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Walter direkt: Das verschwiegene Rettungspaket

Mit 450 Milliarden Euro finanziert die Bundesbank die hochverschuldeten Euro-Staaten. Es ist ein Skandal, dass kein Politiker und kein europäischer Währungshüter über dieses Thema öffentlich sprechen will.

Herbert Walter
Herbert Walter – Walter Direkt. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Kein normaler Mensch versteht mehr, wie der Euro gerettet werden soll. Da werden „Schirme“ gebastelt (EFSF, ESM), Institutionen mit ins Boot geholt (EZB, IWF) und Fiskalpakte geschlossen, dass einem ganz schwindelig wird ob der vielen Milliarden Euro, die das alles kostet.

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Und dann wird darüber ja auch noch öffentlich und kräftig gestritten. Politiker haben je nach Lage ihre unterschiedliche Sicht der Dinge. Wissenschaftler ereifern sich übers große Ganze oder kritisieren Details und nicht zuletzt protestiert unsere Bundesbank, dass sie über einen bilateralen 45-Milliarden-Kredit an den Internationalen Währungsfonds direkt in die Finanzierung von europäischen Schuldnerstaaten eingespannt wird.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann durfte den Mitgliedern des Bundestags-Haushaltsausschusses vor wenigen Tagen nicht einmal seine Bedenken gegen eine solche Kreditvergabe erläutern, so dünnhäutig sind die politischen Krisenakteure inzwischen.

Vielleicht hatte die Absage an Weidmann aber auch einen Grund darin, dass unser Währungshüter die Gelegenheit hätte nutzen können, um den Parlamentariern zu erklären, dass die Bundesbank jetzt schon über ein gigantisches „Rettungspaket“ mit dem harmlos klingenden Namen „Target“ die europäischen Schuldnerstaaten finanzieren müsse, der IWF-Kredit also noch eine Zugabe „obendrauf“ sei. Vermutlich hätte er das aber doch nicht getan, denn dabei handelt es sich um die mit Sicherheit am meisten verschwiegene Rettungsmaßnahme in der aktuellen Krise.

„Target“ ist eine Abkürzung für ein unaussprechliches Zahlungssystem und insgesamt eine komplizierte, schwer zu erklärende Angelegenheit. Im Kern muss man sich darunter einen Kontokorrentkredit einer Notenbank des Euro-Systems für eine andere Notenbank des Euro-Systems vorstellen. Weil die Notenbanken aber den jeweiligen Staaten gehören, finanziert auf diese Weise die Bundesbank die kreditnehmenden Staaten der Euro-Zone über deren Notenbanken – auch wenn die Kredite offiziell über die Europäische Zentralbank (EZB) laufen.

  • 28.01.2012, 13:27 UhrAnonymer Benutzer: Michelle

    Ist schon spannend, wie jemand, der Teil, Mitträger und Nutznießer des verkommenen Systems war, nach seinem Ausscheiden auf einmal klar denken kann und sich öffentlich profiliert! Zu aktiven Zeiten etwas zu verändern - Fehlanzeige! Die Wendehälse funktionieren immer.... alles erbärmliche Feiglinge und Vasallen.....

  • 24.12.2011, 14:42 UhrAnonymer Benutzer: AHA

    Alleine die Zeilen des vorstehenden Artikels müssten in Deutschland zu einer "Revolution" führen - aber es tut sich nicht viel - oder doch? Es gibt eine kleine Partei namens "Partei der Vernunft" - hoffentlich werden noch viele "vernünftig" :-)

  • 24.12.2011, 11:20 UhrAnonymer Benutzer: MaierH76

    Danke Herr Walter.
    Ist die von der Bundesbank neulich vom Bundes-Finanzminister geforderte Absicherung von € 200 Mrd. - zusätzliche Kredite an wen auch immer - auch unter dem Aspekt der bereits eingegangenen, zu verschweigenden € 450 Mrd. TARGET-Kredite - zu sehen?
    Kann jemand andworten? Auch ihm danke.

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