Walter direkt
Im Namen des Guten und Wahren

Immer stärker dirigiert der Staat unser privates Leben – angeblich zu unserem Glück und Nutzen. Die Resultate lassen leider zu wünschen übrig, wie das Beispiel Bankberatung zeigt.
  • 13

Man muss ja nicht so weit gehen, wie der österreichische Nationalökonom Ludwig von Mises, der mit radikaler Liberalität dafür stritt, dass sich der Staat aus der Wirtschaft heraushalten solle.  Versteht man das Postulat von von Mises als ein politisches Ziel, so sind wir heute – fast 100 Jahre später – davon weiter entfernt als jemals zuvor. Vater Staat dirigiert unser Leben und wir alle tanzen brav nach dem vorgegebenen Takt.

Die Botschaften der Parteien für die nahende Bundestagswahl zeigen das wieder einmal in eindrucksvoller Intensität. Ob das nun die geforderte Bürgerversicherung, das bedingungslose Grundeinkommen, die diversen Steuererhöhungspläne oder der von den Grünen gepriesene Veggie-Tag ist, immer geht es dabei im Kern darum, den Bürgern vorzuschreiben, wie wir unser (Zusammen-) Leben zu gestalten haben.

Der Staat gibt und nimmt – immer im Namen des Guten und Wahren. Er bestimmt, wer mehr Steuern zu zahlen hat, wer welchen Anspruch auf staatliche Leistungen hat, und das bis in die allerkleinsten Einzelheiten. Ein skurriles Beispiel dafür ist die Münchner Fahrradabstellplatzsatzung. Dort ist nicht nur festgelegt, wie viele Abstellplätze auf Flohmärkten, Friedhöfen oder Kleingartenanlagen bereitstehen müssen. Nein, diese Satzung gilt sogar für Bordelle, für fünf Zimmer ist ein Fahrradabstellplatz einzurichten.

Man könnte das ganze Treiben mit Humor nehmen, wenn hinter dieser Art von gut gemeintem politischen Aktionismus nicht ein trauriges Menschenbild stünde: Der Bürger ist zu dumm, zu träge und überfordert, selbst das Richtige zu tun.

Deshalb nimmt der Staat es in die Hand, dafür zu sorgen, was gut für jeden einzelnen Menschen ist. Einen verniedlichenden Begriff hat man für dieser Art der staatlichen Politik schon lange gefunden: Paternalismus.

Was es mit diesem so stark nach väterlicher  Fürsorge klingenden Begriff auf sich hat, ist jedoch das genaue Gegenteil dessen. Im Paternalismus geht es nicht darum, die Menschen in die Lage zu setzen, selbst besser zu entscheiden. Es geht darum, den Menschen diese Entscheidung abzunehmen.

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Im Namen des Guten und Wahren

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Kaum ein Berater empfiehlt noch Aktien

Kommentare zu " Walter direkt: Im Namen des Guten und Wahren"

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  • "Kaum ein Berater empfiehlt noch Aktien"

    Liegt das nicht vielleicht nicht nur daran, daß der Staat eine irre Bürokratie vorschreibt ?
    Liegt das nicht vielleicht auch daran, daß die Banken lieber Zertifikate und Lebensversicherungen verkaufen, weil sie daran mehr verdienen ?

  • @muunoy

    Bei der Hudson River Landung wurden alle gerettet, weil sie direkt von den Tragflächen aufgepickt wurden, Soweit ich weis spielten Schwimmwesten als Lebensretter keine Rolle.
    Insgesamt aber ist das eine Frage nach dem vertretbaren Risiko. Es klingt brutal asozial wenn man wegen der geringen Wahrscheinlichkeit, so etwas zu brauchen Schwimmwesten einspart. Betroffene werden das nie für vertretbar halten.
    Aber letztlich ist eines Gewiss an anderer Stelle wird selbstverständlich mehr gespart trotz höherer Risiken und niemand findet etwas dabei. Das liegt an dem was in der Vorstellung Angst macht, nicht was inakzeptabel gefährlich ist.
    Eine angstbetonte Gesellschaft verliert ihre Dynamik weil letztlich ihre Sicherheitskosten höher ausfallen als die Gewinne. Sie wird unwirtschaftlich und erstarrt. Das kann letztlich auch deshalb passieren, weil der Preis für Unglücke ein Tabu berührt. Wieviel ist eine Leben wert?
    Tatsächlich wird das ständig bepreist, das nur rational nüchtern und bewusst zu bepreisen ist aber Tabu.
    Was denen die davon leben Angst zu machen eine Steilvorlage bietet.

    H.

  • @Regulierung,

    wissen sie wer hochspekulative Anlagen kauft, die er nicht kennt ist wirklich selber Schuld. Man kann nicht jeden Idioten vor sich selbst schützen.
    Der Staat hat die Aufgabe, sicherzustellen, das die Produkte seriös hinsichtlich den ihnen zugedachten Zweck und Risiko sind. Es ist nicht seine Aufgabe Anleger vor sich selbst zu schützen.
    Letztlich heisst das ja nur Dummheit zu sozialisieren!
    Deshalb gab es ja schon vorher die produktaufklärung bei Risiko anlagen, die der Anleger unterschreiben musste.
    Was dem Anleger nicht zuzumuten ist, ist die Überprüfung, ob die zugesicherten Eigenschaften tatsächlich dem Produkt entsprechen.

    In vielen Fällen ist der Staat seiner Aufsicht diesbezüglich nicht wirklich nachgekommen, bei einigen Produkten des grauen Kapitalsmarktes ist das so.
    In fast allen Fällen ist Fahrlässigkeit auf Anlegerseite die Hauptursache für völlig ungeeignete Produkte beim Kunden. Sorglose Gier war das Hauptmotiv, bei manchen Anlegern sogar skrupellose Gier.

    H.

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