Walter direkt Im Namen des Guten und Wahren

Immer stärker dirigiert der Staat unser privates Leben – angeblich zu unserem Glück und Nutzen. Die Resultate lassen leider zu wünschen übrig, wie das Beispiel Bankberatung zeigt.
13 Kommentare
Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Man muss ja nicht so weit gehen, wie der österreichische Nationalökonom Ludwig von Mises, der mit radikaler Liberalität dafür stritt, dass sich der Staat aus der Wirtschaft heraushalten solle.  Versteht man das Postulat von von Mises als ein politisches Ziel, so sind wir heute – fast 100 Jahre später – davon weiter entfernt als jemals zuvor. Vater Staat dirigiert unser Leben und wir alle tanzen brav nach dem vorgegebenen Takt.

Die Botschaften der Parteien für die nahende Bundestagswahl zeigen das wieder einmal in eindrucksvoller Intensität. Ob das nun die geforderte Bürgerversicherung, das bedingungslose Grundeinkommen, die diversen Steuererhöhungspläne oder der von den Grünen gepriesene Veggie-Tag ist, immer geht es dabei im Kern darum, den Bürgern vorzuschreiben, wie wir unser (Zusammen-) Leben zu gestalten haben.

Der Staat gibt und nimmt – immer im Namen des Guten und Wahren. Er bestimmt, wer mehr Steuern zu zahlen hat, wer welchen Anspruch auf staatliche Leistungen hat, und das bis in die allerkleinsten Einzelheiten. Ein skurriles Beispiel dafür ist die Münchner Fahrradabstellplatzsatzung. Dort ist nicht nur festgelegt, wie viele Abstellplätze auf Flohmärkten, Friedhöfen oder Kleingartenanlagen bereitstehen müssen. Nein, diese Satzung gilt sogar für Bordelle, für fünf Zimmer ist ein Fahrradabstellplatz einzurichten.

Man könnte das ganze Treiben mit Humor nehmen, wenn hinter dieser Art von gut gemeintem politischen Aktionismus nicht ein trauriges Menschenbild stünde: Der Bürger ist zu dumm, zu träge und überfordert, selbst das Richtige zu tun.

Deshalb nimmt der Staat es in die Hand, dafür zu sorgen, was gut für jeden einzelnen Menschen ist. Einen verniedlichenden Begriff hat man für dieser Art der staatlichen Politik schon lange gefunden: Paternalismus.

Was es mit diesem so stark nach väterlicher  Fürsorge klingenden Begriff auf sich hat, ist jedoch das genaue Gegenteil dessen. Im Paternalismus geht es nicht darum, die Menschen in die Lage zu setzen, selbst besser zu entscheiden. Es geht darum, den Menschen diese Entscheidung abzunehmen.

Kaum ein Berater empfiehlt noch Aktien
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13 Kommentare zu "Walter direkt: Im Namen des Guten und Wahren"

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  • "Kaum ein Berater empfiehlt noch Aktien"

    Liegt das nicht vielleicht nicht nur daran, daß der Staat eine irre Bürokratie vorschreibt ?
    Liegt das nicht vielleicht auch daran, daß die Banken lieber Zertifikate und Lebensversicherungen verkaufen, weil sie daran mehr verdienen ?

  • @muunoy

    Bei der Hudson River Landung wurden alle gerettet, weil sie direkt von den Tragflächen aufgepickt wurden, Soweit ich weis spielten Schwimmwesten als Lebensretter keine Rolle.
    Insgesamt aber ist das eine Frage nach dem vertretbaren Risiko. Es klingt brutal asozial wenn man wegen der geringen Wahrscheinlichkeit, so etwas zu brauchen Schwimmwesten einspart. Betroffene werden das nie für vertretbar halten.
    Aber letztlich ist eines Gewiss an anderer Stelle wird selbstverständlich mehr gespart trotz höherer Risiken und niemand findet etwas dabei. Das liegt an dem was in der Vorstellung Angst macht, nicht was inakzeptabel gefährlich ist.
    Eine angstbetonte Gesellschaft verliert ihre Dynamik weil letztlich ihre Sicherheitskosten höher ausfallen als die Gewinne. Sie wird unwirtschaftlich und erstarrt. Das kann letztlich auch deshalb passieren, weil der Preis für Unglücke ein Tabu berührt. Wieviel ist eine Leben wert?
    Tatsächlich wird das ständig bepreist, das nur rational nüchtern und bewusst zu bepreisen ist aber Tabu.
    Was denen die davon leben Angst zu machen eine Steilvorlage bietet.

