Walter direkt
Nicht nur auf Europa konzentrieren

Bei aller Solidarität mit den Euro-Ländern dürfen wir die Entwicklungen auf den Weltmärkten nicht vernachlässigen. Der Industrienation Deutschland droht sonst ein herber Rückschlag.
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An Ideen, die Euro-Krise zu lösen, mangelt es wahrlich nicht. Jetzt hat das amerikanische Magazin „Time“ eine Variante aufgegriffen, die Wasser auf die Mühlen der Euro-Skeptiker  ist. Nicht die überschuldeten Euro-Staaten wie Griechenland oder Portugal sollten aus der Euro-Zone ausscheiden, sondern Deutschland, eventuell zusammen mit anderen Gläubigerstaaten.

Für die Schuldnerstaaten wäre das eine relativ elegante Lösung. Der sich mit tödlicher Sicherheit abwertende „weiche“ Euro würde die (reale) Schuldenlast drastisch dezimieren und die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder verbessern. Die Menschen in der verbliebenen Euro-Zone werden dadurch zwar ärmer, aber sie merken es nicht so schnell. Ein schwacher Außenwert des Euro ist im Portemonnaie nicht so unmittelbar zu spüren wie eine Lohnkürzung – das entsprechende Mittel zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit in einer Währungsunion.

Für Deutschland sieht das natürlich anders aus. Die Forderungen gegenüber Griechenland und Co. verlieren an Wert – einschließlich der rund 500 Milliarden Euro schweren sogenannten Target-Forderungen der Bundesbank gegen die Europäische Zentralbank. Glasklar ist, dass die neue Währung aufwerten wird, und damit die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands geschwächt wird. Aber das – so „Time“ lapidar – sei eben der saure Apfel, in den man beißen müsse und immer noch besser als ein Staatsbankrott der Schuldnerstaaten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Wie auch immer man zum  Time-Vorschlag und zu allen anderen Ausstiegsmodellen stehen mag, ich ziehe daraus einen eigenen Schluss: Gleichgültig wie es in der Euro-Zone kommen wird, Griechenland und Co. werden für lange Zeit nicht dynamisch wachsen. Somit können sie auch für unsere Wirtschaft nicht zu den Wachstumsregionen zählen. Bei aller Solidarität mit den Euro-Ländern dürfen wir die Entwicklungen auf den Weltmärkten daher nicht vernachlässigen, wenn die Industrienation Deutschland nicht zurückfallen soll.

Diese Gefahr ist aber nicht von der Hand zu weisen, wenn wir nun für eine möglicherweise längere Zeit alle Kraft und Mittel darauf verwenden, den europäischen Schuldnerstaaten mit immer neuen Millardenhilfen und -garantien aus der Patsche zu helfen.

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Kommentare zu " Walter direkt: Nicht nur auf Europa konzentrieren"

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  • Dem ist nichts mehr hinzu zufügen.
    Danke

  • Ich bin sehr dafür, dass Deutschland aus dem Euro aussteigt. Je früher desto besser. Dass dabei Verluste entstehen, muss hingenommen werden und ist letztlich immer noch billiger, als am Ende selbst pleite zu gehen.

  • Netter Vortrag. Nur, wohin gehen die dt. Exporte? Sollen wir jetzt auch anfangen, die Exporte in die BRIC-Staaten zu finanzieren, nach den schlechten Erfahrungen in Europa? Andererseits: Die Deutsche Bank ist immer noch eine der weltgrößten (Pleite-)Banken, wenigstens wenn es nach dem Anteil am weltweiten Derivatemüll geht (sie hält ca. 70 Billionen) oder dem Leverage (Hebeln) ihrer Geschäfte 1:50, US-Quellen gehen sogar von 1:100 aus.

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