Walter direkt
Doppelter Donnerschlag

Die USA und China kündigen das baldige Ende der Politik des ultrabilligen Geldes an und stürzen damit die Märkte in Turbulenzen. Die Koinzidenz mag unglücklich sein, aber ein Rückzieher hätte noch viel schlimmere Folgen.
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Wer denn noch nach Beweisen dafür suchte, ob Notenbanker mit  einer simplen Bemerkung auch wirklich gewaltige Schockwellen an den Finanzmärkten auslösen können, der wurde in diesen Tagen fündig.

Vor einer Woche kündigte Ben Bernanke , der Chef der US-Notenbank, an, dass die Fed aufhören werde, monatlich für 85 Milliarden US-Dollar Staats- und Hypothekenanleihen zu kaufen. Damit läutete er unzweifelhaft die Endphase der Politik des reichlichen und billigen Geldes ein. Kaum gesagt, stürzten Aktien- und Anleihekurse in den Keller, prompt gefolgt vom Goldpreis. Panikartig wurde Kapital aus Schwellenländern zurückgeholt, das doch zuvor so hoffnungsfroh dorthin geflossen war. Auch dort das gleiche Bild: Die Börsenkurse brachen ein, die Zinsen kletterten nach oben und die Angst vor einer Kreditklemme breitete sich wie eine Flutwelle aus.

Noch rieben sich Anleger rund um den Globus verwundert die Augen, da teilte die People´s Bank of China (PBOC), die chinesische Zentralbank, an diesem Montag mit, sie werde nicht weiter grenzenlos Bargeld in das Finanzsystem pumpen und sie forderte die Banken des Landes auf, ihre Liquiditätssteuerung zu verbessern – sprich: vorsichtiger und risikobewusster bei der Kreditvergabe zu sein. Kaum gesagt, gingen die Kurse an den asiatischen Börsen in die Knie und urplötzlich schien den chinesischen Bankern und Investoren zu dämmern, dass ja wohl gerade eine Kreditblase geplatzt ist und möglicherweise eine neue Bankenkrise droht.

Dafür spricht zumindest einiges. Seit 2008, dem Jahr der Lehman-Pleite, ist die Verschuldung des privaten Sektors in China um 8,5 Billionen US-Dollar gestiegen oder –  gemessen am Bruttoinlandsprodukt – um sagenhafte 60 Prozentpunkte. Und: Im gleichen Zeitraum ist das Wirtschaftswachstum kontinuierlich geringer geworden. Das heißt nichts anderes, als dass die mit Krediten finanzierten Investitionen nicht die erhoffte Rendite abwarfen. Mit anderen Worten, diese Kredite hatten in Wahrheit ein viel höheres Risiko, als es bei der Vergabe von den Banken angenommen wurde. Dieses Treiben wollte die chinesische Notenbank offensichtlich nicht länger zulassen.

Worüber ich mich allerdings am meisten wundere, das ist die Koinzidenz dieser beiden Ankündigungen. Immerhin geht es da um die beiden größten nationalen Volkswirtschaften auf unserem Globus, die zusammen für mehr als ein Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung verantwortlich zeichnen. Wenn die beide gleichzeitig auf die geldpolitische Bremse treten oder das auch nur ankündigen, dann wird das ungleich stärkere Auswirkungen auf die weltweite Konjunkturentwicklung  haben.

Es gehört zum allgemeinen Sprachgebrauch der Kommentatoren des Wirtschaftsgeschehens, dass eine strengere Geldpolitik immer zur Unzeit kommt, weil davon stets eine Gefahr für Konjunktur und Wachstum ausgeht. So etwas mag niemand, kein Investor, kein Unternehmer, kein Arbeitnehmer und kein Politiker.

Kommentare zu " Walter direkt: Doppelter Donnerschlag"

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  • Ja, sehe ich auch so, in dem Moment wo die Amerikaner Ihre Zinsen anziehen beginnen die Chinesen mit dem Etablieren ihrer eigenen Währung als Weltwährung und die $-Papiere sind dann das Spielgeld zum Stabilisieren derselben. Der Yuan ist ja zum Teil schon in der Welt bei den Handelsbeziehungen im Einsatz. Bisher konnten die Chinesen nicht wirklich loslegen, weil der $ ein schwarzes Loch ist und eigentlich nur noch hält weil so viele Rohstoffe damit abgewickelt werden. Das ändert sich bald. Die Option Krieg mit den Ländern die ausscheren ist schon zu teuer und wird die USA nur ausbluten bzw. ist nicht machbar, wenn es sich um zu viele Länder handelt.

  • "Immerhin währt diese Phase ja nun schon mehr als fünf Jahre, ohne dass die Geldmärkte auch nur im Ansatz wieder so funktionsfähig sind wie vor der Krise."

    Schöner kann man ein stümperhaftes Krisenmanagement, diese Praktikantenarbeit nicht umschreiben.

    Ein dickes Lob für diese klare Aussprache!

    Bei der jüngsten Anhörung vor dem Bundesverfassungsgericht hat das aus dem Mund von Asmussen noch anders geklungen. Und Herr Weidmann, der in der gleichen Anhörung noch sachlich und kompetent gegen gehalten hat, hat nachträglich auch noch etwas zu hören bekommen. Soweit zur Unabhängigkeit der Deutschen Bundesbank und dessen Präsidenten.

    Um so dicker das Lob für die klaren Worte aus dem Mund eines ehemals führenden Bankers.

  • Wählerin ... allein - das war schon einen Kommentar wert. Frauen riskieren ja ungern ..

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