Walter direkt: Ziemlich schlechte Freunde

Walter direkt
Ziemlich schlechte Freunde

Weltweit können mehr als die Hälfte aller Bankkunden den Leistungen ihres Instituts nichts Positives abgewinnen. Das ist ein Armutszeugnis für die Branche. Kein Wunder, dass der Handlungsdruck steigt.
  • 5

Man kann es drehen und wenden wie man will, weltweit sind die Banken in einer tiefen Beziehungskrise mit ihren Kunden. Die Verbraucher haben eine unverändert kritische Einstellung zur Finanzwelt. Dass die Branche noch nicht auf dem Weg zur Normalität ist, hat jetzt der von Capgemini und Efma herausgegebene „World Retail Banking Report“ auch für dieses Jahr bestätigt.

Es ist schon merkwürdig. Ich schätze, dass 99 Prozent der mehr als 600.000 Bankmitarbeiter in Deutschland einen ordentlichen Job machen. Sie arbeiten zuverlässig und sorgfältig  und sie streichen auch keine exorbitanten Gehälter oder Boni ein.

Trotzdem hat sich das kaum bei der Reputation der Finanzbranche  bemerkbar gemacht. Insgesamt wurden in der Studie weltweit mehr als 18.000 Bankkunden befragt. Nur in einem Land, in Kanada, sagten sechs von zehn Bankkunden, dass sie im vergangenen Jahr positive Erfahrungen mit ihrem Institut gemacht hätten. Das ist der globale Spitzenwert, aber immerhin bedeutet das leider auch, dass stattliche 40 Prozent der Bankkunden nichts Gutes über ihre Bank zu berichten wissen.

In Deutschland verbesserte sich diese Ziffer zwar von 45 auf 48 Prozent, mithin kann aber etwas mehr als die Hälfte aller deutschen Kunden unterm Strich nichts Positives über ihre Bank sagen. Vertrauen in die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens sieht anders aus, auch wenn die Beziehungswerte der deutschen Banken besser sind, als in den meisten anderen untersuchten Ländern.

Kommentare zu " Walter direkt: Ziemlich schlechte Freunde"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das Problem beschränkt sich nicht nur auf die vom Autor angesprochenen Aspekte, es geht meiner Meinung nach deutlich weiter. Die Banken haben primär durch die Finanzkrise 2008 sowie die Nachwirkungen in Form von Klagewellen durch Anleger etc. sehr viel Vertrauen verspielt und somit einen massiven Imageschaden davongetragen. Solange die populistische Nettobotschaft der Medien bleibt, dass ein Großteil der Banker versucht, ihre Kunden abzuzocken wird sich das Verhältnis zwischen Kunde und Bank auch nicht ändern. Die Banken sollten (zusätzlich zu anderen Maßnahmen) dafür sorgen, dass es keine Grundlagen mehr für eine solche Berichterstattung gibt.

  • Das mangelnde Vertrauen in Banken lässt sich meiner Meinung nach nicht mit immer neuen Finanzprodukten beheben, die den Kunden angedreht werden sollen - seien sie passend oder auch nicht. Es liegt doch hauptsächlich daran, dass es Vorgaben von Finanzvorständen an Bankmitarbeiter gibt bestimmte Umsätze zu generieren und große Gehaltsanteile an die Zielerfüllung zu koppeln. Somit kann es doch gar keine objektive Beratung der Kunden durch Bankpersonal mehr geben. So lange das so ist traue ich meinem Banker genau so weit, wie ich ein Klavier werfen kann. Das trifft für mich übrigens auch für Politiker, Versicherungsverteter und Rechtsanwälte zu.

  • "In Deutschland verbesserte sich diese Ziffer zwar von 45 auf 48 Prozent ...", und früher durfte man in Deutschland eine Bank führen, auch wenn man den Unterschied zwischen Zahl und Ziffer nicht kannte. Nur warum dürfen solche Finanz-Legastheniker im Handelsblatt schreiben?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%