Walter direkt

Die heimlichen Reichen

Pensionen von Politikern und Staatsdienern werden in keiner Bilanz oder Vermögensstatistik erfasst. Deshalb spielen sie, obwohl oft millionenschwer, bei der geplanten Reichensteuer auch keine Rolle. Das ist nicht fair.
41 Kommentare
Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

„Diejenigen sollen für die Krise zahlen, die es sich am ehesten leisten können“, begründete Verdi-Chef Frank Bsirske sein Engagement für eine höhere Besteuerung der reichen Deutschen. Allen voran Siegmar Gabriel von der SPD und andere grüne oder linke Politiker stimmten flugs ins gleiche Horn.

Seitdem geht es hoch her, dabei aber weniger um die Frage, ob das Ganze eine Schnapsidee ist oder nicht, sondern darum, wie man am Besten den reichen Deutschen ins Portemonnaie greifen könne: Jedem, der mehr als 250.000 oder eine Million Euro in der Tasche hat, einmalig oder über zehn  Jahre verteilt, über Steuern oder über Abgaben und so weiter. Genaueres sollen wir im Herbst dieses Jahres erfahren.

In einem Punkt sind sich Politiker und Gewerkschafter aber jetzt schon einig: Die wie auch immer geartete Reichensteuer soll aus dem auf insgesamt über neun Billionen Euro geschätzten Privatvermögen der Deutschen abgezweigt werden. Dieses Vermögen besteht etwa zur Hälfte aus Immobilienbesitz und zu anderen Hälfte aus Geldvermögen.

Laut amtlicher Statistik ist das Vermögen der deutschen Millionäre in den vergangenen sechs Jahren im Schnitt um nominal knapp zwei Prozent jährlich auf 2,18 Billionen Euro in 2011 gewachsen. Lassen wir mal die 10.000 bis 20.000 superreichen Deutschen außen vor, so hat vermutlich eine Mehrheit der restlichen rund 800.000 deutschen Vermögensmillionäre im Laufe des Berufslebens vorrangig für das Alter vorgesorgt.

Der wichtigste Grund für die eher magere Vermögensentwicklung wird mit dem Begriff „finanzielle Repression“ beschrieben. Die Politik der Notenbanken, mit Zinsen nahe Null und faktisch unbegrenzter Liquiditätsversorgung führt dazu, dass die Renditen für risikoarme Anlagen wie etwa Staatsanleihen unter den Inflationsraten liegen. Dadurch sinkt einerseits über einen längeren Zeitraum die Schuldenlast der Regierungen, andererseits sind Anleger, die keine großen Risiken eingehen wollen, in realer Rechnung am Jahresende ärmer als zwölf Monate zuvor.

Politiker würden von der Regelung profitieren
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41 Kommentare zu "Walter direkt: Die heimlichen Reichen"

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  • wenigstens sagt uns dieser Komentar etwas über die Intelligez dieses Beamten, alle können Beamte werden, als ob ihn jemand gezwungen hätte Beamter zu werden.

  • @ Steffen111

    Sie haben Recht mit Ihrer Kritik und auch wieder nicht. Der ggf. vorhandene Kapitalstock einer Privatperson ist vererbbar und stellt insoweit auch nach dem Ableben noch einen Wert da. Die Pension endet mit dem Tod (spätestens nach dem der Witwe/Witwers)und hat dann keinen Wert mehr. Es gibt allerdings für die Wertberechnung eben solcher Pensionsansprüche durchaus mathematische Verfahren, eine Abzinsungsformel um den sogenannten Barwert zu ermitteln. Das Ergebnis läge dann irgendwo zwischen den ominösen 6 Mio und Ihren 300 T€.

    Falsch wäre es den Durchschnittsbeamten heranzuziehen. Es soll doch hier gerade darum gehen, die "Reichen" zu ermitteln. Und genauso wie nicht jeder Privatmann in diese Kategorie fällt, genausowenig wird jeder Beamte/Politiker in die Kategorie fallen. Herr Eichel ist schon das richtige Beispiel.

    @ Rechner:
    Mit den Sterbetafeln ist das so eine Sache. Wenn Sie sich die aktuelle berechnete!!! Lebenserwartung für Deutschland ansehen, dann liegt die Zahl je nach Quelle zwischen 79 und 81 Jahren (geschlechtergemittelt). Das ist dann allerdings die Zahl für HEUTE geborene Kinder. Da Sie und ich, Steffen111 und Hr. Eichel, allerdings alle schon ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel haben als ein Neugeborenes, liegt unsere durchschnittliche Lebenserwartung sogar nur bei rund 71 (ein heute 50-jähriger, Quelle Weltbankbericht).

    Der Artikel ist im Kern richtig, schiesst allerdings deutlich übers "Ziel" hinaus. Problematisch ist vielmehr, dass auf diese Weise solange die Lasten "fair" verteilt werden, bis alle zahlen müssen.

  • 'Steffen111' sagt
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    die vorsorgezeit beträgt vom 65 lebensjahr bis zum tod bei einer lebenserwartung von 78 jahren gerechnet 13 jahre
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    Verwenden Sie eine Sterbetafel aus dem Jahr 1924?

