Walter direkt

Beim Geld hört der Spaß auf

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Die Wähler beherrschen die Grundrechenarten

Eine Familie mit zwei Kindern, die über ein Bruttomonatseinkommen von 6500 Euro verfügt und in der Vater oder Mutter dafür 50 Stunden pro Woche arbeiten, hört da schon genauer hin. Denn ihr bleiben nach Abzug von Steuern und sämtlichen Sozialabgaben davon heute rund 4200 Euro übrig (einem kinderlosen Single bei gleichem Gehalt übrigens nur 3500 Euro).

Wohnt die Familie in einer Metropole wie Hamburg, Frankfurt oder München, zahlt sie für eine 150 Quadratmeter-Reihenhaus schnell eine Warmmiete von 2200 Euro. Schon sind sie bei 2000 Euro, die für die Dinge des täglichen Bedarfs bleiben. Davon gehen weitere Hunderte Euro Kosten für Versicherungen, Kita-Gebühren, Auto, Bio-Lebensmittel, Kleidung, Urlaub und so weiter runter.

Wenn die Grünen nun meinen, da bleibe ja vergleichsweise immer noch genug für einige Späße des Lebens, haben sie nicht ganz Unrecht. Allerdings ist die Bereitschaft der Familie, davon noch mehr an Vater Staat abzugeben, begrenzt – und das ist nur zu verständlich. Schließlich handelt es sich um hart verdientes Geld. Noch dazu sollten die Bürger ja etwas für unvorhergesehene Ausgaben, das Studium der Kinder und die private Altersvorsorge zurücklegen. 

Dumm nur, dass hier die Grünen und ihr Wunsch-Koalitionspartner SPD gleich wieder zulangen wollen: Beide Parteien wollen die Abgeltungssteuer erhöhen. Die Sozialdemokraten nennen eine konkrete Zahl: von derzeit 25 auf 32 Prozent plus Soli und Kirchensteuer. Auch hier wird suggeriert, das treffe doch nur ein paar Reiche, die mit ihrem Geld hemmungslos an der Börse spekulieren.

Die Wahrheit sieht anders aus: Wer 10.000 Euro auf die hohe Kante legt und darauf mit einer vernünftigen Mischung aus Aktien, Anleihen und Festgeld solide vier Prozent Rendite pro Jahr holt, dem bleibt nach Abzug von Gebühren, Abgeltungssteuer und Inflation eine Realrendite von unter ein Prozent.

Wer auf Tagesgeld setzt, landet real deutlich unter der Nulllinie, was im Klartext heißt: Man verliert bares Geld. Mit einer höheren Abgeltungssteuer rutscht die Bilanz noch weiter ins Minus – ob nun für den Auszubildenden, die junge Familie oder die alleinstehende Rentnerin. Sie alle wären mit ihren Sparguthaben neben den „Hobby-Spekulanten“ von einer höheren Abgeltungssteuer betroffen. 

Die Grünen haben offenbar unterschätzt, dass ihre potentiellen Wähler die Grundrechenarten beherrschen. Wenn sie nicht einsehen wollen, dass die vermeintlich „Reichen“ nicht nur in den Villenvierteln in Hamburg-Blankenese, München-Grünwald oder Bad Homburg leben, sondern auch in den Reihenendhäusern oder Mietwohnungen der Mittelschicht, dürfen sie sich über ihren Absturz in der Wählergunst nicht beklagen. 

 

Herbert Walter, 58, führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank. Vorher war er bei der Deutschen Bank weltweit für Privat- und Geschäftskunden verantwortlich. Heute arbeitet Walter als selbständiger Berater. Unternehmerisch engagiert er sich beim Finanzportal WhoFinance.de.

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13 Kommentare zu "Walter direkt: Beim Geld hört der Spaß auf"

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  • Vor allem die Grünen müssen aus der Politik komplett verschwinden! Jetzt ist es amtlich:
    Auch Trittin ist für Kindesmißbrauch, offiziell und schriftlich! Wie konnte das so lange verborgen bleiben?
    Und daß sich die Ober-Katholin (obwohl sie ja nie fertig studiert hat) Göring mit so einer Kreatur noch zusammen zeigt... hmmm, andererseits, in der katholischen Kirche hat Kindsmissbrauch auch seine "Tradition".

