Walter direkt
Geldpolitische Sozialpolitik

Die Europäische Zentralbank vollzieht mit ihrer Niedrigzinspolitik eine milliardenschwere Umverteilung bei den Geldvermögen in der Euro-Zone. Verlierer sind die Deutschen. Das ist auf Dauer nicht akzeptabel.
  • 24

Es ist schon absurd. Deutschland ist der europäische Buhmann Nummer eins, weil wir Deutschen uns angeblich dumm und dämlich an der Euro-Krise verdienen und stur auf einmal vereinbarten Abmachungen beharren. Wir sind die hässlichen Profiteure der Euro-Krise, die von manchem, wie zum Beispiel vom britischen Regierungschef David Cameron, sogar verantwortlich für die Krise gemacht werden.

Mag sein, dass dies nur eine Retourkutsche von Cameron war, weil Frankreich und Deutschland ja der von dem Briten gehassten Finanztransaktionssteuer den Weg bereitet haben – übliches politisches Säbelrasseln also. Aber drastische öffentliche Schuldzuweisungen, ob nun bei Demonstrationen in Athen oder auf dem politischen Parkett, gefährden die Basis für ein gemeinsames Europa.

Das ist das Eine, das Andere: Je länger die Krise dauert, umso stärker schält sich heraus, dass der Allgemeinplatz vom Krisenprofiteur Deutschland schlicht und einfach falsch ist.

Ein erstes Anzeichen dafür lieferte die Europäische Zentralbank (EZB) vor rund vier Monaten mit der Veröffentlichung einer Studie über die Privatvermögen in der Euro-Zone. Die EZB kam zu dem Schluss, dass die Bundesbürger innerhalb der Euro-Zone zu den ärmsten Mitgliedern gehören. Jedenfalls sind sie weit entfernt von den um ein Mehrfaches vermögenderen Italienern, Spaniern und erst recht von den Haushalten in den Kleinstaaten Luxemburg, Zypern oder Malta.

Nun kann man sicher über die Methodik dieser EZB-Befragung streiten, aber das hilft letztlich auch nicht viel weiter. Das zeigt eine kürzlich veröffentlichte Analyse des Versicherungskonzerns Allianz, die sich akribisch mit dem Methodenstreit auseinandergesetzt hat. Auch bei der Allianz wird das Ergebnis nur ein klein wenig besser, Deutschland rückt mit einem Durchschnittsvermögen von 113.000 Euro ins Mittelfeld. Eine noch bessere Platzierung, so scheint es, ist für die Deutschen vorerst nicht drin.

Im Zuge dieser Untersuchung beschreiben die Autoren aber einen Effekt der EZB-Niedrigzinspolitik, der die Bundesbürger direkt auf die Verliererstraße bringt, je länger die Krisenpolitik der EZB anhält.

Zum einen reduzieren die niedrigen Zinsen die Last der aufgenommenen Kredite für die privaten Kreditnehmer überall in der Euro-Zone. Vor allem aber bekommen dadurch die mit Hypothekenkrediten belasteten Verbraucher in den Krisenländern – und auch die öffentlichen Kreditnehmer – wieder Luft zum Atmen. Das war gewollt und es ist die gute Seite der EZB-Krisenpolitik.

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Krisenstaaten sind die Gewinner

Kommentare zu " Walter direkt: Geldpolitische Sozialpolitik "

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  • Wenns mal ein Pamphlet wäre, es ist eine Zustandsbeschreibung. Pamphlete sehen anders aus.

