Walter direkt

Das verschwiegene Rettungspaket

Mit 450 Milliarden Euro finanziert die Bundesbank die hochverschuldeten Euro-Staaten. Es ist ein Skandal, dass kein Politiker und kein europäischer Währungshüter über dieses Thema öffentlich sprechen will.
67 Kommentare
Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Kein normaler Mensch versteht mehr, wie der Euro gerettet werden soll. Da werden „Schirme“ gebastelt (EFSF, ESM), Institutionen mit ins Boot geholt (EZB, IWF) und Fiskalpakte geschlossen, dass einem ganz schwindelig wird ob der vielen Milliarden Euro, die das alles kostet.

Und dann wird darüber ja auch noch öffentlich und kräftig gestritten. Politiker haben je nach Lage ihre unterschiedliche Sicht der Dinge. Wissenschaftler ereifern sich übers große Ganze oder kritisieren Details und nicht zuletzt protestiert unsere Bundesbank, dass sie über einen bilateralen 45-Milliarden-Kredit an den Internationalen Währungsfonds direkt in die Finanzierung von europäischen Schuldnerstaaten eingespannt wird.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann durfte den Mitgliedern des Bundestags-Haushaltsausschusses vor wenigen Tagen nicht einmal seine Bedenken gegen eine solche Kreditvergabe erläutern, so dünnhäutig sind die politischen Krisenakteure inzwischen.

Vielleicht hatte die Absage an Weidmann aber auch einen Grund darin, dass unser Währungshüter die Gelegenheit hätte nutzen können, um den Parlamentariern zu erklären, dass die Bundesbank jetzt schon über ein gigantisches „Rettungspaket“ mit dem harmlos klingenden Namen „Target“ die europäischen Schuldnerstaaten finanzieren müsse, der IWF-Kredit also noch eine Zugabe „obendrauf“ sei. Vermutlich hätte er das aber doch nicht getan, denn dabei handelt es sich um die mit Sicherheit am meisten verschwiegene Rettungsmaßnahme in der aktuellen Krise.

„Target“ ist eine Abkürzung für ein unaussprechliches Zahlungssystem und insgesamt eine komplizierte, schwer zu erklärende Angelegenheit. Im Kern muss man sich darunter einen Kontokorrentkredit einer Notenbank des Euro-Systems für eine andere Notenbank des Euro-Systems vorstellen. Weil die Notenbanken aber den jeweiligen Staaten gehören, finanziert auf diese Weise die Bundesbank die kreditnehmenden Staaten der Euro-Zone über deren Notenbanken – auch wenn die Kredite offiziell über die Europäische Zentralbank (EZB) laufen.

Schuldner sind ausschließlich die PIIGS-Länder
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

67 Kommentare zu "Walter direkt: Das verschwiegene Rettungspaket"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ist schon spannend, wie jemand, der Teil, Mitträger und Nutznießer des verkommenen Systems war, nach seinem Ausscheiden auf einmal klar denken kann und sich öffentlich profiliert! Zu aktiven Zeiten etwas zu verändern - Fehlanzeige! Die Wendehälse funktionieren immer.... alles erbärmliche Feiglinge und Vasallen.....

  • Alleine die Zeilen des vorstehenden Artikels müssten in Deutschland zu einer "Revolution" führen - aber es tut sich nicht viel - oder doch? Es gibt eine kleine Partei namens "Partei der Vernunft" - hoffentlich werden noch viele "vernünftig" :-)

  • Danke Herr Walter.
    Ist die von der Bundesbank neulich vom Bundes-Finanzminister geforderte Absicherung von € 200 Mrd. - zusätzliche Kredite an wen auch immer - auch unter dem Aspekt der bereits eingegangenen, zu verschweigenden € 450 Mrd. TARGET-Kredite - zu sehen?
    Kann jemand andworten? Auch ihm danke.

  • @ danke,
    précisons,
    erst Mal gibt es keine 88 Millionen Deutsche in Deutschland, es sei denn dass Sie den Anschluß schon wieder vollzogen haben.
    Zweitens spreche ich von höherem Prozentsatz von Idioten in Deutschland als anderswo. Also nicht alle sind es, nur prozentual am höchsten.

