Walter Direkt
Die kalte Enteignung der Sparer

Die Politik der Notenbanken drückt die Zinsen unter die Inflationsrate. Diese finanzielle Repression ist eine traumatische Situation für Anleger. Hilfe versprechen allerdings Investitionen in Sachwerte.
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In diesen stürmischen Zeiten stehen viele Anleger vor einem großen Problem. Sie wagen es nicht, ihr Geld am Kapitalmarkt anzulegen und später ärgern sie sich schwarz, weil sie es nicht getan haben. Das ist beileibe keine deutsche Eigentümlichkeit, sondern in Europa wie in den USA zu beobachten.

Auch die Argumente für das Zögern sind fast immer gleich: Kurzfristig sei die Börse – wie in den vergangenen drei Monaten – schon gut gelaufen, daher sei jetzt die Gefahr eines erneuten Rückschlags größer, also zu groß für einen Einstieg, geworden. Mittelfristig könne niemand auch nur annähernd erahnen, wie es mit der Euro-Zone weitergehe und ob bei einem Zusammenbruch des Euro die Konjunktur weltweit in die Knie gehen werde. Langfristig sei sowieso alles vollkommen undurchsichtig und wer wisse schon, wie das Schuldenproblem der Industriestaaten gelöst werde – ganz abgesehen von neuen Überraschungen, die wir noch gar nicht im Blick haben.

Aus diesen Argumenten spricht eine tiefe Verunsicherung der Anleger und Investoren. Nach den vielen Krisenjahren in diesem doch noch recht jungen Jahrhundert ist das auch kaum verwunderlich. Trotzdem schlägt die Verunsicherung dann um in Ärger über sich selbst, wenn man sieht, welche Entwicklung die Kurse an den Märkten genommen haben.

In den vergangenen zwölf Monaten sind beispielsweise der Dax um 32 Prozent, der Dow um 16 Prozent und der FTSE 100 um 8,5 Prozent gestiegen. Kaum anders sieht das Bild aus, wenn man die vergangenen drei Jahre seit Ausbruch der Staatsschuldenkrise und der Turbulenzen um den Euro betrachtet. Dow: plus 40 Prozent, Dax: plus 31 Prozent, FTSE 100: plus 17 Prozent. Da hätte man dabei sein können, sollen, müssen, wenn . . .

Das Dilemma der Anleger wird zudem durch eine neue Entwicklung verstärkt: So wie es heute aussieht, haben sich Politik und Notenbanken in den Industrieländern auf unabsehbare Zeit dazu entschlossen, das Staatsschuldenproblem auf eine Weise zu entschärfen, die mit dem Fachbegriff „finanzielle Repression“ umschrieben wird. Das bedeutet im Kern, dass die Notenbanken die Zinsen so niedrig halten, dass die Inflationsrate höher ist, als der Zins, den die Staaten für ihre Schulden zahlen müssen.

Auf diesem Wege entwertet sich – in realer Rechnung - die Staatsschuld automatisch, womit das Staatsschuldenproblem auf längere Sicht ebenso automatisch gelöst wird. Das ist gut für den Staat, aber schlecht für die Anleger, es ist faktisch eine kalte Enteignung der Sparer. Relativ risikoarme Anlagen, etwa deutsche Staatsanleihen oder Geldmarktanlagen, bringen eine Rendite, mit der man nach einem Jahr – wieder real gerechnet – ärmer ist als zwölf Monate zuvor.

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Kommentare zu " Walter Direkt: Die kalte Enteignung der Sparer"

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  • Genau richtig!

    Wenn also der risikolose Zins nahe Null ist, was die EZB ja verfolgt, desto mehr muss gezockt werden. Und wenn die Regierung dann noch eine Finanztransaktionssteuer einführt, dann wird der Anleger nochmals gezwickt. Hat er es dann doch noch geschafft einen Gewinn zu erzielen, dann kommt er in die Zange der Einkommensteuer und wird dort geschröpft.

    Das ist schon ein ausgeklügeltes System wie der Staat seine Bürger behandelt.

    Betrachtet der Kleinbürger die risikolose und beitragsfreie Altersabsicherung der Politiker und deren Arbeitseinsatz dagegen, kann er nur neidisch werden.

  • "Bäume wachsen nicht in den Himmel ..." - aber sie wachsen! Deshalb empfehle ich Bauminvestments, z. B. in Teak-Plantagen Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • @Mazi

    "Dieses System wäre dann zu durchbrechen, wenn die Bundesbank mit ihrem Goldbestand gedeckte Gold-Inhaberzertifikate ausgeben würde, die dann wie eine Ersatzwährung in Umlauf kämen. Es gäbe zwar keine Zinsen, aber ihr Wert wäre real gesichert."

    Das klingt nach einer durchaus guten Idee, vergleichbar dem Deuro-Konzept vom ex Chefvolkswirt der DB Thomas Meyer oder vielleicht früher der Rentenmark.

    Es ist aber kein Zweifel, das Deutschland eine eigene neue stabile Währung einführen muss, die Wertstabilität gewährleistet.

    Die Bundesbank hat leider noch den Mühlstein der Target2 Salden am Hals. Die Bundesbank ist damit genauso Bad Bank wie die EZB. Das war schon sehr clever von unseren Freunden, der Bundbank diese ungeheure Last aufzuhalsen.

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