Zschaber zündelt
Die zwei Welten der USA

Die USA gelten als die Volkswirtschaft der Stunde. Die Wirtschaft wächst, der Immobilienmarkt stabilisiert sich und der Arbeitsmarkt erholt sich, sind die immer wieder zu hörenden Argumente. Doch so einfach ist es nicht.
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Vor allem auf die sogenannten „Global Player“, deren operative Geschäftsmodelle von der weltweiten Nachfrage profitieren, wird immer wieder hingewiesen. Hinzu kommt, dass diese Unternehmen über horrende Cash-Reserven verfügen. Jüngste Statistiken belegen, dass US-Unternehmen derzeit über 3.000 Milliarden Dollar bilanzieren.

Es ist richtig, dass in den USA eine ganze Reihe Unternehmen existieren, die vom Welthandel und dessen Wachstum maßgeblich profitieren. Hinzu kommt, dass viele amerikanische Unternehmen wie beispielsweise Apple, Microsoft, Exxon, IBM oder Yum Brands sich seit der Weltwirtschaftskrise 2008/2009 sehr dynamisch restrukturierten und heute von höheren Margen bei ansteigenden Umsätzen partizipieren. 

Schaut man sich allerdings den amerikanischen Mittelstand an, zeigt sich ein sehr ernüchterndes Bild. Die Refinanzierungskanäle der mittelständischen Unternehmen versiegten in der Weltwirtschaftskrise nahezu vollständig und erschwerten jegliche Form von Finanzierungs- und Investitionsprozessen. Nicht selten verursachten Kostenblöcke wie beispielsweise eine sehr hohe Lagerhaltung Fixkosten die nicht in der Kürze der Zeit zu reduzieren waren – ein hoher Aufwand, der viele Mittelständer in den USA an den Rande der Wirtschaftlichkeit brachte. Bestehende Unternehmensstrukturen wurden zu dieser Zeit im hohen Maße gekappt und Kapazitäten wurden massiv abgebaut. Bis heute sind hier keine wesentlichen Verbesserungen zu erkennen. Die Lethargie hat zwar nachgelassen, von einer echten strukturellen Verbesserung kann aber niemand sprechen.

Der Staat versucht mit massiven geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen gegenzusteuern. Die Erfolge bleiben allerdings noch aus. Sowohl die Regierung als auch die US-Notenbank verwirklichten einen multimilliardenschweren Kraftakt um die Konjunktur beziehungsweise das Vertrauen in die Märkte zu stabilisieren. Ein nicht unwesentlicher Teil dieses Kapitals versickerte allerdings in den Bilanzen von Goldman Sachs & Co., um diese Bankenschwergewichte mit aller Macht zu kräftigen.

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