Kurz und schmerzhaft

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Walter direkt: Der alternativlose Dollar

Für den Dollar als globale Leit- und Reservewährung gibt es keinen Ersatz, trotz allem Unbehagen über das geld- und fiskalpolitische Doping der US-Wirtschaft. Der Euro jedenfalls kommt als Nachfolger nicht in Frage.

Herbert Walter
Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Seit Ausbruch der Finanzkrise hat eine Frage vor allem unter Ökonomen Konjunktur: Muss man sich um den US-Dollar Sorgen machen? Kürzlich haben sich das sogar amerikanische Politiker gefragt, die im Bundesstaat Virginia einen Gesetzentwurf für eine neue Landeswährung vorlegten. Sie wollten mit ihrem Vorstoß verhindern, dass Virginia durch die unsolide Geld- und Fiskalpolitik des Zentralstaats mit in den Abgrund gezogen werden könnte.

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Tatsächlich laufen die Aufräumarbeiten nach den Krisenjahren in den USA deutlich anders als etwa in Europa. Die US-Notenbank Fed hat die Druckerpresse angeworfen und finanziert praktisch unbegrenzt jeden Liquiditätsbedarf des Finanzsystems zu einem Zinssatz nahe null Prozent. Zudem engagiert sie sich immer stärker in der unmittelbaren Staatsfinanzierung. US-Staatspapiere im Wert von mehr als 1,7 Billionen Dollar hatte die Fed Ende vorigen Jahres in ihren Büchern, überwiegend mit Laufzeiten von zehn bis 30 Jahren.

US-Präsident Barack Obama turnt wie ein Alpinist im „fiscal cliff“. Diese „fiskalische Felswand“ ist ein Gesetz, das automatische Budgetkürzungen nach der Rasenmähermethode vorschreibt, wenn die Politik nicht eigene Mittel und Wege findet, um das Loch im Haushalt zu verkleinern. Das aber gelingt in den USA derzeit nicht. Obama ist gegen Ausgabenkürzungen, die Republikaner sind gegen Steuererhöhungen.

Dieses Theater geht nun schon viele Monate über die Bühne und am 1. März schlug das Gesetz zu: Bis 2021 müssen Ausgaben in Höhe von 1,2 Billionen Dollar gestrichen werden, davon 85 Milliarden Dollar in diesem Jahr oder acht Prozent des Bundeshaushalts.

Das sind gewaltige Summen, aber mit einer spürbaren Haushaltssanierung hat das nur wenig zu tun. So wie es aussieht, wird das Defizit im US-Bundeshaushalt in diesem Jahr trotz der Sparkeule bei mehr als fünf Prozent liegen und selbst mittelfristig gehört ein auch nur annähernd ausgeglichener Haushalt nicht zu den Zielen Obamas.

Konkret heißt das, die USA werden weiterhin auf Pump leben, die Wirtschaft mit einer schuldenfinanzierten Nachfrage dopen und sich das Geld dafür nahezu ausschließlich aus dem Ausland holen. Es ist diese Perspektive, die Politiker in Virginia dazu gebracht hat, über eine eigene Landeswährung nachzudenken und die Ökonomen darüber ins Grübeln bringt, wie lange der US-Dollar unter diesen Bedingungen wohl noch seine Rolle als globale Leit- und Reservewährung ausüben wird.

  • 05.03.2013, 17:03 UhrBen-Wa

    Herr Walter, es gibt ja noch mehr als den Euro. Dieser Schrott - da haben Sie recht - taugt nichts als Weltleitwährung. Aber was wird der Renmimbi machen? Die ganzen bilateralen Verträge zum Einsatz dieser Valuta für Handelsbeziehungen? Es geht nicht um morgen, sondern übermorgen!

  • 05.03.2013, 17:42 UhrRadiputz

    Der Euro muß und sollte und kann nicht den Dollar als Weltleitwährung ablösen. Warum auch?

    Er sollte "funktionieren", was er aber nicht optimal leistet aus den bekannten Gründen, die hier aufzuzählen überflüssig ist, da sie eh alle bekannt sind und auch mit aller Wahrscheinlichkeit nicht in dem Maß behoben werden können, das wünschenswert wäre.

    Nur eine Modifizierung des Euro-Raums hin zu einer Aufteilung in einen Nord- und einen Süd-Euro mit flexiblen Wechselkusen in einem Korb mit 2 Eiern , könnte dem Nord-Euro neues Leben einhauchen, zwar nicht als "Weltleitwährung" aber "immerhin"!
    Wobei man sich unter "immerhin" so Manches vorstellen kann.

  • 05.03.2013, 17:58 Uhrmondahu

    "Yen und Yuan sind ... Währungen ... mit hohen inländischen Sparquoten ...". Das stimmt so nicht mehr. In Japan ist die Sparquote inzwischen abgesackt, die alternde Bevölkerung entspart und die Yen-Schwemme drückt den Yen-Kurs. In China läuft die Entwicklung in dieselbe Richtung, da dort der Konsum entdeckt wird und die Handelsbilanz dem Gleichgewicht zustrebt.

    Der Dollar kann sich nur solange halten als er Handelswährung für Rohstoffe bleibt. Das ändert sich schon beträchtlich. Auch die EU sollte darauf drängen, daß z.B. der Erdöl-Import in € bezahlt wird. Andere Länder sind schon soweit, den $ zu umgehen.

    Die USA können wohl noch eine Weile so weiterwirtschaften, aber je länger das noch angeht, desto heftiger wird der Fall vom Treppchen werden. Man kann allerdings nicht wünschen, daß dann der € die Rolle der Leitwährung übernimmt. Wahrscheinlich wird ein multipolares Währungssystem nachwachsen.

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