Zschaber zündelt

Eine neue Deutsche Mark ist keine Lösung

Aktuelle Umfragen zeigen mehr denn je: Die Deutschen möchten ihre geliebte D-Mark zurück und der Euro-Zone lieber heute als morgen den Rücken kehren. Doch der Zerfall der Währungsunion hätte unberechenbare Folgen.
  • Markus Zschaber
50 Kommentare
Markus C.Zschaber – Zschaber zündelt. Er ist Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung in Köln

Markus C.Zschaber – Zschaber zündelt. Er ist Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung in Köln

Mehr als 50 Prozent der Deutschen sind angesichts der jüngsten Verwerfungen dafür, die D-Mark wieder einzuführen. Doch ist dies so ohne weiteres überhaupt möglich oder hat man sich in den 90er-Jahren unweigerlich für alle Zeiten von jener Währung verabschiedet, die uns das deutsche Wirtschaftswunder beschert hat?

Fest steht, dass ein Zerfall der Währungsunion vor allem der Exportmacht Deutschland nahezu unberechenbare Effekte bescheren würde. Die neue Deutsche Mark würde sofort massiv aufwerten und zu einer der stärksten Währungen auf dem Globus avancieren.

Wieso? Die Erklärung hierfür ist recht einfach. Eine Geldflut aus dem Ausland würde Deutschland bevorstehen und die heimische als Hort der Sicherheit Währung aufwerten. Wir rechnen, je nach Währung, mit einer Spanne von 15 bis 45 Prozent Aufwertungspotenzial.

Zwar würden unsere Unternehmen von den positiven Effekten verbilligter Rohstoffe profitieren, doch im Gegenzug würden Produkte „Made in Germany“ auf dem globalen Markt deutlich teurer angeboten werden müssen. Das drückt die Exportmargen, was mit einem starken Rückgang der Wettbewerbsfähigkeit einhergehen und unser gesamtes Exportsystem in Frage stellen könnte.

Ein solches Szenario hätte also weitreichende Folgen für unser Wachstumsmodell und den heimischen Arbeitsmarkt. Um die Preise auf dem Weltmarkt einigermaßen stabil halten zu können, gäbe es für die Unternehmen im Grunde nur die Möglichkeit, massiv die Kosten zu reduzieren. Zum Beispiel über Standortverlagerungen ins Ausland oder drastische Lohnkürzungen.

Der Preis für den Ausstieg aus der Währungsunion wäre also sehr hoch. Dazu kommen viele weitere Konsequenzen, wie etwa die Tatsache, dass über Immobilien, Lebensversicherungen und weitere Investitionen große Vermögenswerte im europäischen Ausland investiert sind. Große Vermögensverluste würden dem deutschen Bürger bevorstehen. Auch die Bundesbank müsste eine enorme Summe ihrer Target-Ansprüche abschreiben. Die Schuldenquote des Bundes könnte so sehr schnell auf mehr als 115 Prozent des BIPs ansteigen.

Der Euro ist alternativlos
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50 Kommentare zu "Zschaber zündelt: Eine neue Deutsche Mark ist keine Lösung"

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  • was, wenn nun mal angenommen würde, wir hätten noch eine rechnung offen, die es nun zu bezahlen zeit wäre!?!
    mal angenommen, jemand/eine gruppe von menschen sieht es nicht gerne, das nach nur 67 jahren aus trümmern und geplünderten industrieen etc. schon wieder eines der stärksten/leistungsfähigsten länder der welt geworden ist!?! was, wenn dies ein für alle mal beendet werden soll!?! was, wenn wir genau genommen genau dahin geführte werden, von den sog. fachleuten - wo wir seit so langem hingewünscht werden!?! was, wenn wir für gewisse personengruppen allein durch unseren reichtum immer noch als existenzbedrohend angesehen werden!!?! was, wenn eine neue ordnung keine deutsche beteiligung über reichtum/geldmittel wünscht!?! einfach mal ein paar schritt zurück und versuchen, das ganze bild zu sehen. diese ganze angstmacherei ist doch absurd! nur wer in angst gehalten wird, bleibt lenkbar! einfach mal den kopf frei von irrationalen ängsten machen, z.B. klimawandel, terror, exportprobleme, etc. etc.

