Walter direkt Ponzis Schneeball-Jünger

Charles Ponzi hat 1920 als Erster in großem Stil ein Schneeballsystem aufgebaut und dient Anlagebetrügern bis heute als Vorbild. Inzwischen werden auch die Staatsfinanzen in Industrieländern als Ponzi-System bezeichnet.
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Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Es war das Jahr 1920, da versprach ein italienischer Einwanderer namens Charles Ponzi seinen amerikanischen Mitbürgern eine sagenhafte Rendite von 50 Prozent in nur 45 Tagen, wenn sie ihm ihre Dollars geben würden. Natürlich ging die Sache schief. Es dauerte nicht lange, da hatte er seine Geldgeber um 20 Millionen Dollar betrogen, nach heutigem Wert knapp 250 Millionen US-Dollar.

Ponzi wanderte für viele Jahre hinter Gitter, aber sein Name ist seitdem unter Ökonomen ein Synonym für Schneeballsysteme. Die kollabieren irgendwann unweigerlich, weil eine exponentiell wachsende Zahl neuer Anleger mitmachen muss, um die versprochenen Gewinne auszahlen zu können. Nur so kann das System aufrechterhalten werden. Es ist eben wie ein Schneeball, der immer größer wird, je länger er rollt.

So machte es die vermeintliche Wall-Street-Ikone, Bernard Madoff, dessen System 2008 mitten in der Finanzkrise mit einem gewaltigen Knall zusammenbrach. Anlegern brachte das einen gigantischen Verlust von 65 Milliarden Dollar (51 Milliarden Euro) ein und Madoff wurde von den New Yorker Richtern zu 150 Jahren Knast verurteilt. So machte es vermutlich auch die kürzlich aufgeflogene Frankfurter Immobilienfirma S&K. Dort sollen die Ponzi-Jünger laut Staatsanwaltschaft einen Schaden in „mindestens dreistelliger Millionenhöhe“ angerichtet haben.

Für mich ist sehr bemerkenswert, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Ökonomen dazu übergegangen sind, den Begriff „Ponzi-System“ auf ein gänzlich anderes, noch viel monumentaleres Finanzierungssystem anzuwenden – auf die Staatsfinanzen. Das gilt für Wissenschaftler in den USA , in Deutschland und vielen anderen Ländern Europas.

Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts kritisierten sie die schnell wachsenden Staatsschulden, die es künftig unmöglich machen würden, die eingegangenen Schulden aus den hereinkommenden Steuereinnahmen zu bedienen, geschweige denn zurückzuzahlen. Tatsächlich werden heute in allen Industrieländern alte Staatsschulden durch Aufnahme neuer Staatsschulden zurückgezahlt.

In den Krisenländern nehmen die Regierungen bei Notenbanken, Rettungsschirmen und internationalen Organisationen inzwischen sogar neue Schulden auf, um die Zinsen auf alte Schulden zahlen zu können. Wo liegt da der Unterschied zum Ponzi-System?

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13 Kommentare zu "Walter direkt: Ponzis Schneeball-Jünger "

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  • Schauen wir mal, ob das "Weiter so" auch für den Wahlzettel gilt. Vom Bildungsbürgertum kann erwartet werden, dass es sich nach Alternativen umsieht. Die gibt es nun mit mind. einer Partei, die alleine durch die hochkarätige personelle Besetzung die anderen Parteien alt aussehen lässt. Jetzt muss sich der Michl nur noch trauen, diese zu wählen. Da die Wahlen (noch) geheim sind, sollte das möglich erscheinen. Jedes Land bekommt die Regierung, die es verdient (und die "Weisen" sind traditionell in der Minderheit, machen wir uns nichts vor).

  • @ubjay: Nein, das ist so nicht richtig. Wird mit Krediten ein Produktivvermögen aufgebaut, können Kredite aus den daraus erwachsenen Erträgen zurückgezahlt werden. Dies funktioniert aber nur, wenn Kredite nicht übermäßig ansteigen im Verhältnis zum Produktivvermögen (für Staatsfinanzen gilt hier 60% des BIP als Maßstab, dies wurde so auch als Maastricht-Grenze festgelegt und von vielen Staaten gebrochen). Zum Ponzi-System wird das Ganze aber recht schnell, wenn die Wirtschaftsleistung zum Großteil auf Immobilienboom zurückzuführen ist, wie in Irland, Spanien, Griechenland und Portugal. Immobilien sind - nach Errichtung - nachhaltig unproduktiv, die Wirtschaft stürzt mit Einbruch der Baukonjunktur schnell ab und die Staaten brauchen Kredit zur Finanzierung des laufenden Haushaltes. Das es anders geht haben die skandinavischen Länder in den 80/90er Jahren bewiesen.

  • Sehr guter Vergleich Herr Walter;denn es gibt viele, die sich mittlerweile fragen, wo die echten Gewinne bleiben wenn fortwährend Erträge mit neuen Schulden bezahlt werden fuer die wiederum Geld gedruckt wird.
    In die glaskugel bis 2050 will ich nicht blicken. Kucken wir mal die 18. legislaturperiode an:
    Weder Schäuble noch Steinbrück sagen den Bürgern die Wahrheit. Die dreistelligen Milliardenbeträge sind nur durch eine Mehrwertsteuererhöhung zu stemmen.Die SPD hat für ihre Klientel bereit vorgesorgt. Aber die Mitte der Gesellschaft Deutschlands ist weiterhin kalt progressiv.Gerechtigkeit auf hohem Niveau kann man nur halten, wenn das Land leistungsfähig ist und Wohlstand hat.