    H.

  • @Regulierung,

    wissen sie wer hochspekulative Anlagen kauft, die er nicht kennt ist wirklich selber Schuld. Man kann nicht jeden Idioten vor sich selbst schützen.
    Der Staat hat die Aufgabe, sicherzustellen, das die Produkte seriös hinsichtlich den ihnen zugedachten Zweck und Risiko sind. Es ist nicht seine Aufgabe Anleger vor sich selbst zu schützen.
    Letztlich heisst das ja nur Dummheit zu sozialisieren!
    Deshalb gab es ja schon vorher die produktaufklärung bei Risiko anlagen, die der Anleger unterschreiben musste.
    Was dem Anleger nicht zuzumuten ist, ist die Überprüfung, ob die zugesicherten Eigenschaften tatsächlich dem Produkt entsprechen.

    In vielen Fällen ist der Staat seiner Aufsicht diesbezüglich nicht wirklich nachgekommen, bei einigen Produkten des grauen Kapitalsmarktes ist das so.
    In fast allen Fällen ist Fahrlässigkeit auf Anlegerseite die Hauptursache für völlig ungeeignete Produkte beim Kunden. Sorglose Gier war das Hauptmotiv, bei manchen Anlegern sogar skrupellose Gier.

    H.

  • @abc

    ihre Aussage widerspricht meiner gar nicht. Das ändert aber nichts daran, das unsere nationale Regierung durch Gesetzesänderungen Hürden beseitig hat, die es erlaubten ungedeckte Papiere zu verkaufen bzw. einzukaufen.
    Wir haben also unseren eigenen Anteil dafür, das die Krise eine Weltweite wurde.

    H.

  • Auch ich beschwere mich regelmäßig über den paternalistischen Staat, der in immer mehr Lebensbereiche eingreift und wirklich alles regulieren möchte. Besonders schlimm daran ist, dass ich dieses Bestreben auch noch über meine Steuern bezahlen muss.
    Aber bei den Schwimmwesten liegen Sie vermutlich falsch. Da ist mal ein Pilot im Hudson-River gelandet. Und da waren die Schwimmwesten nützlich. Nun ja, vermutlich hätte auch jeder ohne Schwimmweste überlebt, weil der Fluss wirklich nicht so breit ist ;-)

  • Viele Zeitgenossen neigen dazu Freiheit und Demokratie gleichzusetzen. Wie falsch! Ohne Freiheit ist Demokratie nichts wert. Die dumpfe Mehrheit an Neidern, Gutmenschen, Besserwissern und Maennern und Frauen, die vor der Verantwortung Angst haben, bestimmen unser Leben durch den Wahlzettel jeden Tag ein bisschen mehr.

    Um hier Missinterpraetationen vorzubeugen, ich bin Demokrat. Aber der schleichende Abbau von Freiheit und Eigenverantwortung muss verhindert werden, die, die uns entmuendigen, muessen in ihre Grenzen verwiesen werden.

    Nebenbei bemerkt, auf jedem Flug werden die Passagiere aufwaendig im Gebrauch der Schwimmwesten unterwiesen. Mir ist kein einziger Fall bekannt, dass eine Schwimmweste einmal einem Flugast das Leben gerettet haette. Mich wuerde mal interessieren, ob sie auf der Titanic Fallschirme dabei hatten. Soweit zu der Faehigkeit unserer Gouvernanten, fuer unsere Sicherheit sorgen zu koennen.

