Walter direkt Wenn der Schuh drückt

Die Zypern-Krise hat das Vertrauen in die Sicherheit der Spareinlagen erschüttert, Anleger haben Angst um ihr Geld. Wir brauchen eine europäische Lösung.
11 Kommentare
Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Woran denken Deutsche beim Stichwort „Einlagensicherung“? Vor wenigen Tagen hat ein Fernsehsender dazu Menschen befragt. Die Antworten sind sicherlich nicht repräsentativ, aber einige dachten, es ginge darum, die Einlagen in ihren Schuhen zu sichern und sie rutschfest zu machen. Dabei dürfte vielen Anlegern der Schuh drücken, wenn sie an ihr Geld denken. Denn die Zypern-Krise zeigt Wirkung. Laut einer ZDF-Umfrage hat jeder zweite Deutsche inzwischen Angst um sein Erspartes.

Vielen Deutschen ist in diesen Tagen wohl bewusst geworden, dass ihre Bankeinlagen nicht in den Tresor wandern, sondern ein Kredit an die Bank sind, mit dem diese arbeitet. Das Geld ist damit auch Risiken unterworfen, je nach Lage der Bank. Und wohin das führen kann, zeigt ganz aktuell das Beispiel Zypern, wo der Staat nach den Einlagen der Bürger greift.

Dabei sind die Vorgaben der EU eindeutig: Einlagen bis 100.000 Euro sind bei europäischen Banken im Pleitenfall abzusichern. Damit soll verhindert werden, dass im Krisenfall Anleger in langen Schlangen die Banken belagern und ihr Geld abziehen. Bislang ist es jedem Land selbst überlassen, entsprechend der EU-Vorgaben Regelungen aufzustellen.

Banken und Sparkassen in Deutschland haben traditionell unterschiedliche Systeme der Einlagensicherung entwickelt. Die deutschen Privatbanken bedienen gemeinsam einen Fonds, aus dem Sparer entschädigt werden können. Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben sich verpflichtet, sich innerhalb des jeweiligen Verbundes gegenseitig zu helfen.

Die Pläne für eine europäische Einlagensicherung kommen jedoch nicht so voran, wie sich das etwa der Internationale Währungsfonds (IWF) wünschen würde. Die entsprechende Richtlinie ist immer noch nicht finalisiert. Gerade Deutschland steht auf der Bremse und verhindert so bislang einen europäischen Sicherungstopf. Und das aus gutem Grund. Denn bis dato geht es in der Diskussion vornehmlich um Lösungen, die eine gesamtschuldnerische Haftung vorsehen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Ein Vorschlag, über den es zu diskutieren lohnt
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Walter direkt - Wenn der Schuh drückt

11 Kommentare zu "Walter direkt: Wenn der Schuh drückt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Herr Walter, warum haben Sie keinen eigenen Vorschlag? Das enttäuscht mich. In wessem Auftrag sind sie hier tätig?
    Ich sehe nicht ein, warum ich mit meinem Geld, mit meinen Bankgebühren durchgeknallten Bankern das Risiko abnehmen soll. Auch all jene die an solche Banken ihr Geld abgeben, sollten ihr Risiko kennen und wenn nicht dafür gerade stehen. Solidarität mit notleidenden deutschen Bürgern JA - aber nicht für den Rest der EU oder gar China, USA oder Rußland. Wer unbedingt bluten will kann sich ein Messer nehmen und seine Ader öffnen. Generell sollten Banken für ihre Bankprodukte haften. Um dies zu ermöglichen sind Banken so zu organisieren und zu strukturieren, dass von ihnen keine Gefahr für das Allgemeinwohl ausgehen kann. Banken die diese Kriterien nicht erfüllen sollten aus dem EU Markt verbannt werden. Geschäfte mit solchen Banken für Kleinanleger untersagt werden.

  • "Die deutschen Privatbanken bedienen gemeinsam einen Fonds, aus dem Sparer entschädigt werden können. Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben sich verpflichtet, sich innerhalb des jeweiligen Verbundes gegenseitig zu helfen."

    Herr Walter, sie sind ein Formulierungskünstler.

    Ich weise den kritischen Leser darauf hin, dass Herr Walter ausdrücklich darauf hinweist, dass die privaten Banken Sparer entschädigen "können", aber nicht "müssen".

    Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben sich dagegen untereinadner "verpflichtet".

    Herr Walter, sie formulieren wie Schäuble.

  • "Die Zypern-Krise hat das Vertrauen in die Sicherheit der Spareinlagen erschüttert, Anleger haben Angst um ihr Geld. Wir brauchen eine europäische Lösung."

    Eine eigenartige Sicht der Dinge!

    Spareinlagen sind immer sicher. Von ihnen geht kein Risiko aus.

    Wenn man Angst haben muss, dann sind es doch nicht die Einlagen, sondern es ist die Angst um die Anlagen. Diese Anlagen werden von den Banken und Versicherungen getätigt. Hat man von dort schon eine einzige Klage vernommen? Ich habe keine gelesen!

