Walter direkt
Kleinanleger in der Klemme

Zyprische Sparer werden zur Kasse gebeten, um das Land vor der Insolvenz zu retten. Die Globalisierung des Bankings bringt weitere Gefahren für die Anleger.
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Jetzt trifft es die Kleinanleger direkt: Um den Staat zu stützen, müssen Kunden zyprischer Banken eine einmalige „Sondersteuer“ zahlen. Die genauen Eckdaten sind noch nicht bekannt, große Vermögen könnten mit rund 15 Prozent belastet werden. Bislang waren per Gesetz Einlagen bis eben 100.000 Euro in Euro-Land gesichert.

Seit Zypern darf man getrost Zweifel an der versprochenen Sicherheit haben. Das Vertrauen vieler Anleger ist erschüttert. Sollte es in den Krisenländern zu einem Run auf die Banken kommen, würden sich deren Probleme verschärfen.

Das anhaltend niedrige Zinsniveau zeigt aber auch in Deutschland Wirkung. Die Sparer verlieren bei der Anlage ihrer Liquiditätsreserven nach Inflation Geld. Und auch die Probleme vieler Geldinstitute wachsen. Vor allem die Filialbanken ächzen unter den hohen Kosten ihrer Infrastruktur, und das bei sinkenden Erträgen. Bestes Zeichen für die angespannte Situation: Der Ton zwischen den Banken wird rauer.

So bezeichnete kürzlich ein hoher Sparkassenfunktionär eine hierzulande tätige ausländische Direktbank als „Schmarotzerbank“. Mit hohen Zinsen würde sie Kunden von den Banken vor Ort weglocken und die eingesammelten Spargelder der Deutschen dann irgendwo auf der Welt zu attraktiven Zinsen anlegen. Der Hintergrund für den Aufschrei: Die Geschäftstätigkeit der Auslandsbanken in Frankfurt ist laut Bundesbank in 2012 von 409 auf 486 Mrd. Euro gestiegen, ganz wesentlich getrieben durch Einlagen von Kunden.

Offenbar lassen sich die Anleger angesichts des niedrigen Zinsniveaus nur allzu gerne weglocken. Die moderne Technik macht es zu einem Kinderspiel. Im Internet finden sich allenthalten Hinweise, wie man unkompliziert sein Geld in andere Länder transferieren kann, um von den dort teils sehr viel höheren Zinsen zu profitieren. Wer in einschlägige Finanzportale schaut, bekommt mit wenigen Klicks die Anbieter mit den besten Konditionen für Tages- oder Termingelder gezeigt. Unter den Top 20 sind auffallend viele Auslandsbanken.

Kommentare zu " Walter direkt: Kleinanleger in der Klemme"

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  • Die ganze Misere beginnt damit, dass man Banken für systemrelevant erklärt und nicht in Konkurs gehen lassen möchte. Und da man schon den "Vertrauensverlust" fürchtet ist selbst die kleinste zypriotische Sparkasse mittlerweile systemrelvant. Mit dem Konkurs hat man den zentralsten Punkt der Marktwirtschaft ausgehebelt, nämlich dass Misswirtschaft bestraft wird. Stattdessen wird Versagen belohnt, die EU, die EZB und der IWF kommenn in einer gönnerhaften Manier an und hauen alle raus...

    Jeder Insolvenzverwalter oder Sanierer weiß, dass ein entstandener Schaden von den bisherigen Kapitalgebern zu tragen ist. Und zwar in der Reihenfolge: Managementvergütungen, Eigenkaiptalgeber, Nachranggläubiger, ungesichterte Anleihegläubiger, zuletzt Bankeinlagen. Frisches Geld dient dem künftigen Geschäft, nicht der Rettung wertloser Positionen.

    Wer diese Rangfolge auf den Kopf stellt und Altkapitalgeber schmerzfrei stellt mit dem windigen Argumen, das Finanzsystem nicht gefährden zu wollen, der ruiniert die Marktwirtschaft komplett.

    Dass wir im Jahre 5 nach der Lehmann-Pleite immer noch kein Vorinsolvenz- oder sonstiges geordnetes Restrukturierungs- oder Abwicklungsverfahren haben und ein Bankenproblem immer noch mit dem großen Geldkoffer zulasten der Steuerzahler lösen ist der eigentliche Skandal und zeigt, dass die EU und EZB schon rein intellektuell nicht in der Lage sind, das Problem zu lösen.

  • Herr Walter, Sie sollten es wissen!

    Wann haben Soarer in Deutschland nach Abzug von Steuern und Infation am Jahresende real mehr auf ihrem Konto gehabt als zu Jahresanfang?

    Ich denke, dass des vor Ihrer Lehrzeit gewesen sein müsste.

  • Der Artikel hat etwa den Informationsgehalt der Aussage: "Im Osten geht die Sonne auf." Offenbar steht der Autor am Ende seiner "Informationskaskade".

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