  • Teil II

    Repräsentative Umfragen besagen das sich jeder 2. Deutsche den Ausstieg Deutschlands aus Euro und EU wünscht, was schon deutlich genug ist. Andere aus meiner Sicht viel deutlichere Umfragen sind z.B.

    Welt-Online (75% von über 11.000 Stimmabgaben sind für einen Austritt Deutschlands)

    Bild-Online (53% von über 58.000 Stimmabgaben sind für die Rückkehr zur D-Mark)

    Petition: Finanzpolitik - Keine Ratifizierung des ESM-Vertrages und des Fiskalpaktes vom 27.04.2012 (derzeit haben bereits 7457 diese Petition mit gezeichnet, obwohl Petitionen in der Bevölkerung kaum bekannt sind)

    Seit Monaten verfolge ich bei verschiedenen Medien die Kommentare zum Thema Euro, und ich muss feststellen das der Euro nicht nur zum finanziellen Ende Deutschlands führen wird, sondern auch zu ansteigenden Hass unter den Ländern führt. Des Weiteren findet ich es sehr bedauerlich das die Medien dem Volk kein Gesicht geben. Sehr gerne würde ich mich dem stellen, und in Vertretung für viele Bürger das Gesicht des Widerstands darstellen, den viele Bürger verzweifelt suchen. Jemandem der öffentlich Ihre Meinung vertritt und notfalls Demos organisiert.

    Es wird Zeit für eine Politik mit dem Volk und nicht über diese hin weck.

    An einem Volksentscheid geht aus meiner Sicht somit kein Weg vorbei, jedoch befürchte ich das Bundesregierung und Opposition durch massive Angstmache versuchen werden das Volk für den Euro-Verbleib zu gewinnen.

  • Die DM 2.0 würde um ca. 40% aufwerten, wenn wir in normalen Zeiten leben würden, tun wir aber nicht! Deswegen zahlen heute Investoren Geld damit sie Deutsche Staatsanleihen halten dürfen! Wer das nicht als einen "Absurden Zustand" erkennt tut mir echt leid. Allerdings ist es auch ganz klar, dass die Bundesbank (oder besser vielleicht unter Druck der Dax Konzerne, die ja wie wir alle wissen, das Sagen und die Gesetzgebungskompetenz in Deutschland besitzen) anfangen würde Milliarden und Billionen zu drucken damit die DM 2.0 nicht um 40% sondern um vielleicht nur 10%-20% aufwertet. Schaut doch mal rüber zur Schweiz, wie viele Milliarden haben die in den letzten Monaten drucken müssen um den Franken nicht explodieren zu lassen. Der Schweizer Franken hat seid 2007 25% aufgewertet und das bringt die Schweizer Exportindustrie in existenzielle Schwierigkeiten. (Auch die Schweiz kauft jetzt billig Öl und andere Vorleistungen zu!!!)
    In Deutschland haben wir doch so eine Angst vor der Inflation!?
    Ich als Jemand der in der Automobilzuliefererdindustrie arbeite und mich täglich dem internationalen Wettbewerb stellen muss, weiß aus Erfahrung, dass nur wenige Prozentpunkte Aufwertung viele Arbeitsplätze in Deutschland kosten, das ist keine Theorie das sind Fakten aus den letzten 40 Jahren! Deswegen bete ich, dass Griechenland, Spanien, Italien und alle anderen Länder im Euro bleiben.

  • Natürlich würde die D-Mark zu Recht stark aufgewertet werden, und selbstverständlich wird auch der Export vorrübergehend einbrechen (meiner Meinung nach realistisch um 15-20 %), jedoch ist dies aus meiner Sicht kalkulierbarer als der jetzige Euro-Wahnsinn mit den nicht endenden Rettungspaketen, die durch den Vertragsbruch der No-Bail-Out Klausel verursacht wurde. Dem vorrübergehend drohenden Arbeitsplatzverlust in der Exportbranche könnte wie nach der Bankenkrise 2008 mit Kurzarbeitergeld entgegen gewirkt werden. Des Weiteren würde durch den deutlich günstigeren Import von Rohstoffen für die Industrie, und dem Anstieg der deutschen Kaufkraft, der Import massiv ansteigen und die Folgen des Exporteinbruchs massiv abmildern.

    Ein Austritt Deutschlands stellt aus meiner Sicht die bessere Lösung dar, und sollte umgehend per Volksentscheid geprüft werden.

