Walter direkt
Der Tag der Abrechnung rückt näher

Viel zu optimistische Prognosen der EU-Schuldenstaaten zum Wirtschaftswachstum sollen die Geldgeber beruhigen. Sie sind Augenwischerei und sollen verbergen, was niemand hören will: Ein neuer Schuldenschnitt muss her .
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Regierungskrisen, Massenproteste, schlechte Konjunkturperspektiven, steigende Zinsen, unter Liquiditätsmangel leidende Unternehmen, und Politiker, die wie die Kesselflicker über Maßnahmen zur Rettung von Ländern, Banken und allerlei Besitzständen streiten, das ist das Bild, das der Euro-Raum nun schon seit Jahren in den Medien abgibt.

Ohne Zweifel gibt es in einigen Ländern der Euro-Zone Fortschritte im Kampf gegen die Schuldenkrise, aber das zart wachsende Hoffnungspflänzchen wird dann von immer neuen Turbulenzen wieder auf den Boden gedrückt.

Der vermutlich wichtigste Grund dafür liegt in einem Dilemma: Um die Krise bewältigen zu können, brauchen die überschuldeten Staaten der Euro-Zone Wachstum im Inland und sie brauchen für ihre Exporte Länder, die wegen einer guten Konjunkturentwicklung mehr Güter von ihnen importieren.

Das aber ist reine Theorie. Die Wirtschaft in den Krisenländern schrumpft und in den Kernländern der Euro-Zone wie zum Beispiel in Belgien, Finnland, Holland oder Frankreich sehen die Wachstumsperspektiven alles andere als rosig aus. Möglicherweise gilt das auch für Deutschland: Der Export schwächelt und für das zweite Halbjahr wird insgesamt mit einer nachlassenden wirtschaftlichen Dynamik gerechnet.

Die Sparkurse der Regierungen in den Peripheriestaaten werden so zu einer erdrückenden Geisel und das fast schon Makabre daran ist, dass trotz aller Anstrengungen die Schulden in diesen Ländern nicht nennenswert sinken - jedenfalls in keinem Falle so, dass die Schuldenlast erträglicher geworden ist.

In knapp einer Woche verhandelt die portugiesische Regierung wieder mit den Geldgebern vom Internationalen Währungsfonds, der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank, der sogenannten Troika, über die Hilfen für 2014 und später.

Es ist doch sonnenklar, dass diesem Gremium die bisherigen Erfolge im Kampf gegen die Krise ausführlichst dargestellt werden. Ebenso klar ist, dass dabei auch Prognosen über die weitere wirtschaftliche Entwicklung eine wichtige Rolle spielen.

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Lieber ein Ende mit Schrecken

Kommentare zu " Walter direkt: Der Tag der Abrechnung rückt näher"

Alle Kommentare

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  • @Herrmann.12
    Ein ganz klares NEIN!
    Die Europäische Wirtschaft lässt sich nur reparieren indem man Geld sprichwörtlich INVESTIERT. Die allermeisten sog. 'Rettungsaktionen' habe Geld in 'Zombibanken' versenkt. Damit Geld nicht einfach Gedankenlos verschleudert wird müssen die einzelnen Staaten unbedingt auch für wirtschaftliches Fehl-/Richt-Verhalten gerade stehen. Sprich EIGENVERANTWORTLICH handeln und behandelt werden. NO BAILOUT. Das beste Beispiel dafür ist Griechenland. Trotz zweier Bail-Outs ist Griechenland heute höher verschuldet als je zuvor. Gegenwärtig 174% Schuldenquote! Außer ein wenig Gehaltskürzungen bei den 'kleinen Leuten' wurden keinerlei Reformen umgesetzt. Die überflüssigen Beamten des aufgeblähten Beamtenapparates wurden in einer sog. 'Arbeitsreserve' geparkt. Bei vollen Bezügen! Daher muss Griechenland unbedingt raus aus dem Euro zumal sich Griechenland nur durch Betrug Zutritt verschafft hat:
    http://www.cesifo-group.de/ifoHome/policy/Staff-Comments-in-the-Media/Interviews-in-print-media/Archive/Interviews_2010/medienecho_12405410_ifointerview-focus-19-03-10.html

    Weiterhin, in Italien und Frankreich ist nicht der Funke noch der Wille zu einer wirksamen Reform Erkennbar. Beide Länder werden durch illegale Tricksereien der EZB finanziert.
    Die Ursache des Problems ist das es durch die Eurorettung keine Notwendigkeit zur Reform gibt und solange die Ursache nicht beseitigt ist kann es auch keine Erholung geben. Die sogenannte 'Eurorettung' ist kontraproduktiv.

  • @HofmannM,

    leider funktioniert internationale Wirtschaft nicht so, wie man es mit einem kleinen Inlandsschuldner durchaus richtig praktizieren würde.
    wer bei der Erpressung am längeren Hebel sitzt ist dabei durchaus fraglich. Denn die Gläubiger der Südländer haben damit letztlich nur den Absatz eigener Produkte finanziert. Unsere Exportindustrie wird schrumpfen müssen, aber eine Umstellung setzt eine Stärkung der Binnennachfrage voraus, wenn wir nicht schlagartig massiv Arbeitsplätze und Vermögen verlieren wollen. solange muss die Kaufkraft der Südländer künstlich erhalten bleiben.

    H.

  • Wenn wir dabei nicht selbst der Hauptleidtragende sein wollen, müssen wir erst unsere Exportindustrie durch mehr Inlandsnachfrage ersetzen, denn die neuen Kredite und Stundungen sind die Erträge für unsere Exportindustrie.

    H.

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