Walter direkt

Sekt oder Selters?

Politiker jubeln über 0,3 Prozent Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal in der Euro-Zone. Ein wirklicher Grund ist das nicht. Dafür stehen noch zu viele ungelöste Aufgaben auf der politischen To-Do-Liste.
10 Kommentare
Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Die Freude sei jedem gegönnt, es wäre allerdings besser, wenn wir uns nichts vormachen würden. Gemeint ist damit der allerseits aufbrausende Jubel darüber, dass die Wirtschaftsleistung in der Euro-Zone im Allgemeinen sowie in Deutschland  im Besonderen im zweiten Quartal gewachsen ist.

Ja, die 0,7 Prozent Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal in Deutschland sind der beste Wert seit mehr als einem Jahr. Ja, die Marke von 0,3 Prozent für die Euro-Zone ist erstmals nach sechs Minus-Quartalen positiv. Aber ist damit schon das Ende der längsten Rezession im geeinten Europa eingeleitet?

Darüber kann man kräftig spekulieren, aber nicht zu einer überzeugenden Antwort gelangen – einfach weil unser Blick in die Zukunft doch etwas getrübt ist. Man sollte diese Frage daher anders stellen: Haben wir in der Euro-Zone inzwischen die Voraussetzungen dafür geschaffen, um auf einen nachhaltigen Wachstumskurs gelangen zu können?

Zu einer Antwort können wir nur kommen, wenn wir vergleichen, was wir eigentlich zur Lösung der Krise tun wollten oder sollten und was wir tatsächlich gemacht oder erreicht haben. Das Stereotyp der europäischen Politiker „Wir machen Fortschritte“ ist dafür als Antwort allerdings nicht ausreichend.

Das geht schon damit los, dass bei der entscheidenden Krisenursache, den exorbitant gestiegenen Staatsschulden, noch keine echte Kehrtwende erreicht wurde. Im Gegenteil, die Schulden steigen weiter, in den Krisenstaaten und auch in Deutschland, das sich ebenfalls von den einstigen Maastrichter Schuldenquoten weit entfernt hat.

Es geht weiter mit den mit großem Getöse angekündigten Finanzreformen. Die europäische Bankenunion aus Bankenaufsicht, Einlagensicherung und den Regeln zur Sanierung und Abwicklung von Banken ist auf den Weg gebracht, aber sie ruht viel länger als geplant in einer Art Warteschleife, weil sich die Regierungen bislang nicht über wichtige Details verständigen konnten.

Der Zeitpunkt für Sektkorken ist noch nicht gekommen
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10 Kommentare zu "Walter direkt: Sekt oder Selters?"

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  • Ein die Bundesregierung schonender Kommentar, wenn auch ersichtlich wird, dass die Bundesregierung viel Geld, sehr viel Geld, zuviel Geld ausgegeben und nichts erreicht hat.

    Wenn die Regierung die Armen ärmer gemacht hat, dann muss sie die Reichen reicher gemacht haben. Unsozial was nur als unsozial bezeichnet werden kann.

    Der Beitrag war wohl die öffentlichste "6", die der Bundesregierung von unpolitischer Seite je ausgestellt wurde.

    Eduard Reuter formulierte es so, man hat Feuerwehrleute dort eingesetzt, wo Architekten benötigt wurden und werden. Peter Scholl-Latour formulierte es übrigens inhaltlich gleich.

    Wenn Fachwissen, "Lotsen" gefordert werden, kann man die Führungspositionen nicht mit Parteisoldaten besetzen. Frau Merkel sollte dies aus der ehemaligen DDR doch noch bekannt sein. Die damalige DDR ist nicht wegen deren Bevölkerung sondern wegen deren Führung gescheitert.

  • Ich denke, dass Sie die Ironi im Kommentar von @Fredi nicht erfasst haben.

  • Trotz der aktuellen Ruhe, die an den europäischen Finanzmärkten herrscht, sowie dem gefeierten "Aufschwung", ist die Euro-Zone noch lange nicht über dem Berg. In den nächsten Jahren gilt es, den eingeschlagenen Weg beizubehalten um die Europa so wirtschaftlich wieder auf Kurs zu bringen. Dass Europa wieder wächst, darf zwar durchaus positiv aufgenommen werden, allerdings denke ich wird dies vor allem in Deutschland wegen der Bundestagswahl vonseiten der Regierung gewollt stark hervorgehoben.

  • @fredi
    in den letzten 3 jahren sind die steuereinnahmen um 100mrd € in deutschland gestiegen.
    vielleicht wissen sie wo das geld geblieben ist.

  • Die PBC hat wenigstens noch Anstand und Niveau. Was man von der Armut für Deutschland nicht erwarten darf.
    Dort gibt es Vorstandsmitglieder, die der meinung sind, dass H4er erst ihre Organe verkaufen sollen, bevor man ihnen hilft!!!!
    Und Lucke ist Helfershelfer der Partei, die an der Macht ist. Stichpunkt INSM.

    http://alternativernewsletter.wordpress.com/

  • das wachstum von 0,3 % ist eine zeitungsente im sommerloch, die herrn hollande mit seinem miserablen image und frau merkel im wahlkampf hilft, das volk einzulullen.
    was sind 0,3% in der werte,- wohlstands- und sonstwas-gemeinschaft? eine statistische kurzfristige meßungenauigkeit

  • Sie haben vollkommen recht, Matthes. Nur ein Punkt möchte ich anmerken: Nicht die Afd wird uns retten, sondern nur die Partei bibeltreuer Christen! Ich wähle PBC!!

  • Weder noch. Denn mit Deutschland gehts bergab. Immer schneller. Von Brüssel ausgenutzt und ausgenommen. Die Finanzwirtschaft schreibt inzwischen Deutschlands Zukunft ab und hofiert die derzeitigen Schuldenländer, denen es mit unserem Geld immer besser heht. Deutschland muss umsteuern und das geht nur mit der AfD.

  • Ach so... der Berliner Flughafen ist nicht fertig, weil wir noch nicht genügend gezahlt haben... Jetzt verstehe ich das, das war das Problem!

  • " Kein Land schafft es, auch nur die Ersatzinvestitionen zu finanzieren, um den Status quo bei der Infrastruktur wenigstens zu erhalten. "
    Eine Folge fehlender Steuereinnahmen, bzw. starker Steuersenkungen!

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