    Die in Deutschland lebende Bevölkerung wird Deutschland auch diesmal wieder nach oben bringen bzw. oben halten. Der Unterschied ist nämlich der, das sich das deutsche Volk dann für ihr eigenes Land einsetzt, und nicht immer wieder Milliarden für andere Länder und Banken ungefragt zur Verfügung stellt. Zu alle dem würde es dem Frieden in Europa auch mehr dienen als das zwanghafte Festhalten an einer Währung die schon vor der Geburt Tod war, und in der deutschen Bevölkerung keinen Zuspruch findet.

    Somit es meine Forderung klar: Deutschland raus aus Euro und EU und zurück zur D-Mark.

  • Teil II

    Das vorsorgliche Jammern über vermeintliche Währungsnachteile unserer Export-Industrie ähnelt der Gespenster-Debatte aus dem Jahr 1969:

    Karl Schiller setzte damals gegen heftigste Proteste von CDU und Franz Josef Strauss eine DM-Aufwertung um 8,5% durch, ohne dass dies zu signifikanten Export-Einbußen führte.

    An der Stelle stellt sich manchmal die Frage, ob unsere von sich so überzeugten Granden, die sich das Stimmungsbild der Menschen gerade schweigend aus intellektuellen Schützengräben ansehen, während ihrer Studienzeit bei den Vorlesungen zu Wirtschaftsgeschichte und Politologie virtuelles Heizölhacken geübt haben?

    Die DM 2.0 könnte nicht nur unsere Binnenkonjunktur befeuern, sondern auch durch steigende Importe aus den Club-Med-Staaten sowie steigender Touristik-Umsätze notwendige Impulse zu deren Stabilisierung beitragen.

    Herzlichen Dank für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit, welche ich mit einem Zitat von Berthold Brecht honorieren möchte:

    "Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!"

    Oeconomicus

  • Politisch korrekt vergißt dieser EX-perte ... die Schuldenquote Deutschlands im Verhältnis zum BIP liegt bei Berücksichtigung aller vorliegenden Fakten bereits heute bei 139,8% (!)

    In absoluten Zahlen ausgedrückt liegen die expliziten Staatsschulden [Bund, Länder, Kommunen] zuzgl. der Schulden, die in Schattenhaushalten [wie etwa Altschulden für die Treuhandanstalt, HRE- und Commerzbank-Engagement, Verpflichtungen aus PPP-Geschäften, etc.] und allen begebenen hochrisikanten Garantien & Bürgschaften [EZB, EIB, KFW, EU-Stabilitätsfonds, Target-II, Anteil am EU-Budget] mittlerweile bei US$ 5358 Mrd., also etwa € 4250 Mrd.(!)

    Die Aufschlüsselung der einzelnen Summen findet sich hier,

    http://alternativeeconomics.wordpress.com/2012/03/27/germanys-debtgdp-now-at-140/

    wobei der Target-II-Saldo noch mit € 656 Mrd. [per Ende Mai sind daraus € 699 Mrd. geworden] angegeben ist.

    Schon fast erwartungsgemäß verzichtet Herr Zschaber darauf, die Aufwertungs-Effekte einer D-Mark 2.0 zu beleuchten:

    Geht man nun von einer Aufwertung der D-Mark 2.0 gegenüber dem Rest-Euro von 40% aus, ergibt sich ein Aufwertungs-Windfall von etwa € 1700 Mrd. mit dem der Totalverlust aus Target-II Forderungen von € 700 Mrd. locker abgedeckt werden könnte. Per Saldo stünden also noch ca.€ 1000 Mrd. an Aufwertungserträgen zur Disposition.

    In der Folge würden all unsere Einfuhren, insbesondere Öl- und Gasimporte deutlich günstiger, was letztlich auch vermeintliche Sorgen um unsere Export-Industrie dämpfen dürfte.

    Dabei darf auch nicht vergessen werden, dass der Zulieferer-Anteil unserer Export-Konzerne (branchenabhängig) bei bis zu 60% liegt und sich ein überwiegender Teil der Produktionsstandorte dieser Unternehmen ausserhalb Deutschlands befindet [mit anderen Worten ausserhalb der D-Mark-Zone].

