Zschaber zündelt
Bald ist auch der letzte Torero arbeitslos

In Spanien gibt es aktuell gleich drei Krisenherde. Die Sparmaßnahmen und der Konsolidierungskurs des Staatshaushalts scheinen nicht aufzugehen. Es fehlt die Binnennachfrage und auch der Bankensektor ist geschwächt.
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Was waren das für Zeiten als die Wirtschaft boomte und das fremdfinanzierte Wachstumsmodell noch funktionierte. Spanien ist das Land der Sonne, der Lebenslust und der Stierkämpfe. Es gab dort 75 Stierkampfveranstalter, 1.200 Zuchtbetriebe, 70.000 Beschäftigte – aber die Rezession ist auch dort angekommen. Bald ist auch der letzte Torero arbeitslos.

Die neuesten Arbeitslosenzahlen sind erschreckend, die Arbeitslosenquote befindet sich bei etwas mehr als 24 Prozent, somit sind rund 5,6 Millionen Menschen arbeitslos. Eine Besserung ist nicht in Sicht, denn Spaniens Wirtschaft zeigt massive strukturelle Probleme und ist erneut in der Rezession, welche aus unserer Sicht noch dramatischer ist als nach der letzten Finanzkrise. Dieses Mal sind es drei unterschiedliche Krisenherde: die Staatenkrise, die Wachstumskrise und die Bankenkrise.

Die Sparmaßnahmen und der Konsolidierungskurs des Staatshaushalts scheinen nicht aufzugehen – obwohl es eigentlich noch zu früh ist, um ein Fazit zu ziehen. Doch die Finanzmärkte bilden sich ihr eigenes Urteil und der Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten verteuert sich täglich. Das ist auch kein Wunder, denn den neusten Zahlen nach zu urteilen, musste selbst für das vergangene Jahr der Fehlbetrag im Haushalt nochmals auf 8,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) korrigiert werden.

Einige Zahlen veranschaulichen das: Laut einer Prognose wird die Staatsverschuldung 2012 bei 840 Milliarden Euro liegen (die Angaben beziehen sich auf den Gesamtstaat und beinhalten die Schulden des Zentralstaats, der Länder, der Gemeinden und Kommunen sowie der Sozialversicherungen). Die Staatsverschuldung in Relation zum BIP wird bei 80 Prozent liegen. Und bei der Gesamtverschuldung werden 470 Prozent des BIP erwartet (Darunter die Unternehmen mit 192 Prozent, die Banken mit 111 Prozent, die private Haushalte mit 87 Prozent und der Staat mit 80 Prozent).

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  • Es gab dort 75 Stierkampfveranstalter, 1.200 Zuchtbetriebe, 70.000 Beschäftigte – aber die Rezession ist auch dort angekommen. Bald ist auch der letzte Torero arbeitslos.
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    Ehrlich gesagt,nicht schade drum..
    Auch das Windhundrennen dort ist widerlich..in Spaniens
    Wäldern,werden diese Tiere wenn sie nicht genug abwerfen
    in den Wäldern an Bäumen so eng angehangen,das sie im
    sitzen verhungern.Da sind schon mehr Hunde so verreckt,als
    Spanien Bäume hat.Wer so skrupellos mit Leben umgeht
    hat mein Mitgefühl nicht.

  • Stierkämpfe werden nach und nach geächtet und verboten. Wenn man schon was reinpacken will, dann sollte man sich schon besser informieren.
    Die Binnennachfrage, man, ist doch klar, kein Geld in der Wirtschaft, keine Arbeit und dann erst recht keine Nachfrage.
    Baut doch noch mehr Konzerne, die für viele Weniges zur Verfügung stellen. Dann noch ne Gießkanne damit die vielen auch das Wenige, was Großkonzerne abzubieten haben, auch kaufen können. Warum wollen die das nur nicht, warum will dieses blöde Volk auch noch Arbeitsplätze, und zwar Arbeitsplätze ohne Fahrwege von hunderten von Kilometern, warum wollen die den teuren Konzernstrom nicht? Weil die Sonne viel häufiger scheint, und man seinen Strom und selbst produzieren könnte? Und damit wieder Kaufkraft für andere Dinge frei werden könnte? Richtig, einige Staaten fordern ja Fördermittel für Atomstrom, so haben Banken dann wieder ein sicheres Einkommen. The show must go on ... Das Volk braucht Fleisch aus Argentinien und Sushi aus Japan ...

  • Einem Medienbericht zufolge will die Bundesregierung die Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen in der EU vorschlagen.
    Nach Spiegel-Information hat die Bundesregierung einen Sechs-Punkte-Plan erarbeitet, wonach den Krisenstaaten der Euro-Peripherie steuerliche Vorteile und weniger strenge Regeln für ausländische Investoren eingeräumt werden sollen. Außerdem sollen die EU-Länder ihren Arbeitsmarkt – nach deutschem Vorbild - reformieren.

    Diejenigen Länder mit hoher Arbeitslosigkeiten könnten ihren Arbeitsmarkt wie in Deutschland um ein duales Berufsausbildungssystem ergänzen, den Kündigungsschutz lockern und niedrig besteuerte und weniger abgabenbelastete Jobs ermöglichen. Des Weiteren schlage die Bundesregierung den Krisenländern vor, Treuhandanstalten nach deutschem Vorbild oder Privatisierungsfonds zu etablieren, die den Verkauf der zahlreichen Staatsbetriebe vorantreiben.

    Der Sechs-Punkte-Plan sei der Beitrag, den Deutschland zur Diskussion um mehr Wachstumsförderung leisten wolle. Denn nicht nur die anderen EU-Staaten, auch die Opposition fordern mehr Wachstumsförderung.

    Die SPD machte ihre zur Ratifizierung des Fiskalpaktes nötige Zustimmung von Wachstumsmaßnahmen abhängig. „Ich garantiere Ihnen, den Fiskalpakt wird es nur mit ergänzenden Wachstumselementen geben“, sagte SPD-Fraktionschef Steinmeier laut Spiegel. „Wenn die nicht kommen, wird es keine Zustimmung der SPD geben.“

    Doch bei der geforderten Wachstumsförderung hat die SPD an andere Elemente gedacht, als sie im Sechs-Punkte-Plan stehen: „Ohne eine Besteuerung der Finanzmärkte, ohne eine Stärkung der Investitionskraft und ohne eine Ausweitung des Kreditvolumens der Europ. Investitionsbank wird die SPD den Weg der Bundesregierung nicht mitgehen", machte Oppositionsführer Steinmeier deutlich. Außerdem verlangte er, dass zuvor noch die Besorgnisse um die Finanzlage der Bundesländer ausgeräumt werden sowie das Mitspracherecht des Bundestages geklärt werden müssten.

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