Zschaber zündelt
Niederlage für Greenspan und seine Heuschrecken

Die Notenbanken der angelsächsischen Ländern sorgen mit Ihrer Geldschwemme dafür, dass die Finanzmärkte nicht mehr wie echte Märkte funktionieren. In diesem Szenario bleibt der EZB nichts andere übrig als einzugreifen.
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Mit Blick auf Reaktionen an den Finanzmärkten in den vergangenen 30 Monaten steht fest: Die Grundaussage von Alan Greenspan, dass Märkte sich immer in einer effizienten Verfassung befinden, ist endgültig widerlegt. Gerade die Preise und Kurse am Bondmarkt, aber auch an den Aktien- und Währungsmärkten, wurden zuletzt primär von zwei Einflussinstanzen beeinflusst, die außerhalb der freien Wirtschaft liegen. Wenn die Kurse rauf oder runter gingen lag es entweder an der Fiskalpolitik oder der Geldpolitik.

In der Eurokrise kam zusätzlich der Politikfaktor hinzu. Die Märkte reagierten auf die Vielstimmigkeit und Uneinigkeit der unterschiedlichen Regierungen in der Eurozone. Selbst innerhalb der deutschen Regierung gab es nicht nur eine Meinung, was viele Investoren in ihrer Meinung bestärkte, dass es keine einheitliche und vor allem nachhaltige Lösung für die Krise in der Eurozone gäbe.

Dies war der Nährboden für offensive Spekulationen gegen den gesamten Kapitalmarkt der Eurozone und unterstreicht die Instabilität der Finanzmärkte. Am offensichtlichsten zeigt sich das an den Refinanzierungssätzen von Spanien, Italien & Co. Die Länder wurde Opfer von spekulativen Angriffen, welche die Zinsen massiv in die Höhe getrieben haben und anschließend lange deutlich über einem fundamental gerechtfertigten Niveau hielten.

Ich bin davon überzeugt, dass ähnlich wie beim Angriff auf das EWS im Jahre 1992, auch in den letzten Monaten und Jahren Absprachen großer Marktteilnehmer getroffen wurden. Unter anderen die großen Hedgefonds mit Sitz an der Wall Street oder der City of London wollten so die Schwächen der Eurozone ausnutzen und offensive Spekulationen befördern.

Die enormen Risikoprämien, welche teilweise für Refinanzierungen verlangt wurden, untermauern die Annahme, dass bereits Wechselkursschwankungen innerhalb der Eurozone durch den Markt taxiert wurden. Das bedeutet, dass der Markt angeführt von großen Marktteilnehmern mit hoher monetärer Potenz, davon ausgingen, dass die Eurozone zerbrechen würde und mit ihr auch der Euro.

Finanzmärkte haben die Macht eigene Realitäten zu schaffen, dass unterschätzten Regierungen viel zu oft. Lediglich die Notenbanken und jetzt auch die EZB haben verstanden, dass sie die letzte Instanz sind. Nur sie haben jetzt die Möglichkeiten und die Kraft, ausufernden Finanzmärkten entgegenzuwirken und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

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Kommentare zu " Zschaber zündelt: Niederlage für Greenspan und seine Heuschrecken"

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  • Es wurde Zeit einen überlegten Artikel mal in diesem Blatt zu bringen, der auch Ansätze enthält diskutiert zu werden,
    frei von dem Holterdiepolter der kurzatmigen online-Redakteure.
    Gleichzeitg frei von Leuten, die uns den richtigen Weg weisen wollen uns in Sicherheit zu bringen, also genauso von den Unwissenden,
    die nichts anderes betreiben als neue Spekulationen zu betreiben un d zu ernähren, genannt Fachleute und Geldanleger
    mit Blick auf die vorderen Bayrischen Berge.

    Der einzig Freie ist wohl der ,der von sich sagen kann,
    das geht mich alles nichts an, dieser Streit der Fraktionen
    ist doch lediglich eine Fortsetzung des Bestehenden unter ausgetauschter
    Mannschaft. Auch Standarde erweitern keine Welt, sondern begrenzen diese in ein
    eingepreßtes System, das dann umso leichter zu beherrschen und zu manipulieren ist. Und wer dann endlich am Hebel sitzt ist eine Weltmafia, wohl
    allumfassend, die die wesentlichen Dinge in der Hand hält.

    Stop the world, I get out.

    Welch Blödsinn.

  • Viele Banker und auch Regierungen sind nur kleine Fisch in der Nahrungskette der Finanzhaie und Finanzoligarchen. Diese haben so viel monetäre Megapower, das sie beinahe unsichtbar und lautlos aus ihrem Versteck, Regierungen erpressen und Währungen zerstören können.
    Man hat dieser „ehrenwerten Gesellschaft“ in den letzten Jahren einfach zu viele Chancen gegeben, ihre Geldsäcke bis zum Überlaufen prall zu füllen.
    Das wird sich auch nicht ändern, solange diese Finanzaristokraten durch immer neue Rettungspakete ständig weiter Kapital akkumulieren können um dann damit weitere „Streiche“ aushecken zu können.
    Es müssen gesetzliche Regelungen her, die diesen Turbokapitalismus ausbremsen analog dem Glass-Steagall Act 1932 nach der historischen Weltwirtschaftskrise. Sonst ist der wirtschaftliche und politische „Kollateralschaden“ der fortschreitenden Enteignung breiter Bevölkerungsschichten durch die induzierte Inflation größer als die gut gemeinten „Therapieabsichten“ der Politiker
    Zu einer neoliberalistischen Politik der freien Hand zugunsten der Finanzhaie fällt mir nur der Ausspruch eines Freundes ein der sagte:
    „WER OFFEN FÜR ALLES IST, DER KANN JA WOHL NICHT GANZ DICHT SEIN.“
    http://en.wikipedia.org/wiki/Glass%E2%80%93Steagall_Act
    http://de.wikipedia.org/wiki/Glass-Steagall_Act

  • @matze_dr_matin_boehmer
    "...wie diese bänker über jemanden wie dragie in einschlägigen foren reden..."

    Sehr guter Beitrag! Ich stimme Ihnen zu. Können Sie bitte ein oder mehrere Links (URLs)zu diesen Foren angeben?

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