    Den generieren aber weder Steinbrück-> naher und weiterer Vertrauensbruch
    noch ein Finanzminister Trittin
    Im Digitalen Zeitalter müsste Scheuble die Bürger national und europaeisch demokratisch vor die Alternative stellen

    Auch in den Ländern, insbesondere im Haushalt von NRW sind keine Rücklagen- die Pensionslast für NRW bis 2020 kenne ich.
    Vorbilder?
    Es kommt auf´s Personal an

    Meine Meinung


  • Was erlauben Walter? Einfach so fundamentale Wahrheiten aussprechen die das Volk nichts angehen!

  • Es nutzt nichts, wenn HB-online nicht über die Auftaktveranstaltung der AfD "Alternative für Deutschland"
    in Oberursel mit 1.200 Teilnehmern berichtet.
    Die FAZ hat einen Artikel geschaltet, mit einer großen Anzahl an Kommentaren, die zu einer uberwältigenden Zustimmung in Hinblick auf diese Parteigründung kommen.

  • Guter Artikel Herr Walter,

    im Gegensatz zu 1913 ist das Ende der „Weiter so!“ Geschichte bekannt und nur noch eine Frage der Zeit.

    Ob Ökonomen und kluge Köpfe das Ruder noch rumreißen können, bleibt abzuwarten. Zu hoffen wäre, dass sie zumindest die Chance dazu bekommen.

    http://www.youtube.com/watch?v=LNT_Z8PrX_U

  • "Jedes Ponzi-System ist eine Blase. Sie platzt, wenn die Finanzierung eines ursprünglich gegebenen Versprechens plötzlich nicht mehr möglich ist. Das gilt für vorgegaukelte Renditen wie auch für öffentliche Leistungen, die den Staat in den Bankrott treiben, weil er dafür nicht vorgesorgt hat."

    Genauso sieht es aus. Der Staat gaukelt seinen Bürgern (also letztlich die Mehrheit der Bürger sich selbst) zukünftige Leistungen/"Renditen" vor, die er niemals ehrlich und ohne Kreditbetrug erbringen kann. Protegiert wird er dabei von sogenannten "Ökonomen" des Gelddruckens, welche den ideologischen Überbau dafür liefern und sogar zu blöd sind, ein Ponzi-Schema als solches zu erkennen.

    Mal sehen, was passiert, wenn der Durchschnittsbürger merkt, wie er sich selbst verarscht hat. Vermutlich ist er dann auch zu feige seiner eigenen Dummheit ins Auge zu sehen und wird sich wieder einen "Schuldigen" als Projektionsfläche suchen.

  • Es liegt in der Natur von Parasiten solange einfach weiterzumachen bis das Wirts-Lebewesen tot ist.

    Man erwarte daher keinerlei Einsicht bei irgend einem Beteiligten, weder bei Parasiten-Bürgern noch bei Parasiten-Politikosi in allen EU(RO)-Ländern.

  • Die einzig mögliche "Lösung" für unser Pozi-Schuldgeld-System ist, grenzenlos Geld zu drucken. Das heißt, es KANN nur in einer Hyperinflation mit totaler Geldentwertung enden.
    Herr Draghi von Goldmann Sachs, äh.. der EZB hat ja schon angekündigt, grenzenlos Anleihen von Pleitestaaten zu kaufen. Das läuft genau in diese Richtung.
    Schlichte Gemüter wie Merkel, Schäuble, Seehofer und andere Euro-Fanatiker haben ihm dafür das Vertrauen ausgesprochen.
    Mich wundert, dass Millionen europäischer Bürger so ruhig bleiben, während das Finanzsystem unaufhaltsam gegen die Wand fährt.
    Aber 1913 soll ja auch ein schönes Jahr gewesen sein.

  • Deutschland macht die "EU in Brüssel" fett und mächtig. Mit dem Geld werden die Bürokraten reich gemacht und "Politik gekauft" um Europa zu unterjochen unter die Zentralmacht aus Brüssel. Damit trägt Deutschland die grösste Schuld an der Ent-demokratisierung und Zentralisierung Europas.

    Ziel ist, einen identitätslosen Universalmenschen zu schaffen (Gender-streaming). Ohne Nationalität, geschlechtslos also vollkommen neutral im Umgang untereinander, obrigkeitshörig, agressionslos verweichlicht, übertolerant das heisst Moral und Werte verschwinden, denn die könnten ja "eingefordert werden", ohne Heimatbezug und identitätsstiftende Merkmale. Alles was Menschen voneinander unterscheidet und damit "unruhestiftend" sein kann wird "weg-erzogen" von Politik und mainstream-Medien. Eben ein "EU-Lemming als Zukunfts-Menschenbild" als billige Arbeitskraft und abhängig von staatlicher Fürsorge. Das ist das EU-Gender-Menschenbild der "EU in Brüssel". Meinungsfreiheit und Individualität werden unter den Teppich gekehrt. Stück für Stück. "EU in Brüssel" ist wie eine Käseglocke über Europa, wie ein Korsett, dass man zum Schluss nur noch straffziehen muss. Und finanziert wird es mit unserem Steuergeld oder unserer Bonität als deutsche Schuldner. Zum Schämen ist das !

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