Walter direkt
Die Mär vom Krisengewinnler

Die überschuldeten Euro-Staaten fordern von Deutschland immer mehr Unterstützung bei der Lösung der Schuldenkrise. Das ist der falsche Weg.
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Das Gerangel der Politiker über Deutschlands Beitrag zur Lösung der Schuldenkrise erinnert mich an meine Schulzeit. Der Klassenbeste war ein „Streber“, allgemein wenig beliebt und beim Fußball musste er immer ins Tor. Genau in diese Rolle ist Deutschland gekommen.

Wenig beliebt in der Euro-Zone, beneidet ob seiner wirtschaftlichen Stärke und aktuell mit der Forderung des Wortführers Mario Monti konfrontiert, Deutschland möge doch den Zinsvorteil bei der Schuldenaufnahme mit den anderen teilen.  Der Klassenbeste ist für ihn ein „Krisengewinnler“ und für die Klasse, die Gemeinschaft der überschuldeten Euro-Staaten, verlangt er mehr finanzielles Engagement. Das sei nur recht und billig.

So ungerecht damals so mancher vermeintliche „Streber“ von seinen Mitschülern behandelt wurde, so fragwürdig sind aus marktwirtschaftlicher Sicht auch die Begehren der Schuldnerstaaten, ihre Zinslasten auf Kosten anderer zu reduzieren.

Richtig ist, diese Staaten brauchen Zeit, um ihre aus den Fugen geratene Finanzlage zu ordnen und sie benötigen dafür die Hilfe der stärkeren Euro-Staaten. Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Aber ist Deutschland wirklich ein „Krisengewinnler“ oder der größte Profiteur des Euros? Da kann man durchaus seine Zweifel haben.

Die Konjunktursperspektiven für Deutschland wie für die Euro-Zone insgesamt sind alles andere als rosig. Der wichtigste Grund dafür sind die schwachen Volkswirtschaften in den überschuldeten Staaten. Der vermeintliche Gewinner schrumpft so zu einem, der möglicherweise weniger Verluste hinnehmen muss als andere. Er ist also bestenfalls der Einäugige unter Blinden und nicht ein strahlender Profiteur der Krise.

Dafür gibt es einen weiteren Grund: So wie der Warenaustausch zwischen den Euro-Staaten heute läuft, exportiert Deutschland nicht nur Produkte in die Partnerländer, sondern es liefert auch die Finanzierung über das sogenannte Target-System der Europäischen Zentralbank (EZB) gleich mit. Konkret heißt das, Deutschland exportiert in die überschuldeten Eurostaaten und die Bundesbank bekommt dafür eine Forderung gegen die EZB. Ob diese Target-Kredite je einmal getilgt werden, ist fraglich.

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Die Schuldnerstaaten brauchen unsere Hilfe

Kommentare zu " Walter direkt: Die Mär vom Krisengewinnler"

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  • Natürlich soll die Rente mit 67 auch für die Pensionäre gelten. Der Riesenunterschied sind die Abschläge die bei den Pensionären wenig ins Gewicht fallen, weil schon die Durchschnittspension 2700 gegenüber 1050 Euro für die Rente beträgt. Auch können weniger Arbeiter aus gesundheitlichen Gründen bis 67 arbeiten als Pensionäre, die sich eine Frühpension leisten können!! Deutsche Gerechtigkeit, die diese Regierung keinesfalls ändern will!

  • Natürlich soll die Rente mit 67 auch für die Pensionäre gelten. Der Riesenunterschied sind die Abschläge die bei den Pensionären wenig ins Gewicht fallen, weil schon die Durchschnittspension 2700 gegenüber 1050 Euro für die Rente beträgt. Auch können weniger Arbeiter aus gesundheitlichen Gründen bis 67 arbeiten als Pensionäre, die sich eine Frühpension leisten können!! Deutsche Gerechtigkeit, die diese Regierung keinesfalls ändern will!

  • Wie soll das Problem der Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen gelöst werden?
    Mein Vorschlag: Auszahlung der "Rettungsschirm"-Milliarden an die deutschen Steuerzahler. Dann können die richtig Geld ausgeben und in Griechenland, Italien und Spanien Urlaub machen. Das kurbelt dort die Wirtschaft an und der deutsche Michel hat mal was vom Euro. ;-)

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