Winterspiele in Sotschi
Warum ein Dopingfall auch etwas Positives hat...

Es gibt keine Olympischen Spiele ohne dieses Thema: Doping. Jetzt hat es Evi Sachenbacher-Stehle erwischt. Das Problem ist nach wie vor nicht gelöst, doch Politik und IOC reagieren immer mit denselben Phrasen.
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Plötzlich, kurz vor Ende der Spiele von Sotschi, taucht ein altbekanntes Thema wieder auf. Evi Sachenbacher-Stehle soll gedopt haben. Und sie war nicht die Einzige. Auch bei einem italienischen Bobfahrer wurden verbotene Substanzen festgestellt. Sachenbacher-Stehle sprach vom „größten Albtraum, den man sich vorstellen kann.“ Das ist aus ihrer Perspektive nachvollziehbar, aber für den Sport insgesamt hat der Dopingfall auch etwas Gutes. Doping ist das existentiellste Problem des Hochleistungssports. Das wurde im Windschatten von spannenden Wettbewerben und der Kritik an Putins-Propaganda-Spielen fast vergessen.

Nun gibt es auch unter Ihnen, den Leserinnen und Lesern dieser Kolumne, ganz sicher viele, die beim Stichwort „Doping“ abwinken, nach dem Motto

– „Nicht schon wieder dieses Thema!“
– „Es gibt doch ohnehin keine Lösung dafür“
– „Muss man die Erfolge der Athleten jetzt wieder schlechtreden?“
– „hört doch auf mit diesem Generalverdacht!“

Doping ist ganz sicher kein populäres Thema. Den Sportverbänden und Athleten wird es recht gewesen sein, dass eher die „Spielmacher“ der Spiele, Putins Russland und das IOC, die Kritik der Medien auf sich gezogen haben. Entsprechend formulierte DOSB-Präsident Alfons Hörmann in seiner ersten Reaktion auf den Dopingfall Sachenbacher-Stehle: „Dieses Thema hätten wir uns gerne erspart.“ Verständlich, aber auch ein Zeichen von Verdrängung.

Prompt meldet sich auch Bundesjustizminister Heiko Maas zu Wort, fordert Haftstrafen von bis zu fünf Jahren für Dopingvergehen. Eine alte Forderung, die den Sportverbänden ganz und gar nicht gefällt. Das Problem bekomme der Sport schon selbst in den Griff, hört man oft von Verbands-Funktionären. Pflichtgemäß wird auch das IOC die Doping-Bilanz der Spiele noch einmal bilanzieren und sinngemäß feststellen: „Die geringe Zahl beweist: Unsere Kontrollen greifen. Die Abschreckung funktioniert. Unsere Doping-Politik ist erfolgreich.“

Und wie hätte Thomas Bach argumentiert, wenn es nicht zwei, sondern 50 gedopte Sportler gegeben hätte? Ähnlich, zum Beispiel mit Sätzen wie: „Die hohe Zahl der Doping-Fälle zeigt: Unsere Kontrollen greifen. Wer dopt, schlüpft nicht mehr durch unser engmaschiges Netz. Unsere Doping-Politik ist erfolgreich.“ Wir stellen also fest: Egal, wie es läuft, das IOC wird die Doping-Bilanz der Olympischen Spiele immer als persönlichen Erfolg verbuchen. Aber hat die Zahl gedopter Sportler zum Ende der Spiele irgendeine Aussagekraft? Nein!

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Neue Methoden, neue Dopingfälle

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