Kurz und schmerzhaft

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Walter direkt: Das Pech des spanischen Premiers

Viel zu lange spielten spanische Politiker und  Banker die Probleme ihres Landes herunter. Jetzt haben die Märkte das Vertrauen in den Reformkurs des Regierungschefs Mariono Rajoy verloren.

Herbert Walter
Herbert Walter – Walter Direkt. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Helle Aufregung um Spanien. Soll das Land nun Hilfen von der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds erhalten? Will das Land das überhaupt und wenn ja, warum? Sollen wir Deutsche da wieder mitmachen und noch mehr Geld des gebeutelten Steuerzahlers aufs Spiel setzen? Das sind die Fragen, die Politiker sich gegenseitig an den Kopf werfen. Juncker gegen Seehofer, Seehofer gegen Juncker und alle anderen.

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Ganz ehrlich, geholfen ist damit niemandem, schon gar nicht den Spaniern. Ohne Zweifel stecken die in einer argen Bredouille. Schrumpfende Wirtschaft, steigende Arbeitslosigkeit, überschuldete private Haushalte, marode Sparkassen und dann die hohen Zinsen, die für neue Staatsanleihen gezahlt werden müssen. Alles zusammen ist eine schwere Last, die es jedem Politiker auf dieser Erde – egal, wo er etwas zu sagen hat – unmöglich machen würde, diese Probleme rasch und ohne Gegenwehr lösen zu können.

Strukturreformen brauchen nun einmal Zeit, bis sie ihre Wirkung entfalten. Wir sehen das ja in unserem eigenen Land. Die Ernte der vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder in den Jahren 2003 bis 2005 umgesetzten und heftig kritisierten Agenda 2010, so wurde die Reform der sozialen Systeme und des deutschen Arbeitsmarktes einst genannt,  fahren wir derzeit ein. Warum sollte das in Spanien um so vieles schneller gehen?

Richtig ist, dass die Spanier über viele Jahre Meister im Verdrängen von Problemen waren. Sie genossen den vom Immobilienboom geschürten Wohlstandsgewinn in vollen Zügen, ganz so wie es ein spanisches Sprichwort besagt:  „El que saba nada, de nada duda – wer nichts weiß, hat keine Zweifel.“

Fast fünf Krisenjahre haben die Spanier hinter sich gebracht, ohne dass in ihrem Land ernsthaft etwas geschah. Noch 2008, dem Jahr der Lehman-Pleite,  stieg die Verschuldung der privaten Haushalte in Spanien um rund 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im gleichen Jahr brach dann die Inlandsnachfrage ein, aber bis Anfang 2012 geschah gar nichts. Die spanischen Politiker versicherten ihren Wählern ein ums andere mal, dass alles unter Kontrolle sei und die Dinge in die richtige Richtung  liefen. Genauso machten es die Chefs der maroden spanischen Sparkassen, die sich noch für das in der Vergangenheit erzielte sagenhafte Ertragswachstum und ihre vermeintlich herausragende Effizienz rühmen ließen, als sich der Crash am Immobilienmarkt längst abzeichnete.

  • 01.08.2012, 08:04 UhrBen-Wa

    Rajoy müsste den Spaniern sagen, daß der Lebensstandard deutlich reduziert werden müsste. So wie in allen anderen EU-Ländern auch. Die durch den Euro gefüllte Blase ist geplatzt. Jetzt wird es eben ungemütlich.
    Vor alllem: Auch die Nordeuropäer können den Lebenstandard der Spanier (Griechen, Portugiesen, etc.) nicht finanzieren. Das Geld wird gar nicht erwirtschaftet.
    Wer den ESM mit einer Banklizenz hantieren lässt senkt den Lebensstandard überall in der Eurozone. Vor allem in Deutschland. Das wird zur Hyperinflation führen - so war es immer in der Geschichte.
    Der Euro selbst ist das Problem! Da gibt es keine Lösung!

  • 31.07.2012, 19:14 UhrOmarius

    sie habn beide recht. genau so wars,
    kalt sind wir geworden...

  • 31.07.2012, 18:21 UhrPeddaArndt

    Gedächtnishilfe gefällig? Ohne ihn loben zu wollen, aber Zapatero hat bereits Mittel die Krise versucht zu ergreifen, siehe Rente mit 67 und ähnlich sinnvolle Entscheidungen. Rajoy glaubt halt keiner mehr, weil er genau das NICHT tut, was er vor der Wahl versprochen hat, siehe Steuererhöhungen und Regieren per Dekret. Wahre Probleme ausser der Immobilienblase, wie die Unwilligkeit, Steuern zu zahlen oder Grössenwahn überflüssiger Provinzpolitiker werden natürlich nicht erwähnt. Genauswenig wie die boni der Banker, die in den fetten Jahren und wohl auch jetzt bestimmt einen guten Schnitt machen.

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