Walter direkt
Gefährliche Konstellation

Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in der Euro-Zone ist ein Armutszeugnis für die Politik. Und sie lässt junge Menschen an unseren politischen und wirtschaftlichen Systemen zweifeln.
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Fast 60 Jahre ist es her, da ging ein aufwühlender Film über Zukunftsangst und Richtungslosigkeit einer verlorenen Generation um die Welt: „... denn sie wissen nicht, was sie tun“, so der deutsche Filmtitel.

Heute, 60 Jahre später, gelten die Teenager in den meisten Ländern der Euro-Zone wieder als eine verlorene Generation, als eine Generation, die scheinbar nicht gebraucht wird. Wie sonst sollte man es denn interpretieren, wenn in den südeuropäischen Krisenländern zwischen 40 und 60 Prozent und in der Euro-Zone insgesamt ein Viertel aller jungen Menschen arbeitslos sind?

Auch der größte Sturkopf wird einsehen müssen, dass junge Menschen nichts, aber auch gar nichts von einem System halten können, wenn dieses zur Folge hat, dass die Gesellschaft mit ihnen praktisch nichts anzufangen weiß. Das ist eine gefährliche Konstellation und das Schlimmste daran ist, dass es kaum Hoffnung auf eine rasche Besserung gibt.

Viel zu sehr sind die Politiker in der Euro-Zone damit beschäftigt, Zeit zu gewinnen und irgendwie über die Runden zu kommen. Der gerade von der EU-Kommission für Frankreich gewährte Aufschub bei der Haushaltssanierung ist dafür ein typisches Beispiel.  Jetzt können die französischen Politiker mehr Schulden machen, als ursprünglich vorgesehen, und die Staatsausgaben weiter erhöhen.  Ob das auch zu mehr Arbeitsplätzen für junge Menschen führen wird, ist höchst fraglich.

Was heute schon feststeht: Der Zwang zu wirklichen Reformen, die Frankreichs Wachstumsschwäche bekämpfen, wird dadurch spürbar reduziert. Nur Ignoranten der praktischen Politik werden noch daran glauben, dass das Beispiel Frankreich nicht auch in anderen Krisenländern Schule machen wird.

Ein jetzt bekannt gewordenes Dossier aus dem Kanzleramt beschreibt das ganz deutlich. Ob Griechenland, Italien, Spanien oder auch Frankreich, überall sehen die Fachleute „weiteren Spielraum für Reformen“. Weniger vornehm ausgedrückt heißt das,  auf dem Gebiet ist noch nicht genug getan worden. Um das Wachstum anzukurbeln, macht der Staat immer das, was er kam leichtesten kann: mehr Geld ausgeben.

Auf diese Weise bekämpft die Politik die Krise aber immer nur mit Schmerzmitteln, vulgo: neuen Schulden/Steuern und höheren Staatsausgaben, und nicht mit einer wirksamen Therapie, vulgo: Reformen.

Ein typisches Beispiel dafür ist der für Ende dieses Monats geplante deutsch-französische Krisengipfel zur Jugendarbeitslosigkeit. Der soll „einen Wendepunkt in Europa“ markieren, aber selbst da lautet das Mittel zum Zweck: Neue Milliarden vom Staat und der EU für neue  Jobs und Ausbildungsplätze. Die Frage, welche Reformen auf dem Arbeitsmarkt in den von hoher Jugendarbeitslosigkeit betroffenen Ländern notwendig sind, scheint zumindest bisher öffentlich noch keine allzu große Rolle gespielt zu haben.

Kommentare zu " Walter direkt: Gefährliche Konstellation"

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  • "Es wird Zeit, für eine gesunde, soziale Marktwirtschaft zu kämpfen wie sie Ludwig Erhard einst schuf. Das bedeutet zweierlei: Der Expansionsdrang der Staatstätigkeit muss gezähmt werden. Das Wichtigste aber ist, dass insbesondere die jungen Menschen von den unbestreitbaren Vorteilen eines solchen Systems auch etwas merken müssen."

    Was merkt denn die deutsche Jugend davon?
    30% der unter 30-Jährigen sind teilweise sehr hoch verschuldet!
    Dafür haben die Jugendlichen in den "Südländern" aber ein ererbtes Haus und so gut wie keine Dispos.
    Wie dumm, das diese sich einfach nicht zum Konsumsklaven machen lassen wollen. Dafür sollen die gefälligst arbeiten gehen, und das bei weltweiter Überproduktion.
    Fragt sich hier wer schlauer ist, die arbeitslosen Jugendlichen im eigenen Familienverbund oder die verschuldeten für 7 -12€/Stunde mit überteuertem Apartment und Neidkultur.
    Nur ein Banker kann so kurzsichtig argumentieren.
    Bitte Juristen und Banker aus der Politik abwählen.

  • "Die Arbeitslositkeit und die Hoffnungslosigkeit ist eine
    Folge des Euro, nur keiner der Kasten wills wahrhaben."

    Unsinn, es ist eine Folge der "Globalisierung", was man auch immer darunter verstehen will.
    In Deutschland wird einfach die Statistik geändert, die reale Arbeitslosenzahl ist viel höher, man nennt das heute "Beschäftigungsquote".
    In den Südländern war diese Quote schon immer hoch, dafür wird auch viel weniger in die Sozialsysteme gepumpt. Arbeitslosigkeit hat heute mit Produktionskosten kaum noch was zu tun, sondern mit weltweiter Kapitalkonzentration, Subventionen und Absatzprognosen. Da hilft auch nicht das fieberhafte Suchen nach Beschäftigungsmodellen, es gibt diese Stellen einfach nicht und werden auch nicht geschaffen, im Gegenteil.
    Wer Absatz schaffen will, muß auch das Kapital jedes Einzelnen dafür schaffen, egal wodurch.
    Es ist ein Verteilungsproblem, an dem alle Länder auf der Welt arbeiten müssen, und hat mit einer Währung nur sekundär etwas zu tun, ist aber ein gutes Ablenkungsmanöver für noch mehr Umverteilung.

  • Die Elite sieht das aus einem ganz anderem Blickwinkel.
    Für Sie gilt ausschließlich das "Darwinsche" Gesetz der
    natürlichen Auslese und vor allem: was interessieren mich
    die Anderen, Hautsache ich habe Geld, ein Dach über dem
    Kopf, bin gesund und kann leben in Saus und Braus;
    ganz nach dem Motto; lieber eine gesunde Verdorbenheit als
    eine verdorbene Gesundheit.
    Die Arbeitslositkeit und die Hoffnungslosigkeit ist eine
    Folge des Euro, nur keiner der Kasten wills wahrhaben.
    Die sog.verlorene Generation wird sich furchtbar rächen.
    Die Bankster und die Politkaste und deren Bimbesquellen
    werden sich noch sehr wundern und das bald.

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