Kurz und schmerzhaft

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Walter direkt: Das reale Schreckgespenst

Politisch niedrig gehaltene Zinsen und anziehende Inflationsraten entwerten das Geldvermögen der Deutschen. Das ist eine tickende Zeitbombe für die private Altersvorsorge.

Herbert Walter
Herbert Walter – Walter Direkt. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Gleichgültig, welche Umfrage man derzeit zu den Ängsten der Deutschen liest, kaum ein anderes Ungemach verbreitet hier zu Lande mehr Schrecken als die Inflation. Dabei scheint für die Bundesbürger auch geklärt zu sein, dass es nicht mehr darum geht, ob es zu einer Inflation kommt, sondern nur noch darum, wann dieses Schreckgespenst uns am Wickel haben wird.

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Ehrlicherweise wird wohl ein jeder eingestehen müssen, dass der Blick in die Zukunft derzeit arg getrübt ist und die Meinungen demzufolge darüber weit auseinander gehen. Was bei dieser Diskussion aber weitgehend missachtet wird: Selbst wenn alles so bleibt wie jetzt, ist auch das eine höchst unangenehme Situation, denn Sparer und Anleger sind in diesen Zeiten mit einer fatalen Mischung aus historisch niedrigen Zinsen und Inflationsraten konfrontiert.

Geht man von der durchschnittlichen Umlaufrendite deutscher Staatsanleihen aus und zieht davon den prozentualen Anstieg des Konsumpreisniveaus ab, so ergibt das einen negativen Wert. Das heißt, bei einem Kapitalmarktzins von aktuell knapp 1,3 Prozent und einer Inflationsrate von 2,1 Prozent in Deutschland, machen Sparer übers Jahr gesehen einen realen Verlust von 0,8 Prozent. Faktisch ist der sogar noch höher, weil die Abgeltungssteuer ein Viertel der mageren Zinseinnahmen wegnimmt und die verbliebenen Zinseinnahmen ja nicht in jedem Fall zur Gänze wieder angelegt, sondern manchmal auch konsumiert werden. Der reale Verlust liegt dann also schon deutlich über einem Prozent jährlich.

Das ist eine relativ neue Erfahrung, denn historisch bewegte sich der so berechnete Realzins für Anleger zwischen gut drei und vier Prozent, was nichts anderes bedeutet, dass die Kaufkraft des Geldvermögens binnen Jahresfrist um diesen Prozentsatz gestiegen ist.

Jetzt aber sinkt die Kaufkraft des Geldvermögens, wenn auch erst seit rund einem Jahr. Aber einiges spricht dafür, dass eine solche Konstellation durchaus länger Bestand haben könnte. Das aber hätte gravierende Auswirkungen auf die reale Wertentwicklung des Geldvermögens und damit insbesondere auch für die private Altersvorsorge.

Sollten die Fachleute recht behalten, dass die jährliche Inflationsrate in den nächsten Jahren eher zwischen drei und vier Prozent als zwischen ein und zwei Prozent liegen dürfte und geht man zudem davon aus, dass die Notenbanken ihre Politik des billigen Geldes fortsetzen, um auf diese Weise das staatliche Schuldenproblem zu entsorgen, so wäre es keinesfalls ausgeschlossen, dass sich der Realzins in einer Größenordnung von minus zwei Prozent bewegen könnte.

  • 21.10.2012, 23:19 UhrMazi

    Das ist doch gar kein Problem. Die niedrigen Zinsen sind das Werk der EZB. Auch die erwartete Inflation ist das Ergebnis der EZB-Oberen.

    Wenn es also zum erwarteten Zusammenbruch der Altersvorsorge kommt, dann ist dies das Ergebnis der EZB-Politik. Bei dieser Sachlage ist es doch nicht mehrmals selbstverständlich, wenn die EZB auch für die von ihr verursachten Schäden gerade steht. Es ist auch selbstverständlich, dass unsere Abgeordneten, die die Bundesbürger mit ihrem Abstimmungsverhalten "alternativ" in die Altersarmut schicken, sich schuldbewußt zeigen und sich solidarisch zeigen. Sie finanzieren mit ihren Pensionen Suppenküchen und Tafel und übernehmen dort Ehrenämter.

    Wenn das Volk begreift was derzeit "abgeht", wird es wahrscheinlich zu großen, kaum zu bändigenden Unruhen kommen. Die Bundeswehr im Innern einzusetzen, wird zwar vorbereitet, hilft aber nicht wie das Beispiel Syrien eindrucksvoll zeigt.

  • 21.10.2012, 17:34 UhrMarco99

    Eine Ketchup-Inflation ist viel wahrscheinlicher. Ganz schnell ganz viel. Eine importierte Inflation trifft auf anziehende Konjunktur, trifft auf eine erhöhte Geldumlaufgeschwindigkeit, trifft auf anziehende Investitionen. Und das ganze vor bereits enorm gestiegenen Vermögenspreisen (wie Immobilien die ja in den Mond-Preiskörbern der Lügenstatistiker gar nicht auftauchen) und bereits drastisch gestiegenen Oligopolkosten (Brennstoffe, Energie)..dann kommen ganz schnell die Milliarden der Heuschrecken angeflogen die sich in ihrer Gier eine Preisexplosion erhoffen -> Peng !
    4% ?? Never ever, bzw. von abhängig beschäftigten Statistik-Wasserträgern mit magischer Mathematik kunstvoll errechnet...

  • 21.10.2012, 11:56 Uhrwhoknows

    Tja, die Eigentümer und Gläubiger der Banken aka der Geldadel sind halt wichtiger als Rentner und Sparer europaweit.

    Die Geldgeber können natürlich keine Verluste durch Haircut soder Debt-Equity-Swaps bzw. Bail-Ins erleiden.

    Die Fehlinvestitionen der Banken und der Spending -Spree der Staaten muss natürlich durch das Abschmelzen des Geld- und Sparvermögens der Mittelklasse durch Inflation erfolgen.

    Die gemeldeten Inflationsraten sind natürlich sowieso ein Witz. Wenn man sich allein die Industrialisierung in der Ernährungswirtschaft anschaut. Das hätte in den letzten Jahrzehnten den Lebensmittelpreis erheblich drücken müssen.

    Die Qualität der Produkte wird bei gleichem Preis auch immer schlechter.

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