Walter direkt
Undemokratische Klassengesellschaft

Wir brauchen in der EU endlich faire gesetzliche Regeln, wie Bankengläubiger bei einer Bankpleite behandelt werden. Staaten, Notenbanken und andere Insider dürfen als Einleger nicht privilegiert werden.
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Wer meint, die Konsequenzen der chaotischen Zypern-Rettung seien erkannt und daraus die notwendigen Schritte für die Euro-Zone abgeleitet, der irrt gewaltig. Nur eine Konsequenz der ganzen Malaise dürfte auch den Politikern klar sein: So wie in Zypern darf es kein zweites Mal laufen.

Zwei Punkte stehen dabei für mich im Fokus. Wir dürfen nicht zulassen, dass im Sanierungsfall Bankeinlagen höchst unterschiedlich behandelt werden und wir brauchen ein europäisches Sicherungssystem, das auch wirklich dem Schutz der Einleger verpflichtet ist.

Dass sich der Staat künftig bei der Lösung von Bankenkrisen soweit wie möglich heraushalten möchte, ist nachvollziehbar. Schließlich ist es auch seine Aufgabe, den Steuerzahler möglichst zu schonen. Dass aber monatelang öffentlich darüber diskutiert wird, ob und, wenn ja, welche Gläubiger, wie zur Bankenrettung herangezogen werden könnten, ist ein Unding.

Die Konsequenzen dieser unprofessionellen Diskussion kann man an den Geschäftszahlen der beiden zypriotischen Banken ablesen.  Seit 2011 wurden Milliarden Euro an Einlagen, Bankschuldverschreibungen und Anleihen von den beiden Instituten abgezogen. Diese Abgänge wurden durch massive Liquiditätshilfen der Europäischen Notenbank und der zypriotischen Zentralbank ausgeglichen.

Das ist absurd, denn letztlich wurde dadurch eine viel raschere Pleite der Banken verhindert. Man könnte so etwas also auch als staatlich subventionierte Insolvenzverschleppung bezeichnen. Anders gesagt: Eine stattliche Anzahl von Bankgläubigern, und das werden sicherlich nicht Kleinanleger gewesen sein,  konnte sich so vor einer Beteiligung an den Sanierungskosten drücken.

Kommentare zu " Walter direkt: Undemokratische Klassengesellschaft"

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  • Wenn es hier Zweifel über die Seriosität einer Bank in Deutschland oder im Euroraum geben sollte, dann darf man sein Geld nicht bei dieser Bank anlegen. Dann bieten sich Geldanlagen bei Schweizer Banken an. An der Grenze zur Schweiz endet der Einfluss der Euro-Politiker. Und das ist gut so.

    Es muss jedem klar sein, dass größere Geldanlagen im Inland "kassiert" werden, während lediglich die Zinsen (die aktuellen 0,25 %) der hiesigen Steuer unterliegen.

    Zusammengefasst:
    Inländische Anleger verlieren 100 % des Anlagekapitals oder 0,125 % des Zinsbetrages (0,25 % x 50 % angenommenem persönlichen Steuersatz). Nach der Logik ist doch die Entscheidung klar.

    Die nächsten Schritte die folgen müssen, sind die Abschaffung des freien Kapitalverkehrs gefolgt von der zwangsweisen Devisenbewirtschaftung.

    Mehr Werbung für Geldanlagen in der Schweiz kann wohl keiner mehr machen!

  • Bei kritischem Lesen des Artikels gelangt man zu dem Schluss, dass es für alle Beteiligten sinnvoll wäre, die Banken im Euroraum zu verstaatlichen. Dann wäre das Thema sinnvoll abgeschlossen.

  • "Undemokratische Klassengesellschaft" -- Ja das trifft es.

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