Walter direkt
China als Weltenretter?

Chinas Wirtschaft kommt wieder in Schwung. Doch die Risiken des Finanzsektors sind beträchtlich. Als alleiniger Konjunkturmotor für die Welt taugt das Land auf Dauer nicht. Die USA und Europa müssen sich selbst retten.
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Noch tagt er, der 18. Parteikongress der Kommunistischen Partei Chinas. Doch er begann bereits spektakulär. Der scheidende Staats- und Parteichef Hu Jintao versprach den Menschen eine Verdoppelung ihrer Einkommen sowie der Wirtschaftsleistung des Landes bis 2020. Auch das Wachstum hat vor ein paar Monaten seinen Tiefpunkt durchschritten. Die jährliche Wachstumsrate könnte in 2013 sogar wieder neun Prozent erreichen, wenn alles gut geht. Positive Nachrichten aus der zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt. Wer also soll der Weltwirtschaft entscheidende Impulse geben, wenn nicht das Land der Mitte?

Die USA schwächeln, Europa ist noch mitten drin, seine Strukturen in der Krise anzupassen. Fast ein Vierteljahrhundert nach dem Niedergang der Sowjetunion entbehrt es nicht einer gewissen Komik, wenn die etablierten Marktwirtschaften der Welt ihre Hoffnungen auf die Wirtschaft eines kommunistischen Landes setzen. Natürlich wäre es das Beste, was den Märkten passieren kann, wenn sie von einem starken Zugpferd angeführt werden.

Doch sind diese Hoffnungen berechtigt? Ich glaube, sie könnten auf kürzere Sicht zutreffen. Längerfristig rechne ich jedoch mit Risiken und Nebenwirkungen, die heute nur am Rande wahrgenommen oder geflissentlich ignoriert werden. Dabei offenbart vor allem das chinesische Finanzsystem deutliche Schwächen. Zumindest bei eindringlicher Betrachtung. Und die ist nicht ganz einfach. Eines der größten Probleme ist immer noch die mangelnde Transparenz. Vielfach fehlen belastbare Daten aus den Instituten, wie der Internationale Währungsfonds (IWF) immer wieder kritisiert.

Hinzu kommt: Trotz des starken Anstiegs von Krediten – und damit der Bilanzsummen der Banken – verbleibt die Risikovorsorge dieser Institute auf einem sehr niedrigen Niveau. Gleichzeitig sind die Immobilienpreise stark gestiegen. So kostet in den größten chinesischen Städten eine Immobilie fast das Zehnfache eines durchschnittlichen jährlichen Haushaltseinkommens. Zum Vergleich: Die Immobilienblasen in den USA und Großbritannien platzten, als das Verhältnis lediglich die Hälfte des chinesischen Niveaus betrug.

Kommentare zu " Walter direkt: China als Weltenretter?"

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  • Zitat : China als Weltretter ?

    Es sollte wohl heißen, China als Weltuntergang....
    Wenn all die Chinesen, noch mehr als eine Milliarde, Kühlschränke, Flachbildfernseher ,Autos usw wollen ( was nicht vermessen ist ), ist die Erde am Ende ! Und wenn mann noch die Inder nimmt, bei denen das gleiche bevorsteht, dann rast die Erde mit doppelter Geschwindigkeit dem Ende entgegen.....?! Und wenn die Chinesen nicht etwa 500 Mio Mädchen ermordet hätten ( im Kampf um die Geburtenkontrolle ), dann wären unsere Tage bereits gezählt.... Und dann hier von Chinesen als Weltretter labern...Unglaublich !

  • China hatten eine enorme Blase im Immobilienbereich. Dazu kommt das die ch. Zentralbank hunderte von Milliarden in den privaten Bankensektot gepumpt hat, um diesen vor dem Crash zu retten. Des Weiteren brauen sich in China massive Umfeldprobleme zusammen. Außerdem entstehen immer mehr wirtschaftlich-soziale Ungleichgewichte zwischen Eliten und normaler Bevölkerung.

    Um es mal auf den Punkt zu bringen, steht China selbst vor immensen Problemen. Sollte die USA einen Reset hinlegen(dazu mal Dirk Müller lesen), dann hat China Billionen in US - Anleihen versenkt.

    Wer es immer noch nicht versteht, es muß ein weltweiter Systemwechsel des Geldes kommen. Das der Knall kommt, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

  • http://de.slideshare.net/sikandarsiddiqui/the-coming-world-economic-crisis-and-how-to-survive-it-15136661

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