Walter Direkt
Wie sicher sind die Sparer?

Was für ein Szenario! Staatspleiten werden durchgerechnet, Banken parken ihr Geld bei den Notenbanken, weil sie sich gegenseitig misstrauen und sie blocken bei ihrer ureigensten Aufgabe, der Kreditvergabe an die Wirtschaft.
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Das alles kennen wir doch schon aus der Zeit nach der Lehman-Pleite vor genau drei Jahren. Und: Auch jetzt geht es wieder um ein Thema - die Sicherheit der Bankeinlagen. Damals traten Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Finanzminister Peer Steinbrück für Deutschland vor die Presse und verkündeten entschlossen: „Die Einlagen der Sparer sind sicher“. Basta!

So etwas kann man schlecht wiederholen und so hat denn jedes Land jetzt seine eigene Art, mit diesem Thema umzugehen. Die Briten etwa wollen um das Privatkundengeschäft einen Schutzzaun ziehen, Deutschlands private Banken schrittweise den Einlagenschutz um fast drei Viertel absenken.

Da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich, wie das denn zusammenpassen soll.

Ganz ehrlich, es passt nicht zusammen, aber beides macht trotzdem Sinn.

Die britische Bankenstruktur mit einer handvoll marktbeherrschenden und auch im Investment-Banking aktiven Großinstituten ist der Grund für die Einführung eines Quasi-Trennbankensystems. Mit den Einlagen der Sparer sollen riskante Wetten im Eigenhandel nicht mehr finanziert werden. Allerdings, bis zur Umsetzung in 2019 wird noch viel Wasser die Themse runter fließen und noch ist überhaupt nicht ausgemacht, wie „kreativ“ die britischen Banken beim Errichten des Schutzzauns sein dürfen.

Deutschland hat es da einfacher. Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die rund zwei Drittel unseres Marktes abdecken, haben selbst kein Investment-Banking, vor dem die Spareinlagen geschützt werden müssten. Die Landesbanken sind auf Restrukturierungskurs und dampfen ihre Aktivitäten insbesondere im Eigenhandel kräftig ein. Auch bei den privaten Banken ist das mit einer Ausnahme kein großes Thema. Sogar diese Ausnahme, die Deutsche Bank, könnte viel schneller und wirkungsvoller als die britischen Institute einen Schutzzaun um den Privat- und Geschäftskundenbereich ziehen, wenn es denn notwendig sein sollte. Sie hat schon vor mehr als zehn Jahren diese Sparte in eine rechtlich selbstständige Einheit ausgegliedert, Auch die Postbank ist nach wie vor eine rechtlich selbstständige Einheit in der Deutsche-Bank-Gruppe.

Und die Maßnahmen der privaten Banken zur Einlagensicherung? Die Lehman-Pleite hat deutlich gezeigt, dass Situationen denkbar sind, die rasch die Grenzen des privaten Einlagenschutzes aufzeigen können. Hinzu kommt, dass der Sicherungstopf im Ernstfall zu drei Viertel oder mehr von nur zwei Instituten, der Deutschen Bank und der Commerzbank, gefüllt würde. Die bis zum Jahr 2025 geplante Reform des Einlagenschutzes macht das Haftungsversprechen dieser Gruppe ehrlicher. Weniger ist hier mehr, weil dieses Versprechen bei einer großen Krise ohne kräftigen staatlichen Beistand nicht zu halten wäre.

Herbert Walter, geboren 1953 in Prien am Chiemsee, führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank. Seine Karriere startete er nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre in München bei der der Deutschen Bank.

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