Walter direkt
Ponzis Schneeball-Jünger

Charles Ponzi hat 1920 als Erster in großem Stil ein Schneeballsystem aufgebaut und dient Anlagebetrügern bis heute als Vorbild. Inzwischen werden auch die Staatsfinanzen in Industrieländern als Ponzi-System bezeichnet.
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Es war das Jahr 1920, da versprach ein italienischer Einwanderer namens Charles Ponzi seinen amerikanischen Mitbürgern eine sagenhafte Rendite von 50 Prozent in nur 45 Tagen, wenn sie ihm ihre Dollars geben würden. Natürlich ging die Sache schief. Es dauerte nicht lange, da hatte er seine Geldgeber um 20 Millionen Dollar betrogen, nach heutigem Wert knapp 250 Millionen US-Dollar.

Ponzi wanderte für viele Jahre hinter Gitter, aber sein Name ist seitdem unter Ökonomen ein Synonym für Schneeballsysteme. Die kollabieren irgendwann unweigerlich, weil eine exponentiell wachsende Zahl neuer Anleger mitmachen muss, um die versprochenen Gewinne auszahlen zu können. Nur so kann das System aufrechterhalten werden. Es ist eben wie ein Schneeball, der immer größer wird, je länger er rollt.

So machte es die vermeintliche Wall-Street-Ikone, Bernard Madoff, dessen System 2008 mitten in der Finanzkrise mit einem gewaltigen Knall zusammenbrach. Anlegern brachte das einen gigantischen Verlust von 65 Milliarden Dollar (51 Milliarden Euro) ein und Madoff wurde von den New Yorker Richtern zu 150 Jahren Knast verurteilt. So machte es vermutlich auch die kürzlich aufgeflogene Frankfurter Immobilienfirma S&K. Dort sollen die Ponzi-Jünger laut Staatsanwaltschaft einen Schaden in „mindestens dreistelliger Millionenhöhe“ angerichtet haben.

Für mich ist sehr bemerkenswert, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Ökonomen dazu übergegangen sind, den Begriff „Ponzi-System“ auf ein gänzlich anderes, noch viel monumentaleres Finanzierungssystem anzuwenden – auf die Staatsfinanzen. Das gilt für Wissenschaftler in den USA , in Deutschland und vielen anderen Ländern Europas.

Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts kritisierten sie die schnell wachsenden Staatsschulden, die es künftig unmöglich machen würden, die eingegangenen Schulden aus den hereinkommenden Steuereinnahmen zu bedienen, geschweige denn zurückzuzahlen. Tatsächlich werden heute in allen Industrieländern alte Staatsschulden durch Aufnahme neuer Staatsschulden zurückgezahlt.

In den Krisenländern nehmen die Regierungen bei Notenbanken, Rettungsschirmen und internationalen Organisationen inzwischen sogar neue Schulden auf, um die Zinsen auf alte Schulden zahlen zu können. Wo liegt da der Unterschied zum Ponzi-System?

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Jedes Ponzi-System ist eine Blase.

Kommentare zu " Walter direkt: Ponzis Schneeball-Jünger "

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  • Schauen wir mal, ob das "Weiter so" auch für den Wahlzettel gilt. Vom Bildungsbürgertum kann erwartet werden, dass es sich nach Alternativen umsieht. Die gibt es nun mit mind. einer Partei, die alleine durch die hochkarätige personelle Besetzung die anderen Parteien alt aussehen lässt. Jetzt muss sich der Michl nur noch trauen, diese zu wählen. Da die Wahlen (noch) geheim sind, sollte das möglich erscheinen. Jedes Land bekommt die Regierung, die es verdient (und die "Weisen" sind traditionell in der Minderheit, machen wir uns nichts vor).

  • @ubjay: Nein, das ist so nicht richtig. Wird mit Krediten ein Produktivvermögen aufgebaut, können Kredite aus den daraus erwachsenen Erträgen zurückgezahlt werden. Dies funktioniert aber nur, wenn Kredite nicht übermäßig ansteigen im Verhältnis zum Produktivvermögen (für Staatsfinanzen gilt hier 60% des BIP als Maßstab, dies wurde so auch als Maastricht-Grenze festgelegt und von vielen Staaten gebrochen). Zum Ponzi-System wird das Ganze aber recht schnell, wenn die Wirtschaftsleistung zum Großteil auf Immobilienboom zurückzuführen ist, wie in Irland, Spanien, Griechenland und Portugal. Immobilien sind - nach Errichtung - nachhaltig unproduktiv, die Wirtschaft stürzt mit Einbruch der Baukonjunktur schnell ab und die Staaten brauchen Kredit zur Finanzierung des laufenden Haushaltes. Das es anders geht haben die skandinavischen Länder in den 80/90er Jahren bewiesen.

  • Sehr guter Vergleich Herr Walter;denn es gibt viele, die sich mittlerweile fragen, wo die echten Gewinne bleiben wenn fortwährend Erträge mit neuen Schulden bezahlt werden fuer die wiederum Geld gedruckt wird.
    In die glaskugel bis 2050 will ich nicht blicken. Kucken wir mal die 18. legislaturperiode an:
    Weder Schäuble noch Steinbrück sagen den Bürgern die Wahrheit. Die dreistelligen Milliardenbeträge sind nur durch eine Mehrwertsteuererhöhung zu stemmen.Die SPD hat für ihre Klientel bereit vorgesorgt. Aber die Mitte der Gesellschaft Deutschlands ist weiterhin kalt progressiv.Gerechtigkeit auf hohem Niveau kann man nur halten, wenn das Land leistungsfähig ist und Wohlstand hat.

    Den generieren aber weder Steinbrück-> naher und weiterer Vertrauensbruch
    noch ein Finanzminister Trittin
    Im Digitalen Zeitalter müsste Scheuble die Bürger national und europaeisch demokratisch vor die Alternative stellen

    Auch in den Ländern, insbesondere im Haushalt von NRW sind keine Rücklagen- die Pensionslast für NRW bis 2020 kenne ich.
    Vorbilder?
    Es kommt auf´s Personal an

    Meine Meinung


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