  • Die fatale Entwicklung von TARGET2 hat Hans-Werner Sinn schon vor etlichen Monaten aufgezeigt. Herr Walter berichtet hier nichts grundsätzlich neues.

    > Kommen diese TARGET-Gelder obendrauf?

    Ja, die kommen zu allen bisher eingegangenen Verpflichtungen noch hinzu. Stand November sind das 507 Milliarden bei TARGET2. De jure haftet Deutschland nicht mit diesem Volumen, wenn es aber zu Staatspleiten kommt, ist das Geld für Deutschland sehr wahrscheinlich verloren.

    Zur Diskussion um die deutsche Souveränität möchte ich die Worte eines gewissen Herrn Schäuble vom November diesen Jahres zitieren: "Wir in Deutschland sind seit dem 8. Mai 1945 zu keinen Zeitpunkt mehr voll souverän gewesen. Das wusste übrigens das Grundgesetz: Das steht schon in der Präambel von 1949 das Ziel als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen."

    Schäuble selbst hat übrigens 1990 genau diese Stelle der Präambel geändert und u.a. den Teil "seine nationale und staatliche Einheit zu wahren" entfernt. Sicher war das reiner Zufall ...

  • Ich verstehe Ihren Kommentar nicht. Deutschlands Souveraenitaet ist doch seit der Unterzeichnung des 2+4 Friedensvertrages am 15. Maerz 1991 gesichert. Was soll das Geschwaetz von ungueltigen Gesetzen?

  • Stimmt doch – der Autor irrt nicht. EZB und die angeschlossenen Zentralbanken sind doch zweimal die Dummen. Denn die Targetsalden haben nichts mit der „normalen“ Geldaufnahme bei der EZB zu tun, sondern laufen extra.
    Bitte hierzu unbedingt mal den Vortrag von Prof. Sinn ansehen, dann wird es deutlicher:
    http://www.youtube.com/watch?v=tvcN1gkaEew

  • Ja und?
    In einer Zeit, wo man monatelang um eine HartzIV Erhöhung um 5.-- Euro ringt, sich unsere Abgeordneten in einer Nacht- und Nebelaktion eine Diätenerhöhung von 584.-- Euro genehmigen, braucht man sich doch nicht zu wundern, wenn nebenbei auch mal ein paar Milliarden fällig werden.
    Der Unterschied zu einer Million ist ja auch nur marginal. Hat so ne Milliarde ja auch nur 7 Nullen.
    glaube ich ...
    frohe Weihnacht!

  • Na klar, Nationalismus ist in Frankreich natürlich völlig unbekannt. Wollen Sie sich lächerlich machen, oder was soll das?

  • Und dann stellt sich schon die Frage (und ich denke jetzt mal ganz einfach französisch und nicht deutsch), wenn es also nichts gibt, warum hält sich dann Deutschland eigentlich dran. Psychologisch liegt nämlich genau hier der Hund begraben. Wenn man als Deutscher was unterschrieben hat bzw. zugesagt, dann bleibt dies für immer bestehen. Andere Länder sind da anders. Hollande hat z.B. jetzt schon öffentlich gesagt, dass die ganzen Vereinbarungen, die Sarkozy jetzt tritt mit Merkel für seine Regierung nicht gelten. Und das wird dann auch so sein. Vielleicht wird es Zeit, ein bisschen französischer zu werden und anzuerkennen, dass man nicht alles bis zum bitteren Ende mitmachen muss, sondern dass es ab und zu auch vernünfitg sein kann, um vorher stopp zu sagen und ich mach da jetzt aber nicht mehr mit. Mit anderen Worten, um den anderen zu zeigen, dass man eine Grenze hat und nicht alles mitmacht bis zum bitteren Ende. Und dass man ab und zu Vereinbarungen abändern muss, wenn man sieht, dass die getroffenen überholt sind bzw. schlecht. Kein einziger Staat in der EU hat was davon, wenn D pleite ist. Niemand. Aber den meisten ist ja garnicht bewusst, was die finanzielle Situation in D ist. Das Einzige, was man hört ist, die Wirtschaft brummt. Automatisch denkt man dann, Deutschland hat endlos viel Geld. Und das ist eine Perzeption, die man schleunigst ändern sollte mit der Hilfe von Kommunikation und Fakten.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%