Walter direkt
Ein gutes Zeichen

Trotz der milliardenschweren Programme der Fed zum Anleihekauf sind die langfristigen Zinsen in den USA kräftig gestiegen. Der US-Markt ist auf dem Weg zur Normalität. Das kann man von der Euro-Zone noch nicht behaupten.
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Ben Bernanke, der oberste Währungshüter der USA,  blieb dem Treffen fern und mit ihm gleich eine ganze Reihe prominenter Notenbankgouverneure. So diskutierte im amerikanischen Jackson Hole eher die zweite Reihe der Geldpolitiker mit Wissenschaftlern über die Auswirkungen der Niedrigzins-Politik und die Käufe von Staatsanleihen durch die Notenbanken.

Ist das nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen für die Situation an den Finanzmärkten? Was auch immer Bernanke und Co. wirklich dazu bewogen haben mag, ihre Teilnahme abzusagen, ich meine es ist ein eher gutes Zeichen.

Immerhin gibt es dafür einige Belege. Die Diskussionen in Jackson Hole haben gezeigt, dass die Euphorie über die Anleihekäufe der amerikanischen Notenbank Fed einer nüchternen Diskussion über die längerfristigen Auswirkungen einer solchen Politik gewichen ist. Zumindest das hier zu Lande besonders beliebte Wort „alternativlos“ wird in diesem Zusammenhang nicht mehr verwendet. Das ist gut.

Noch mehr spricht dafür die Entwicklung an den US-Finanzmärkten, die seit Mai dieses Jahres zu beobachten ist. Trotz der milliardenschweren Anleihekäufe der Fed, deren Ziel es ja vor allem war, die langfristigen Kapitalmarktzinsen möglichst niedrig zu halten, haben sich diese in den vergangenen vier Monaten glatt verdoppelt.

Die Rendite  zehnjähriger US-Staatsanleihen ist jetzt bei der Marke von drei Prozent angelangt. Bei den noch länger laufenden 30-jährigen Staatsanleihen liegt die Rendite aktuell sogar schon bei vier Prozent. So groß war die Differenz zwischen kurzfristigen und langfristigen Zinsen am amerikanischen Kapitalmarkt schon seit Jahren nicht mehr.

Ich gehe davon aus, dass dieser Zinstrend Bestand haben wird. Die historische Entwicklung zeigt, dass Trendumschwünge bei den Zinsen nicht so kurzfristig geschehen, wie etwa an der Aktienbörse. Damit aber werden US-Staatsanleihen zunehmend zu einer echten Konkurrenz für die inzwischen doch recht teuren amerikanischen Aktien. Die 2,46 Prozent Rendite des Dow Jones haben die zehnjährigen Anleihen jedenfalls deutlich übertroffen, die der 30-jährigen liegt gut die Hälfte darüber.

Die aktuelle Zinssituation am amerikanischen Geld- und Kapitalmarkt zeigt aus meiner Sicht daher zweierlei: Mit ihrer Geldpolitik gelingt es der Fed mit großer Treffsicherheit, die kurzfristigen Geldmarktzinsen zu beeinflussen. Die Zinsen für Geldmarktpapiere mit einer Laufzeit von ein bis drei Monaten bewegen sich wie gewünscht mit 0,02 bis 0,04 Prozent praktisch im Nullbereich.

Kommentare zu " Walter direkt: Ein gutes Zeichen"

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  • Die FED wird ein klitzekleines bischen "tapern" vielleicht im Oktober, November oder im 1 Quartal 2014 und im Anschluss den Hahn wieder aufdrehen.

    Wo sind Verbesserungen in USA sichtbar ? Beim Arbeitsmarkt ?

    Abnahme von Vollzeotjobs gegen Zunahme von Teilzeitjobs !
    Gehaltseinbußen, Inflation bei Nahrungsmitteln, Anzahl der Arbeitenden an der Gesamtzahl der Bürger sinkt !

    Also wie in T€uroland alles auf einem guten Weg.

  • Ich würde überhaupt keine Staatsanleihen mehr kaufen - es handelt sich hier um wertlose Papiere

  • Die Tatsache, dass die langfristigen Zinsen für amerikanische Bonds, trotz massiver Aufkäufe der FED ansteigen bedeutet doch genau das Gegenteil dessen, was Herr Walter suggerieren möchte: Die Skepsis der Anleihekäufer steigt und deshalb muss der Staat dafür mehr bezahlen. Das ist beunruhigend. Ich würde die Finger von US-Bonds lassen und lieber Bundesanleihen kaufen.

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