  • Es ist auch meine Wahrnehmung, dass der Staat in einigen Bereichen überreguliert. Bei Bankprodukten (und einigen Versicherungsprodukten) ist das m.E. nicht der Fall. Aus eigener Beobachtung spreche ich mich klar dafür aus, Kleinanleger vor Falschberatung (absichtlich oder unabsichtlich) so weit wie möglich zu schützen. Es ist richtig, dass der Staat regulierend eingegriffen hat, da die Branche dies aus eigener Kraft nicht geschafft hat (Vertrieb geht vor Qualität, so mancherorts der Eindruck).
    Mir sind pers. Fälle bekannt, wo hochspekulative Anleihen als langfr. sicher an wenig wissende Kunden an den Mann gebracht werden sollten - kombiniert mit manipulativen Verkaufstricks ("geht nur noch bis heute Mittag"). Und das bei einer durchaus angesehen Bank, die den Kunden kennen sollte.
    Daher klares Ja für harte Regulierung in diesem Bereich und angemessene Haftung der Berater. Wenn das zur Folge hat, dass die Berater vorsichtiger beraten und einige Produkte nicht mehr beworben werden können, ist dies im Vergleich zum Nachteil einer Falschberatung eines Kleinanlegers akzeptabel.


  • @hermann.12 "Erlaube ich den Marktteilnehmern Produkte zu verkaufen, die im moralischen Sinne betrügerisches Potential enthalten (Zertifikate, Kreditverbriefung) dann erzwingt damit wegen der Konkurrenz auch den Verkauf solcher Produkte."

    Nein, Sie springen damit zu kurz. Ausgangspunkt der Finanzkrise war die rücksichtslose Vergabe von Krediten an nicht kreditwürdige Amerikaner. Vergeben wurden die Kredite durch Staatsunternehmen (Fannie Mae etwa). Fannie Mae konnte das machen, weil sie in der Hinterhand einen Staat hatte, der sie notfalls retten würde.

    Weil der Staat am Anfang der Kette eingegriffen hat, mussten auch andere Unternehmen nachziehen und ebenfalls Risikokredite rausreichen.

    Der korrekte Weg wäre es gewesen, wenn der Staat sich völlig aus der Kreditvergabe herausgehalten hätte UND Banken hätte pleite gehen lassen die pleite sind UND Bürger hätte pleite gehen lassen, die pleite sind.

    Die Zocker waren nicht die Bankster, sondern die irre Politiker.

  • @Mazi,

    es bleibt unbestritten, das etwas getan werden musste. Aber Herr Weimar hat vollkommen Recht. Ich habe gerade mein Unternehmen deshalb geschlossen (und ich hatte keinen einzigen Haftungsfall)
    Der Staat muss regulierend eingreifen, weil beinharte Konkurrenz rücksichtslosigkeit beinhaltet. Erlaube ich den Marktteilnehmern Produkte zu verkaufen, die im moralischen Sinne betrügerisches Potential enthalten (Zertifikate, Kreditverbriefung) dann erzwingt damit wegen der Konkurrenz auch den Verkauf solcher Produkte.
    Regulierung beim Berater ist deshalb hahnebüchener Schwachsinn, der lediglich die staatliche Fehler auf den Vertrieb abwälzt, ohne eine echte Lösung zu schaffen.
    diejenigen die das verbrochen haben haben von Wirtschaft und funktionierenden Märkten soviel Ahnung wie Dreijährige vom Sex.

    H.

  • Der Staat gibt und nimmt?
    Nun ja, mein Eindruck ist er nimmt mehr als er gibt. Und gegeben wird nur denen die eine Lobby haben. Und die Bevormundung dient auch nur den Lobbyinteressen. Veggy-Day und Ölheizungsverbot der Grünen ist dieselbe Unverschämtheit wie die EU-Regelungen zum Tischöl beim Italiener, der Gurkenkrümmung, dem Glühlampenverbot, dem Zulassen von Genartikeln, Saatgutvorschriften oder Sprit aus Nahrungsmitteln!

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