Walter direkt
Wenn der Schuh drückt

Die Zypern-Krise hat das Vertrauen in die Sicherheit der Spareinlagen erschüttert, Anleger haben Angst um ihr Geld. Wir brauchen eine europäische Lösung.
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Woran denken Deutsche beim Stichwort „Einlagensicherung“? Vor wenigen Tagen hat ein Fernsehsender dazu Menschen befragt. Die Antworten sind sicherlich nicht repräsentativ, aber einige dachten, es ginge darum, die Einlagen in ihren Schuhen zu sichern und sie rutschfest zu machen. Dabei dürfte vielen Anlegern der Schuh drücken, wenn sie an ihr Geld denken. Denn die Zypern-Krise zeigt Wirkung. Laut einer ZDF-Umfrage hat jeder zweite Deutsche inzwischen Angst um sein Erspartes.

Vielen Deutschen ist in diesen Tagen wohl bewusst geworden, dass ihre Bankeinlagen nicht in den Tresor wandern, sondern ein Kredit an die Bank sind, mit dem diese arbeitet. Das Geld ist damit auch Risiken unterworfen, je nach Lage der Bank. Und wohin das führen kann, zeigt ganz aktuell das Beispiel Zypern, wo der Staat nach den Einlagen der Bürger greift.

Dabei sind die Vorgaben der EU eindeutig: Einlagen bis 100.000 Euro sind bei europäischen Banken im Pleitenfall abzusichern. Damit soll verhindert werden, dass im Krisenfall Anleger in langen Schlangen die Banken belagern und ihr Geld abziehen. Bislang ist es jedem Land selbst überlassen, entsprechend der EU-Vorgaben Regelungen aufzustellen.

Banken und Sparkassen in Deutschland haben traditionell unterschiedliche Systeme der Einlagensicherung entwickelt. Die deutschen Privatbanken bedienen gemeinsam einen Fonds, aus dem Sparer entschädigt werden können. Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben sich verpflichtet, sich innerhalb des jeweiligen Verbundes gegenseitig zu helfen.

Die Pläne für eine europäische Einlagensicherung kommen jedoch nicht so voran, wie sich das etwa der Internationale Währungsfonds (IWF) wünschen würde. Die entsprechende Richtlinie ist immer noch nicht finalisiert. Gerade Deutschland steht auf der Bremse und verhindert so bislang einen europäischen Sicherungstopf. Und das aus gutem Grund. Denn bis dato geht es in der Diskussion vornehmlich um Lösungen, die eine gesamtschuldnerische Haftung vorsehen.

Kommentare zu " Walter direkt: Wenn der Schuh drückt"

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  • Herr Walter, warum haben Sie keinen eigenen Vorschlag? Das enttäuscht mich. In wessem Auftrag sind sie hier tätig?
    Ich sehe nicht ein, warum ich mit meinem Geld, mit meinen Bankgebühren durchgeknallten Bankern das Risiko abnehmen soll. Auch all jene die an solche Banken ihr Geld abgeben, sollten ihr Risiko kennen und wenn nicht dafür gerade stehen. Solidarität mit notleidenden deutschen Bürgern JA - aber nicht für den Rest der EU oder gar China, USA oder Rußland. Wer unbedingt bluten will kann sich ein Messer nehmen und seine Ader öffnen. Generell sollten Banken für ihre Bankprodukte haften. Um dies zu ermöglichen sind Banken so zu organisieren und zu strukturieren, dass von ihnen keine Gefahr für das Allgemeinwohl ausgehen kann. Banken die diese Kriterien nicht erfüllen sollten aus dem EU Markt verbannt werden. Geschäfte mit solchen Banken für Kleinanleger untersagt werden.

  • "Die deutschen Privatbanken bedienen gemeinsam einen Fonds, aus dem Sparer entschädigt werden können. Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben sich verpflichtet, sich innerhalb des jeweiligen Verbundes gegenseitig zu helfen."

    Herr Walter, sie sind ein Formulierungskünstler.

    Ich weise den kritischen Leser darauf hin, dass Herr Walter ausdrücklich darauf hinweist, dass die privaten Banken Sparer entschädigen "können", aber nicht "müssen".

    Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben sich dagegen untereinadner "verpflichtet".

    Herr Walter, sie formulieren wie Schäuble.

  • "Die Zypern-Krise hat das Vertrauen in die Sicherheit der Spareinlagen erschüttert, Anleger haben Angst um ihr Geld. Wir brauchen eine europäische Lösung."

    Eine eigenartige Sicht der Dinge!

    Spareinlagen sind immer sicher. Von ihnen geht kein Risiko aus.

    Wenn man Angst haben muss, dann sind es doch nicht die Einlagen, sondern es ist die Angst um die Anlagen. Diese Anlagen werden von den Banken und Versicherungen getätigt. Hat man von dort schon eine einzige Klage vernommen? Ich habe keine gelesen!

    Angst habe ich um mein Erspartes, weil Politiker in ihrer Regelungswut einfach so auf Einlagen des kleinen oder großen Mannes einfach so zu greifen. Bisher wurden Bankräuber in der Sendung XY gesucht, es wurde Kopfgeld ausgelobt und hier? Die machen das so, als wäre es das Normalste von der Welt.

    Wir Bürger sind aufgefordert uns das zurückzunehmen, was wir nicht hergegeben haben. Unser Recht!

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