Walter direkt: Der alternativlose Dollar

Walter direkt
Der alternativlose Dollar

Für den Dollar als globale Leit- und Reservewährung gibt es keinen Ersatz, trotz allem Unbehagen über das geld- und fiskalpolitische Doping der US-Wirtschaft. Der Euro jedenfalls kommt als Nachfolger nicht in Frage.

Seit Ausbruch der Finanzkrise hat eine Frage vor allem unter Ökonomen Konjunktur: Muss man sich um den US-Dollar Sorgen machen? Kürzlich haben sich das sogar amerikanische Politiker gefragt, die im Bundesstaat Virginia einen Gesetzentwurf für eine neue Landeswährung vorlegten. Sie wollten mit ihrem Vorstoß verhindern, dass Virginia durch die unsolide Geld- und Fiskalpolitik des Zentralstaats mit in den Abgrund gezogen werden könnte.

Tatsächlich laufen die Aufräumarbeiten nach den Krisenjahren in den USA deutlich anders als etwa in Europa. Die US-Notenbank Fed hat die Druckerpresse angeworfen und finanziert praktisch unbegrenzt jeden Liquiditätsbedarf des Finanzsystems zu einem Zinssatz nahe null Prozent. Zudem engagiert sie sich immer stärker in der unmittelbaren Staatsfinanzierung. US-Staatspapiere im Wert von mehr als 1,7 Billionen Dollar hatte die Fed Ende vorigen Jahres in ihren Büchern, überwiegend mit Laufzeiten von zehn bis 30 Jahren.

US-Präsident Barack Obama turnt wie ein Alpinist im „fiscal cliff“. Diese „fiskalische Felswand“ ist ein Gesetz, das automatische Budgetkürzungen nach der Rasenmähermethode vorschreibt, wenn die Politik nicht eigene Mittel und Wege findet, um das Loch im Haushalt zu verkleinern. Das aber gelingt in den USA derzeit nicht. Obama ist gegen Ausgabenkürzungen, die Republikaner sind gegen Steuererhöhungen.

Dieses Theater geht nun schon viele Monate über die Bühne und am 1. März schlug das Gesetz zu: Bis 2021 müssen Ausgaben in Höhe von 1,2 Billionen Dollar gestrichen werden, davon 85 Milliarden Dollar in diesem Jahr oder acht Prozent des Bundeshaushalts.

Das sind gewaltige Summen, aber mit einer spürbaren Haushaltssanierung hat das nur wenig zu tun. So wie es aussieht, wird das Defizit im US-Bundeshaushalt in diesem Jahr trotz der Sparkeule bei mehr als fünf Prozent liegen und selbst mittelfristig gehört ein auch nur annähernd ausgeglichener Haushalt nicht zu den Zielen Obamas.

Konkret heißt das, die USA werden weiterhin auf Pump leben, die Wirtschaft mit einer schuldenfinanzierten Nachfrage dopen und sich das Geld dafür nahezu ausschließlich aus dem Ausland holen. Es ist diese Perspektive, die Politiker in Virginia dazu gebracht hat, über eine eigene Landeswährung nachzudenken und die Ökonomen darüber ins Grübeln bringt, wie lange der US-Dollar unter diesen Bedingungen wohl noch seine Rolle als globale Leit- und Reservewährung ausüben wird.

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