    Aber so ist das wenn man sich einmal ein Selbstbild zurecht gelegt hat, dann läßt man sich ungern von anderen möglichen Sichtweisen "verwirren".
    Ist Deutschland etwa nicht einer der größten Waffenexporteure? Zahlt Deutschland etwa nicht die geringsten Zinsen für seine Schulden (im übrigen auch für mehr Schulden als andere) und krakeelt dafür auch noch in der Presse rum, die Zinsen sind viel zu niedrig? Aber Zinsen bekommt man nur von anderer Leute Arbeit.
    Dank Schröder und Co ist die ja so billig wie nie.
    Moralisch ist natürlich die EZB dran, die kann man ja schurigeln, selber arbeiten, Binnenachfrage stärken und Zinsen zahlen ist Scheiße. Doppelmoral pur. Und sich dann wundern, wenn man dafür keinen Dank erntet?
    In Deutschland merken Sie vielleicht nichts davon, aber Leute im Ausland sehr wohl.
    Auch in dem Ausland in das exportiert wird. Mal sehen wie lange die noch Lust haben, China baut nicht nur eigene Bügeleisen, auch eigene Autos inzwischen.
    Aber noe, lieber die schönen Verschwörungstheorien ausleben, ach ist das einfach.
    Kritiker sind dann eben einfach nur braun, rot, links, rechts oder sonstwas. Aber Fakten, noe, lieber nicht.
    Nehmen wir lieber die "Bösen", bis uns eine Presse, ein Fachidiot oder anderer Führer uns erlöst.


  • @ Netshadow

    << Die Deutschen sind sicherheitsneurotisch, der einzige Weg so mit der Wirtschaft weltweit zu bestehen, ist über Europa. >>


    金金金金金金金金金金金金金金金金金金金金金金金金金金金金金金金金金金金

    - solche Pamphlets habe ich auch schon beim @ Freidenker gelesen.

    Lesen Sie mal Ihren Satz oben nochmals durch und versuchen Sie, den selbst zu begreifen.....? Einen größeren Stuß in einem Satz kann man nicht mehr produzieren.
    Und so sieht Ihr ganzes Pamphlet aus ! Lachnummer !

  • "Also wer hier einen Insel-Pazifisten abgibt , dass sind eindeutig Sie. Und wer nach Großmacht ( EUtopia ) strebt mit seiner Unabhängugkeit vom Rest der Welt, sind auch ganz eindeutig Sie !
    Alsop ein "Brauner" im Gewand eines linken Demagogen !"

    Ach, kommen Sie, das ist doch echt müßig hier mit irgendwelchen Weltbildern zu kommen, egal welcher Farbe.

    Fakt ist Deutschland ist einer der größten Waffenexporteure der Welt und einer der größten Ferkel was Banken- und Finanzspekulationen angeht (Gruss an die deutsche Bank u.a.). Dazu noch mit einer Doppelmoral geschlagen das es kracht. Man verkauft die Waffen ja nur für den Frieden *lol*.
    Know How wird exportiert, das es schon fast an eine Zwangsneurose grenzt, gleichzeitig überwacht man sein Volk im Namen der Lobbyisten und der "Sicherheit".
    Die Deutschen sind sicherheitsneurotisch, der einzige Weg so mit der Wirtschaft weltweit zu bestehen, ist über Europa. Ob Sie oder ein paar andere vergreisende National-Illusionisten das glauben oder nicht.
    Die Jugend ist schon längst davon weg, der Rest stirbt langsam aus. Auch weil die Deutschen soo auf "Sicherheit" bedacht sind, das sie ihre Migranten nicht mal in den Schulen integriert bekommen. Im Zweifel wollen die ja einfach nicht, zu dumm aber auch.
    Kein Wunder das es keine Unternehmer mehr gibt, Deutschland erstickt an seinen eigenen Sicherheitsbedürfnissen und seiner Doppelmoral.
    Und das will man auch noch verzinst haben, während man selbst kaum welche bezahlt, dafür gibts ja auch schon Schuldige.
    DAS ist auch ein Bild wie andere Länder Deutschland sehen. Aber für einen Blick über den Tellerrand sind ja andere zuständig, während dessen kann man schön moralisieren was andere gefälligst zu tun haben, Hauptsache billig.
    Deutschland wäre sowas von isoliert im Welthandel und noch mehr nur ein Anhängsel von Amerika (und auch von China) gäbe es Europa nicht. Aber das ist ja nicht vorstellbar, man ist doch so toll und andere sind nur faul und wollen nur "unser" Geld.

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