    Ein 65-jähriger hat heutzutage eine statistische Restlebenserwartung von durchschnittlich 20 Jahren.

    Bei Beamten ist es noch ein bißchen mehr.

    ++++

    'Steffen111' sagt
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    eine schöne milchmädchenrechnung die da der herr von der ehemaligen dresdner bank uns da auftischt.
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    Wohingegen ihre Rechnung wohl vom Pferdehändler aufgemacht wurde.

  • eine schöne milchmädchenrechnung die da der herr von der ehemaligen dresdner bank uns da auftischt. eingentlich sollte man von einem hohen banker erwarten können, dass er sich mit rechnen auskennt. allerdings, wenn man den niedergang der dresdner bank sich so ansieht, ist es auch wieder kein wunder.
    aber mal zur sache: der vergleich der pension mit dem zins eines angesparten kapitals des privatmanns hinkt gewaltig.
    die vorsorgezeit beträgt vom 65 lebensjahr bis zum tod bei einer lebenserwartung von 78 jahren gerechnet 13 jahre. da lt. artikel jeder beamte von diesem system profitiert, muss auch die pension des durchschnittsbeamten herangezogen werden und nicht die des herrn eichel. wenn der durchschnittliche beamte 2000 euro monatlich verdient, wäre das auf 13 jahre gerechnet 312.000 euro. diesen betrag muss der private ansparen um am ende auf plus minus null mit dem beamten zu kommen. die rechnung mit dem zinsvergleich ist völliger humbug, denn im gegensatz zum millionenvermögen ist die pension nicht auf die nächste generation vererbbar. der artikel erzeugt hass auf die beamten und mehr nicht.

  • Die Rechnung von Herrn Walter ist falsch. Es sind Annuitäten zugrunde zu legen. Hierbei gibt es eine Faustregel: pro 1000,-- Euro Pension braucht mann ca. 200.000,-- Kapital.
    D.H. die Pension von Eichel hat einen Wert von rd. 2.Mio. Immerhin erhält er diese ohne eigene Beiträge!! Im Falle einer Vermögensteuer oder Vermögensabgabe ohne entsprechende Freibeträge wäre dies sicher ein Fall für Karlsruhe.

  • @Rechner
    Sie respräsentieren genau die Zielgruppe, die unsere Politiker als Wähler braucht!

  • Die heimlichen Reichen sind diejenigen die zufrieden sind mit dem was sie haben.

    Und sich über "mehr" freuen können, ohne gierig zu werden.

    Während sie "weniger" auch nicht aus den Latschen kippt.

    +++

    Es gehört zu einer gesunden Persönlichkeit, den Stellenwert materieller Güter richtig einzuordnen.

    Weshalb mir die Neiddebatte vollkommen am Allerwertsten vorbeigeht.

  • Herr Walter hat sich - mit Verlaub und aller Zustimmung für den Inhalt des Artikels - gewaltig verrechnet.
    Der Kapitalstock bei einem Privatmann ist nicht 6.000.000 € hoch. Klar ist damit der Zinsertrag pro Jahr 120.000 € sprich ca. 115.000 € schwer. Der Privatmann behielte aber seinen Kapitalstock nach dem Tod und könnte ihn vererben - Herr Eichel nicht. Daher wäre es richtiger, bei gegeben geschätzten Lebensalter für Herrn Eichel und Herrn "Privat" eine Annuität von 115.000 € zu errechnen. Dafür ist ein Kapitalstock von weniger als 6.000.000 € nötig, schließlich würde er über den Auszahlungszeitraum abgetragen. Gleiches gilt für den Privaten, der eine MdB-Pension bekommt. Einfache finanzmathematische Rechnungen von Bankern sollten schon stimmen wenn man solche Beiträge schreibt. Daher lasse ich das Ergebnis offen. Viel Freude beim Üben.

  • Guter Beitrag, Herr Walter. Also wenn Vermögenssteuer, dann alle Assetklassen. Haus am Starnberger See, Wohnung in Stuttgart, und alle Versorgungszusagen / Pension / Renten. Ein Selbständiger, 60 Jahre alt, der für sich und seine Frau noch 30 Jahre lang PKV zahlen muß, ist mit 1 MIO Cash nun wiklich kein Reicher. Und der Kommentar, wir hätten alle Beamte werden können, ist genauso schräg wie, alle können den Dax bei 8200 verkaufen.

  • @Anonym,

    das Problem ist indes, dass die vom Sparer Beauftragten 'zockten'.
    Und zwar nicht nur, in dem sie sich einfach auf Rating-Urteile anderer verließen, sondern auch, weil es der Staat resp. dessen Führung explizit so wollte und will - finanzielle Repression, sic!

    Allerdings hält sich (auch) mein Mitleid in Grenzen, wenn jemand - auch jemand, der nur sparen will - ohne Kopfgebrauch sein Geld Dritten anvertraut.

    Schlimm indes, will der Staat resp. seine Führer eben diesen Kopfgebrauch weiter unterminieren, in dem er sich weiterhin anmaßt, um alles und jeden "sorgen" zu können - selbst wenn es nun partout nicht mehr die eigene Bevölkerung ist.

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