Walter direkt
Was erlauben Weidmann!

EZB-Präsident Mario Draghi macht die Isolation des Bundesbank-Chefs Jens Weidmann im EZB-Direktorium öffentlich. Das hat es in dieser Form noch nie gegeben - und es ist ein gefährliches Signal.
  • 30

Eigentlich schade, dass italienische Notenbankpräsidenten nicht annähernd so temperamentvoll sind wie italienische Fußballtrainer. Dann nämlich hätte der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, auf der Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag nicht zurückgerudert, sondern wie weiland Giovanni Trappatoni bei Bayern München eine Wutrede gehalten: Was erlauben Weidmann!

Spaß beiseite: Auf besagter Pressekonferenz musste Draghi sein Ende Juli verkündetes vollmundiges Versprechen korrigieren, ohne wenn und aber alles zu tun, um den Euro zu retten. Das schließt natürlich ein, dass die EZB auch wieder Staatsanleihen der überschuldeten Krisenländer aufkauft. Konkret musste er einräumen: Die EZB werde gerade nicht bedingungslos den Euro retten, sondern sie verlange, dass zunächst einmal die staatlichen Rettungsschirme ihre eigenen Mittel einsetzten, um Turbulenzen an den Finanzmärkten und drastische Zinssteigerungen für Staatsanleihen von Problemländern zu vermeiden. Diese Hilfen gibt es aber nicht ohne harte Bedingungen für die Empfängerländer.

Natürlich war da die Enttäuschung an den Märkten groß. Die Aktienmärkte purzelten, der Kurs des Euros gab nach, die Renditen für spanische und italienische Staatsanleihen stiegen bedrohlich und alle schoben Draghi dafür die Schuld in die Schuhe. Diese Folgen waren absehbar und  der EZB-Präsident wusste das mit Sicherheit schon vor der Pressekonferenz. Wer hat das schon gern?

Doch statt eine Wutrede zu halten,  machte Draghi auf ganz andere Weise seinem Ärger Luft. Zum ersten Mal in der Geschichte der EZB ließ der Präsident vor den versammelten Journalisten durchblicken, dass nur ein Kollege nicht damit einverstanden gewesen sei, bedingungslos den Euro zu retten und ebenso bedingungslos Staatsanleihen der Krisenländer aufzukaufen – Jens Weidmann, der Präsident der Deutschen Bundesbank. Abstimmungsergebnisse des EZB-Direktoriums wurden bislang stets geheim gehalten. Was Draghi damit deutlich machen wollte, war klar. Weidmann, obgleich Repräsentant des größten Anteilseigners der EZB, sei im Direktorium dieser Institution isoliert.

Merkwürdig ist, dass der politisch durchaus versierte Notenbankchef nicht bedacht hat, dass er mit dieser Indiskretion nicht nur Weidmann, sondern auch sich selbst und dem gesamten EZB-Gremium geschadet hat.  Klarer kann man die Politisierung der EZB, die doch eigentlich eher nüchtern und sachlich geldpolitische Entscheidungen im Interesse der Preisniveaustabilität treffen sollte, nicht demonstrieren. Das Motto, wer nicht für meine Politik ist, ist gegen mich, kennt man bislang eher aus anderen Bereichen des öffentlichen Lebens.

Kommentare zu " Walter direkt: Was erlauben Weidmann!"

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  • @batavia
    Super Beitrag! Bleiben Sie dem Blog treu! Danke!
    MfG
    Walter Schmid

  • Steuerschaetzer!

    Die Situation ist/macht traurig, ja. Aber man sollte die Hoffnung auf Aenderung nicht aufgeben.

    Ich habe heute morgen auch einen Film angeschaut. Er ist allerdings sehr lang aber unglaublich informativ.

    Ich werde jetzt im www weiter recherschieren um die dort erlaeuterten Hypothesen zu pruefen.

    http://www.youtube.com/watch?v=BAgtmtMtPJY&feature=related

  • Champus!

    Vielen Dank für die Hinweise. Aber bin jetzt noch deprimierter als vorher. Hatte allerdings vorher schon über die amerikanische Regierung ein Movie gesehen: The inside job. Das war schon die Andeutung und der Hinweis auf die starke Verquickung der Banken mit der Wissenschaft und der Politik (siehe Larry Summer oder Rubin). Und wer das Geld hat, der kauft sich die anderen eben (Politiker und Wissenschaftler) und schafft an. Und das wird dann als Demokratie verkauft. Und unsere Frau "Unabweisbar" rettet in einer Tour die Bankster und Zocker, anstatt diese zur Kasse zu bitten und notfalls Pleite gehen zu lassen. Aber wer ist bei uns nicht schon auch gekauft?

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