  • Die EEG-Abgabe haben sie vergessen. Das ist ja die genialste Erfindung der Grünen. Eine Abgabe, über die der Staat entscheidet, die er erhebt, ohne dass sie als Steuer aufgeführt wird.

    Hoffen wir, dass die bisherigen Grünen-Wähler dieser Partei den Denkzettel verpasst.

  • Die Grünen haben lange Jahre von ihrem "In"-Image profitiert, das u.a. von der Systempresse und ihren überwiegend links-grünen JournalistInnen geschaffen wurde. In letzter Zeit bröckelt dieses Positiv-Image, und die Leute schauen sich zunehmend die Inhalte dieser Partei, ihre Vergangenheit (u.a. Pädophilie, bisher nie ein Pressethema) und ihre Berufsfunktionäre an - UND ERSCHRECKEN ÜBER DIE REALITÄT.
    Vor allem über den Verrat an Umwelt (da wo es wirklich in der Praxis zählt, nicht die Ideologie) und Friedensbewegung. Heutzutage sind die grünen Funktionäre die schlimmsten Kriegshetzer!

    Immer mehr Grünwähler wachen aus dem teils selbstgesponnenen, teils von der Systempropaganda vorgefertigten Wolkenkuckucksheim auf und finden sich einer ganz anderen Realität gegenüber. DIE FASSADE BRÖCKELT!

    Nicht nur den Grünen geht es übrigens so. In mehr oder weniger geringerem Ausmaß geht es ALLEN BLOCKPARTEIEN so. Man sehe sich nur die (schon vor langem erfolgte) Desillusionierung der FDP-Wähler an.

    Wählt die Blockparteien und deren Funktionäre ab. Sie haben es alle verdient!

  • Die Grünen waren gezwungen, ihr wahres Gesicht zu zeigen, da sie es nicht mehr hinter grünen Natur- und Umweltidealen verbergen konnten. Dadurch zeigte sich, dass die meisten der grünen Funktionäre tiefrote Kommunisten sind. Viele der grünen Wähler sind Moslems und heimatlos Frustrierte.

  • @EinBuerger,

    Es ist ja nicht so, dass nicht auch die Gebühren ständig steigen und noch eher steigen müssen als die Steuern, wollen die Kommunnen wirtschaftlich überleben. Sie unterschätzen auch die kalte Progression und andere Effekte, die nicht unmittelbar Steuererhöhungen sind.
    Daran merkt man gut, das die Grünen wenig wirtschaftlichen Sachverstand haben, denn alles wirkt letztlich exponential. Es ist verdammt schwierig wenn nicht sogaru nmöglich die Abgaben für die oberen 10 Tausend zu erhöhen, dabei genug Masse zu erzielen und nicht die Breite masse zu besteuern ohne die Gesellschaft zu spalten.

    H.


  • Trittin galt als ehemaliges Mitglied einer K-Gruppe über viele Jahre als Vertreter des linken Flügels der Grünen, was er, bei Licht besehen, noch immer ist.

    Steuererhöhungsstrategien ist ein klassisches Politik-Instrument aller Linken, ob nun innerhalb der SPD, der Grünen oder der Links-Partei, wobei letztere eh in Gänze links ist und isofern auch keinen explizit linken Flügel benötigte, den sie aber trotzdem in Gestalt der extrem-linken westdeutschen Neumitglieder hat,
    die ähnliche altmarxistische Wurzeln wie Trittin haben.

  • Es stimmt, die Familie muss tatsächlich mehr bezahlen - aber gerade mal 10 Euro im Monat. Und das auch nur, wenn sie nur die Stanrda-Abzüge geltend machen kann, also keine Krichensteuer, keine Kita-Gebühren, keinen Riester-Vertrag.
    Statt zu polemisieren kann sich beim Grünen Steuerrechner jedeR ausrechnen, was die Refomrpläne konkret bedeuten: http://www.gruene.de/themen/wirtschaft-arbeit/der-gruene-steuerrechner.html
    Herr Walter, probieren Sie es doch einfach mal!

