des Bankensektors, die Programme zum Online Banking anbieten und diese sind denen der Banken meistens um Längen voraus. Dennoch können diese Online-Anbieter natürlich nicht das bieten, was eine darauf gut ausgerichtete Bank bieten könnte. Nämlich das von Ihnen angesprochene "Multikanal-Banking". Dass man gleichzeitig Banking übers Internet machen kann oder zu einem physischen Berater gehen kann, d.g. dass einem verschiedene Wege offen stehen, das ist der große Vorteil den Banken bieten könnten.

  • Gute Einschätzung Herr Walter, aber das Internet wurde nicht nach 2009 erfunden. Das Thema Multikanal (und zwar verzahnt) hätte schon viel früher gespielt werden müssen, stattdessen haben wir das Feld den Direktbanken überlassen. (Eine ehemaliger Mitarbeiter von Ihnen)

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