    Angst habe ich um mein Erspartes, weil Politiker in ihrer Regelungswut einfach so auf Einlagen des kleinen oder großen Mannes einfach so zu greifen. Bisher wurden Bankräuber in der Sendung XY gesucht, es wurde Kopfgeld ausgelobt und hier? Die machen das so, als wäre es das Normalste von der Welt.

    Wir Bürger sind aufgefordert uns das zurückzunehmen, was wir nicht hergegeben haben. Unser Recht!

  • Selbstverständlich ist es auf der einen Seite notwendig, politische Entscheidungsprozesse und Institutionen immer mehr zu "europäisieren", indem man die supranationale Entscheidungsfindung weiter fördert. Eine europäische Einlagensicherung wäre eine wichtige Fortführung dieses eingeschlagenen Kurses. Auf der anderen Seite ist es jedoch ebenso wichtig darauf zu achten, dass jedes europäische Land in Europa unter Druck steht Strukturanpassungen und Reformen vorzunehmen. Bei der Beobachtung der Geschichte der Politik wird man nämlich schnell merken, dass wirklich entscheidende Reformen und Beschlüsse nahezu ausschließlich in Drucksituationen verabschiedet wurden. Man sollte daher eine gute Balance zwischen diesen beiden Aspekten finden!

  • Zypern und der Euro sind die bestee Beispiele, welche gegen eine europäische Einlagensicherung sprechen. Offiziell gibt es Standards aber jedes Land macht, was will und unfähig-ignorate Politiker schauen zu. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Sollte eine europäische Einlagensicherung kommen, werde ich meine ganzen Ersparnisse aus dem Euroraum abziehen. An solchem Unfug beteilige ich mich nicht!

  • Mit den Grünen haben Sie absolut recht. Leider, möchte man sagen. Ich empfehle dazu das hervorragende Buch von Schüßlburner: "Roter, brauner, grüner Sozialismus". Die wenigsten wissen, daß die Nazis und die Grünen die selben Wurzeln haben. Das ist das Widerlichste an dieser Partei, die selbst in arrogantester Weise die Methoden des Dr. Klumpfuß nutzbar macht, um politische Gegner zu entehren und zu zerbrechen. Die Nazis waren nicht anders! Die grünen Gutmenschen sind die Meister im Konstruieren von semantischen Strategien zur Freisetzung inhumaner Motivation in Bezug auf Gegner. Die vielen gutglaubenden nützlichen Idioten spielen ihnen wunderbar in die Hände. Und hinterher will es keiner gewußt haben...

  • ach ja: der Lagerkommandant und das Personal haben grüne Uniformen!

  • Nein, wir brauchen keine europäische Lösung, die im Prinzip nur ein Selbstbedienungsladung darstellt, sondern eine nationale. Nur weil ich hier national schreibe, bin ich noch lange nicht populistisch oder rechtsextrem, wie die Gutmenschenpresse immer zu behaupten versucht!
    Dazu passend: die Grünen wollen die deutsche Staatsbürgerschaft abschaffen, zugunsten einer Europäischen! Völlig durchgeknallt! Das Wort "Deutsch" soll verschwinden - ich fasse es nicht.
    Meine DM habe hergeben müssen, meinen Paß werde ich niemals hergeben. Ich befürchte er wird genauso konfisziert wie das Zahngold oder die Brillen der Juden in Ausschwitz.

  • Die bisherige Absicherung der Spareinlagen in Deutschland hat sich jahrzehntelang bestens bewährt und genießt ein hohes Vertrauen bei den Sparern. Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum dieses erfolgreiche System durch eine gesamteuropäische Absicherung zu Lasten der deutschen Sparer verwässert werden soll. Man kann sich jetzt schon vorstellen, wie die Meldung einer Sparkassenpleite in Andalusien oder die Schieflage einer Genossenschaftsbank in Palermo die deutschen Sparer in Panik verfallen lässt. Dann muss wahrscheinlich Frau Merkel wöchentlich vor die Kamera treten und sagen: "Liebe gesamteuropäische Sparer, hiermit garantiere ich die Sicherheit aller Spareinlagen auf Sizilien, Sardinien und Helgoland ..."

  • Und wieder einmal sagt uns ein Banker, was wir zu tun haben. Nein, Herr Walter, ich glaube Ihnen bzw. keinem aus Ihrer Branche nichts mehr und traue Ihnen auch nicht mehr über den Weg. Meine Ersparnissse werden jetzt peu a peu heruntergefahren. Zinsen gibt es keine mehr und von "Sicherheit" kann auch keiner mehr sprechen. Das Versprechen gilt nicht mehr. Insofern ist es völlig wurscht, ob ich es bei der Bank als "Versprechen" habe oder physisch bei mir im Safe.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%