    ... weiter mit Teil II

  • Herr Zschaber,

    was maßen Sie sich an, etwas als alternativlos zu bezeichnen? Nichts ist alternativlos, außer der Tod. In Wirklichkeit können Sie doch gar nichts vorhersehen, weder die Entwicklung beim Verbleib im Euro (dann mit Eurobonds und entmachteten nationalen Parlamenten) oder beim Wechsel zur nationalen Währung. Letzter Fall ist definitiv handelbar. Andere Länder schaffen das auch, vor dem Euro gings auch in Deutschland. Entscheidend ist die Psyche des Volkes, und die wird eindeutig gewinnen, wenn die Deutschen ihre Mark wieder haben. Der Anfang wird schwierig, gewiss, aber langfristig werden die Deutschen wieder Oberhand gewinnen. Ein starkes Europa wird uns entmachten und uns unsere Identität vollends nehmen. Die Südländer werden unsere Mentalität verstärkt ausnutzen, d.h. wir arbeiten und produzieren beim gleichzeitigen Transfer unseres Wohlstands in den Süden. Aber der EU-Superstaat ist längst beschlossene Politik. Da geht der Zug hin. Man nimmt allen ihre Identität und behandelt sie nach Brüsseler Maßstäben. Das wird nicht funktionieren. Die Menschen wollen das nicht. Und die Politik hat das umzusetzen was die Menschen wollen. Nur unterstellt die Politik, dass die meisten Menschen zu dumm sind, um die Dinge beurteilen zu können. Das stimmt leider in zunehmenden Maße, da Politik und Wirtschaft alles unternehmen, um den Menschen geistig zu entmündigen. Ich bin der Meinung, dass Europas Menschen in der Mehrheit nicht bereit sind, näher zusammen zu rücken. Das heißt im Umkehrschluss auch, dass es auch die Alternative geben muss, wieder nationale Währungen einzuführen.

  • Deutschland hat die Wahl nicht! Nicht Deutschland wird die Entscheidung fällen: Euro JA/Nein... Sondern Italien und Spanien!
    Italien kann aus dem Euro austreten, seinen Schuldendienst einstellen, hat dadurch sofort einen dicken Milliardenüberschuss im Haushalt und braucht kein Geld mehr aus dem Ausland! Die Lira würde sofort massiv abwerten und die Deutschen Exportunternehmen würden daraufhin unter anderem ihre deutsche Arbeitsplätze nach Italien verlagern. Arbeitsplätze ins billige Ausland verlagern, darin sind die deutschen Unternehmen sowieso Weltmeister!!! Die Italienischen Maschinenbauer würden mit ihren billigen jedoch sehr guten Erzeugnissen dem Deutschen Arbeiter den Rest geben!

    Wer glaubt, dass Deutschland eine Wahl hat der hat gar nichts verstanden, sogar Ökonomen wie Prof. Sinn sagen, dass Deutschland in der Falle steckt, Deutschland ist ein Tiger in einem Käfig, der kann noch so laut brüllen und Zähne zeigen aber über sein Schicksal entscheidet er nicht mehr!

  • Die target2-Salden kenn nur eine Richtung: immer mehr von immer mehr Staaten. Je länger D im Euro bleibt, umso teurer.
    Weder bei Einführung des Euro gabe es eine offene Debatte über die ökonomischen Vor- und Nachteile/Risiken. Auch jetzt, ist der Euro ein Dogma, das nicht in Frage gestellt werden darf. Wie teuer kommt ein Daueralimentieren der PIIGSZBF..?
    Beispiel GR: hatte (verglichen mir dem deutschen Marshallplan von 3% des BIP) schon 150 Marshallpläne. Spanien hatte vor dem Euro (1995) so hohe Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung wie heute. Das sogenammte "Wachstum" war in Immoblase und Bankenkrise "fehlgeleitet". Ohne den expandierenden Bausektor und die Immoblase hätte es kein Wachstum gegeben, v.a. kein nachhaltiges.
    Warum soll das anders werden? Im Gegenteil: die demografischen Aussichten der Südstaaten sind sehr negativ (außer F). Wie soll wer womit nachhaltiges Wachstum für diese Staaten generieren?
    Neben den finanziellen Verlusten sind aber die immateriellen wesentlich wichtiger. Der Euro verlangt Aufgabe von Demokratie und Souveränität, um ein paar Jahre länger erhalten zu werden. Am Ende endet die Euro-Ideologie, das "mehr Europa" wie Jugoslawien: in Zerfall.

  • Sehr gut gedacht!!!

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