Walter direkt
Eigenes Heim, Glück allein?

Der Bevölkerungsschwund vor allem im ländlichen Raum setzt ein großes Fragezeichen hinter das liebste Vorsorgeobjekt  der Deutschen – die eigene Immobilie.
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Es ist eine fast banale Erkenntnis, dass elementare Veränderungen das Verhalten der Menschen beeinflussen, weil sie darauf reagieren. Wäre das nicht so, würde es uns schon lange nicht mehr geben. Genauso gehört es aber auch zum Menschen, dass er unangenehme Dinge gern auf die „lange Bank“ schiebt.

Wer jung ist, denkt halt weniger ans Alter. Was morgen ist, ist viel wichtiger als etwas, das in dreißig oder vierzig Jahren auf uns zukommt. Ein markantes Beispiel dafür ist die private Altersvorsorge junger Menschen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Die jüngere Generation kümmert sich immer weniger um eine private Vorsorge und die demografische Entwicklung wird unsere Gesellschaft stärker verändern, als wir es heute wahrhaben wollen.

Wenn wir Eines schon heute wissen, dann dies: Wir Deutsche werden immer weniger. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass im Jahr 2050 vermutlich nur noch 65 Millionen bis 70 Millionen Menschen in Deutschland leben werden. Das wären zwischen 17 Millionen und 12 Millionen Menschen weniger als heute.

Diese Größenordnungen muss man sich einmal vorstellen: Gut 17 Millionen Menschen leben aktuell in Nordrhein-Westfalen. Rund zwölf Millionen Menschen leben derzeit in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Schleswig-Holstein und dem Saarland. Diese Gebiete menschenleer? Unvorstellbar.

So wird es auch nicht kommen, aber vor allem in ländlichen Gebieten werden immer weniger Menschen leben. Daran wird kein Weg vorbeiführen, denn der Bevölkerungsschwund wird verstärkt durch den gleichzeitigen Trend zur Verstädterung des Lebens.  Das heißt, Menschen ziehen von einer ländlichen Umgebung in ein städtisches Umfeld. 

Das stellt unseren Sozialstaat, der ja grundgesetzlich zur Gleichheit der Lebensverhältnisse verpflichtet ist, vor gewaltige Probleme. Wie im ländlichen Raum die öffentliche Infrastruktur aufrecht erhalten, wenn dort nur noch wenige Menschen leben? Das geflügelte Wort „erst hielt ein Bus, dann fuhr er durch, jetzt kommt er gar nicht mehr“, wird dann für viele Gegenden zur Realität.

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Lage, Lage, Lage wird erst recht gelten

Kommentare zu " Walter direkt: Eigenes Heim, Glück allein?"

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  • Ich glaube sie verwechseln die Begriffe Kapitalanlage und Altersvorsorge.

    Bei einer Immobilie als Kapitalanlage haben sie durchaus recht.

    Bei Altersvorsorge muss die Lage auch stimmen, aber für einen selber. Wer sich ein Haus da kauft wo er gerne wohnen möchte, kann eigentlich nicht viel falsch machen.

    Ich habe mein Haus bewusst als Altersvorsorge gekauft. Weil es die einzige Anlageform ist, die nicht zu Geld gemacht werden muss, weil man plötzlich die Eltern pflegen muss. Oder längere Zeit Arbeitslos wird. Soweit ich weiss kan man ein (bescheidenes) Eigenheim sogar vor Harz IV retten.
    Versuchen sie das mal mit ihren Rentenvorsorgeverträgen...

  • Arbeit gibt es dort wo es Bedürfnisse gibt. Und die sind unendlich. Einfach mal Ökonomie-Schulbuch aus der Bücherei leihen.

  • Ich beobachte im Bekanntenkreis immer wieder fasziniert, wie beim Thema Häusle scheinbar das Hirn mehr oder wenig aussetzt. Kein Kapitalobjekt berührt uns Männer offenbar so emtional wie die eigene Höhle, Caveman lässt grüßen. Ich lass die Hände davon, einfach deswegen weil ich sehe, wie andere auf die Nase fliegen und ich mich schlicht nicht auskenne. Es können horrende Folgekosten drohen und die Topimmobilie stellt sich schnell als schwer verkäuflich heraus. Wie geschrieben - der Megatrend zeigt ganz klar weg von der Immobilie, die temporäre Blase in den Innenstädten ist das Handwerk von ..nennen wir sie halt mal Profis ;)

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