Zschaber zündelt
Die Abhängigkeit von Öl- und Gas

Deutschland ist abhängig von Energielieferungen aus Russland. Das birgt Gefahren. Die Energiepolitik wird zur Machtpolitik.
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Glaubt man den jetzigen Wetterprognosen, so kann es sehr gut sein, dass Europa einen kalten Winter erleben wird. Den wenigsten kommt in dieser Zeit ins Bewusstsein, woher eigentlich ein großer Teil unserer Energie, insbesondere in den kalten Wintermonaten, stammt, aber gerade wenn es um die Heizenergie geht, sind es zwei Oberbegriffe nämlich das „Gas“ und das „Öl“.

Der Energiehunger, wie er oft beschrieben wird, wächst und wächst. Das zeigt ein Blick auf das Zahlenwerk der EU-Kommission. Interessanterweise sind es die beiden oben benannten Energieträger, die seitens der Importabhängigkeit in der EU massiv steigen. Waren es im Jahr 2000 nur circa 50 Prozent der Gase, welche die EU verbraucht, so wird bereits im Jahr 2030 diese Quote auf über 80 Prozent gestiegen sein, ebenso wird der Ölimport bei knapp 90 Prozent liegen - das schafft Abhängigkeiten, sowohl von der Preiskalkulation als auch von allen anderen Einflussfaktoren, die natürlich auch willkürlich sein könnten.

Abhängigkeiten sind immer gefährlich, lassen sich aber bei dem Thema Energie leider nicht mehr verhindern, auch bedingt durch die neuen Energieplanungen, sofern diese denn überhaupt umsetzbar sind, aber dieses ist ein anderes Thema.

Interessanterweise ist der Energiezukaufbedarf in der gesamten EU von Energierohstoffen seitens Öl, Gas und Kohle im Jahr 2030 bei ungefähr 70 Prozent. Deutschland hat diese Quote bereits schon heute erreicht, dieses spricht für unseren heimischen Energiehunger und der ist nicht nur dem Privathaushalt geschuldet sondern ein sehr großer Teil auch der Industrie.

Nun kommen wir zum Thema und Land Russland, welches uns hoffentlich niemals in den Zustand von „Väterchen Frost“ fallen lässt, denn bereits jetzt importieren wir mehr als ein Drittel unserer Gase aus Russland und es wird nicht weniger. Natürlich fällt sofort ein Unternehmen auf, welches sich zum strategischen Monopolisten heraufgearbeitet hat. „Gazprom“ ist der größte Erdgasproduzent der Welt – und Deutschland ist sein wichtigster Kunde.

Natürlich gilt heute mehr denn früher die Aussage „Energie ist Macht“. Eines muss ganz klar erkannt werden: Je weiter sich der Einflussbereich des russischen Monopolkonzerns ausdehnt, umso leichter fällt es unserem Nachbarn, seine Macht auszubauen.

Außer Frage steht: Die Energiepolitik wird zur Machtpolitik. Wir konkurrieren künftig auf dem Weltmarkt mit China, Indien und den gesamten Schwellenländern um Ressourcen.

Hoffentlich denkt auch jemand an den Bürger, denn steigende Energiekosten spüren alle direkt im Geldbeutel. Mögen wir noch für lange von  „Väterchen Frost“  verschont bleiben.

Markus C. Zschaber ist Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung in Köln.

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Kommentare zu " Zschaber zündelt: Die Abhängigkeit von Öl- und Gas"

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  • Die Abhängigkeit Deutschlands von Öl und Gas wurde bewusst verschärft.

    Mit der Ökosaga einer CO2 Klimahölle wird die heimische Braunkohle, über 90% nationale Wertschöpfung, Vorkommen für ca. 300 Jahre, benachteiligt. Die Braunkohle ist eine preiswerte Energiequelle die eine an Deutschen Interessen interessierte Regierung fördern würde.

    Die Kernenergie ist eine nahezu heimische Energiequelle, Wertschöpfungsanteil ca. 90%. Da Kernbrennelemente regelmässig 4 - 5 Jahre im Reaktor bleiben, Ersatzbrennelemente teils schon in den Kraftwerken eingelagert sind, sich weitere Vorräte in der Brennelementefertigung und der Anreicherung befinden würde die Zeit bei einem Boykott ausreichen eine inländische Förderung in Gang zu setzen. Die einst 22 Leistungsreaktoren plus 8 x DDR hätten knapp 50% der Stromerzeugung sicher, preiswert und umweltfreundlich herstellen können.

    Die Abhängigkeit von russischem Gas ist sinnlos und rein ökoreligiös verursacht.

    Vandale

  • Da hat er vollkommen Recht, mir reicht es - Öl und Gas sollen schon wieder teurer werden.

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