  • Herr Walter hat so recht!!! Was aber aber noch nicht gesagt hat und wo sich seine Rechenbeispiele noch fortsetzen ließe wäre, das von dem was noch übrigbleibt ja auch noch Steuern, Abgeben und Umlagen auf Versicherungen, Strom, Benzin verschiedenste Nahrungs-und Genussmittel, Renten (die ja eigentlich schon aus versteuertem Geld bezahlt werden) und dann auch noch Mehrwertsteuer gezahlt wird...In Summe landen also schon mehr als 2/3 vom Gehalt wieder beim Staat...Ja! einige Bürger können rechnen!!!

  • "Die Grünen haben offenbar unterschätzt, dass ihre potentiellen Wähler die Grundrechenarten beherrschen."

    Hier irrt Walter! Auch die übrigen Wähler beherrschen die Grundrechenarten. Die Wählerklientel der Grünen sind keinesfalls klüger.

    Alle Sparer haben mitbekommen, dass nicht nur die EZB mit ihrer Nullzins-Politik sie enteignet. Sie haben auch mitbekommen, dass Brüssel ihnen die letzten verbliebenen Kröten auch noch weg nehmen will.

    Auch die Rentner, auch die, die Altersvorsorge betreiben müssen, haben zur Kenntnis genommen, dass sie ihren heutigen Konsumverzicht später nicht mehr zurück erhalten.

    Wo geht ihr Geld hin?

    Es ist den Wählern nicht entgangen, dass Politiker sich im sogenannten Rettungspaket, dem ESM, dafür entschieden haben, die Banken zu retten. Die Wähler also für die Fehler der Bankvorstände zahlen sollen, während diese mit Millionenabfindungen und üppigen Pensionszahlungen nach Hause geschickt werden.

    Wir brauchen dies Herrn Walter nicht vorzurechnen.

    Der Frust der Wähler, den Sie, Herr Walter, auf die Grüne-Wählerklientel beziehen, gilt für die anderen ebenso. Es ist die Frage, ob die so von den Politikern gescholten Wähler sich von der Politik vollends abwenden oder ob sie ihrem Unmut an der Wahlurne "Luft machen" - so wie 33 schon einmal.

    Die deutschen Politiker, die deutsche "Führungseliten", steuern für unsere Demokratie einen äußerst gefährlichen Kurs. Vielleicht muss man sie gar als "Terroristen gegen die Demokratie" bezeichnen.

    Herr Walter, sie haben einmal mehr ein heißes Thema angefasst, dessen Tragweite weit über den Rahmen hinaus geht, den Sie definieren wollten.

    Wenn Sie in einem Punkt richtig liegen, dann ist es da, wo Sie dafür eintreten, dass es keine Steuererhöhungen geben darf, damit es einigen wenigen noch besser geht.

  • Es ist wahlpolitische Taktik bei der grünen Steuerorgie nur von einer Reichensteuer zu reden. Diese Steuerorgie trifft nicht nur Reiche, sondern jeden, der etwas anpackt und damit Erfolg hat. Die Steuereinnahmen sind sehr hoch. Es gibt keinen Grund, an der Steuerschraube zu drehen. Außer dem Neidfaktor, der gerade bei den Grünen tief sitzt. Trittin, als Sohn eines Prokuristen zählte zu der Oberschicht und hatte selbst alle Vorteile eines bessergestellten SOHNES. Er hat aber nichts daraus gemacht, vielleicht zu faul, zu dumm oder einfach unfähig? Daher will gerade Trittin den Fähigen an den Kragen. Wenn er selbst nicht fähig ist, dann sollen wenigstens die anderen, die etwas zu Wege bringen auch nichts haben. Das ist der Grund für die Reichensteuer, Neid eines Unfähigen auf die Fähigen.

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