Walter Direkt
Nägel mit Köpfen machen

Das Geschäft der Schattenbanken hat das Rekord-Niveau vor Ausbruch der Finanzkrise übertroffen. Wann endlich reagieren Politik und Aufsichtsbehörden und regulieren auch diesen Teil der Finanzindustrie?
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In gut zwei Wochen jährt sich zum vierten Mal die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, die den Höhepunkt der 2007 ausgebrochenen globalen Finanzkrise markiert. Noch immer arbeiten Heerscharen von Wissenschaftlern und Politikern daran, diese Krise zu verstehen, aufzuarbeiten und die richtigen Lehren daraus zu ziehen.

Weitgehend einig sind sich die Fachleute, dass eine neue Form des Sturms auf die Banken das Fass zum Überlaufen brachte, der so genannte Liquiditäts-Run. Historisch gesehen, wurde das Ende einer Bank regelmäßig dadurch eingeläutet, dass Sparer Angst um ihre Einlagen hatten, die Bank stürmten und ihr Geld zurück verlangten.

2008 fegte ein anderer Sturm über die Finanzindustrie. Der legte das Interbankengeschäft und das Geschäft am Repo-Markt lahm, in dem institutionelle Investoren kurzfristige Liquidität gegen verpfändete Sicherheiten aufnehmen oder vergeben.

Banken strichen sich radikal die gegenseitig eingeräumten Kreditlinien und vor allem der nicht regulierte Teil der Finanzindustrie, die so genannten Schattenbanken, verlangten von ihren Geschäftspartnern das gegen Sicherheiten ausgeliehene Geld zurück – und zwar sofort. So nahm die Katastrophe ihren Lauf, weil jeder Kreditnehmer in der Finanzindustrie Geld brauchte, wurden Wertpapier-Sicherheiten im wahrsten Sinne um jeden Preis verramscht, mit verheerenden Folgen für deren Werthaltigkeit. Die Entwertung finanzieller Vermögen nahm jedenfalls gewaltige Ausmaße an.

Letztendlich mündete das in milliardenschweren staatlichen Kapitalspritzen und Bürgschaften für Banken und dem massiven Einsatz der Notenbanken. Die stellen seitdem die Liquidität bereit, die sich die Finanzindustrie untereinander nicht mehr geben wollte.

Das alles ging einher mit dem unüberhörbaren Ruf aus Politik und Gesellschaft nach einer strengeren Regulierung des Bankgeschäfts und der Forderung, auch die Schattenbanken den staatlichen Aufsichtsbehörden zu unterstellen.

In dem letzten Punkt ist bisher allerdings herzlich wenig geschehen. Erst Ende dieses Jahres, also fast fünf Jahre nach Ausbruch der Krise,  soll es eine Empfehlung des Financial Stability Board (FSB), einer Arbeitsgruppe der 20 größten Volkswirtschaften (G20), geben, wie denn die Schattenbanken in die Regulierung einbezogen werden könnten. Man darf getrost davon ausgehen, dass es dann – wenn überhaupt – noch eine ganze Weile dauern wird, bis ein von allen 20 Staaten akzeptiertes Maßnahmenpaket vorliegt. Weitere Zeit wird ins Land streichen, bis dieses Paket in die Regelwerke der nationalen Aufsichtsbehörden aufgenommen ist.

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Kommentare zu " Walter Direkt: Nägel mit Köpfen machen"

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  • So lange dieser unregulierte Dienstleistungssektor immer noch als "Industrie" geadelt wird ändert sich gar nichts. Hier wird lediglich umverteilt, am meisten in die Taschen der leitenden Bankiers.
    Nur erzeugt wird nichts.

  • Die Fachleute sind sich einig, dass das zuletzt zusammen gebrochene Schnellballsystem als "Liquiditäts-Run" zu bezeichnen ist. Das wollten Sie uns doch damit sagen, Herr Walter? Und wieviele Schneeballsysteme gibt es noch oder werden gerade eben von den Schattenbanken ausgedacht? Ist der Euro nicht auch ein Schneeballsystem? Wir bezahlen doch indirekt über Rettungsschirme, EZB und demnächst den ESM unsere eigenen Exporte. Wie würden sie das den bezeichnen? Als perpetuum mobile der Finanzwirtschaft? Übrigens: Politik und Finanzwirtschaft ist ein und das selbe. Und dann wundern Sie sich, dass sich bei der Regulierung noch nichts getan hat? Spielen Sie weiter blinde Kuh, Herr Walter.

  • Ein guter Vorschlag! Aber zu aller erst sollte die BAFin die Bankenaufsicht für die Großbanken in den Griff bekommen. Wie der Liborskandal zeigt, hat es offensichtlich überhaupt keine Bankenaufsicht gegeben.

    Das war ja schon ein Skandal für sich.

    Um es in einem Beispiel auszudrücken:
    Bevor man sich Gedanken über ein Jugendstrafrecht macht, sollte man sich Gedanken über ein Erwachsenenstrafrecht machen.

    Es geht also nicht um das Für oder Gegen, sondern um die richtigen Prioritäten.

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