Zschaber zündelt
Weißer Ritter oder böser Drache?

Die Nervosität ist groß. Auf jede Nachricht zur chinesischen Volkswirtschaft reagierten die Finanzmärkte rund um den Globus in den vergangenen Tagen und Wochen verunsichert. Ist das berechtigt?
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Viele westliche Medien bezeichnen den bevorstehenden Führungswechsel in der chinesischen Regierung als Unruheherd. Fakt ist aber, dass die derzeitige chinesische Regierung in den vergangenen Jahren den Nährboden für strukturelles Wachstum und zunehmende soziale Standfestigkeit bereitet hat. Ich bin mir absolut sicher, dass die neue Führungsspitze einen fließenden Übergang umsetzten wird und die langfristigen Ziele in der gleichen Intensität verfolgen wird.

Eine Rückführung der Politik in den „Maoismus“ wird es nicht geben. Jeder, der die jüngeren Entwicklungen der Volksrepublik China kennt, wird dies bestätigen können. Ich würde die derzeitige Vorgehensweise der Regierung eher als eine Mischung aus technokratischen und nationalökonomischen Sachverstand bezeichnen. Das Prinzip der Nachhaltigkeit wird in China groß geschrieben. Ganz anders als in unserem westlichen System, welches die Kurzfristigkeit auf Geheiß der Finanzmärkte verinnerlicht hat. Diese Stärke wird auch Chinas neue Führung für sich vereinnahmen und die bereits bestehenden strategischen Vorteile ausbauen.

Das zweite große Thema, das die großen Finanzplätze aus London, New York und Frankfurt beschäftigt, ist das künftige Wachstum Chinas. Nach zwei Dekaden von nahezu durchgehenden zweistelligen jährlichen Wachstumsraten wird uns mit hoher Wahrscheinlichkeit jetzt die Zeit mit höheren einstelligen Wachstumsraten bevorstehen. Fakt ist, das Wachstumsmodell Chinas befindet sich im Wandel. Der wachstumspolitische Fahrplan der Regierung sieht eine strukturelle Veränderung vor, welche eine Reduzierung des Exports und eine Stärkung der binnenwirtschaftlichen Aktivität vorsieht. Ein erstes Indiz lieferte jüngst die Handelsbilanz, die das höchste Defizit seit 23 Jahren aufwies. Die Finanzmärkte schreckten daraufhin zurück, ohne sich mit den Details zu beschäftigen.

Zwar waren saisonale Effekte dafür verantwortlich, dass das Defizit in dieser Höhe ausfiel. Doch zeigt die Tendenz, dass die Veränderung des Wachstumsmodells allmählich Früchte trägt. Die Handelsbilanz saldiert Exporte und Importe. Wenn ein Land mehr importiert als exportiert, weist die Handelsbilanz ein Defizit auf. Exakt dies wird die nachhaltige Entwicklung des chinesischen Wachstumsmodells mit sich bringen. Denn eine binnenwirtschaftliche Stärkung bringt automatisch eine höhere Importquote mit sich, da der Konsum erhöht wird.

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China bleibt der Eckpfeiler der Weltwirtschaft

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  • Also die Augen vor der Realität zu schließen ist keine Lösung:

    China hat viele Probleme, welche bisher ungelöst sind!

    Regierungschef Wen Jiabao hat sein Volk bereits auf härtere Zeiten eingeschworen. China stehe vor «großen Schwierigkeiten und Herausforderungen», sagte er beim Auftakt der diesjährigen Tagung des Volkskongresses in Peking.

    Die Städte und Provinzen haben seit der Finanzkrise einen ungeheuren Schuldenberg angehäuft – zwischen 1400 und 2200 Milliarden Dollar. Das Ziel: Das größte Konjunkturpaket der Geschichte sollte die Auswirkungen des Weltwirtschaftsbebens auf die chinesischen Firmen minimieren. Das Ergebnis: Etwa jeder vierte dieser Kredite ist faul.

    Den Lokalregierungen fehlt bereits das Geld für Zins und Tilgung. Die Einnahmen aus all den rasch gebauten Stadien, Straßen und U-Bahnen reichen nicht aus. Erschwerend kommt hinzu, dass niemand die genaue Höhe der Kredite beziffern kann. Die Städte und Gemeinden verstecken ihre Darlehen in Schattenhaushalten – mithilfe von gut 10 000 Spezialgesellschaften („Local Government Financing Vehicles“)...

    Aber dieser Punkt ist ja nur ein kleines Übel gegenüber der Inflation in China, welche auch dieses Jahr weit über 4% liegen wird.

    Der Immobilienmarkt hat seinen Anstieg der Infaltion zu verdanken, welche Sachwerte stärkt und Geld und Guthaben, sowie Schulden schwächt.

    Chinas Immobilienpreise sind absurd hoch. In den Metropolen liegen sie mit 3000 bis 4000 Euro je Quadratmeter für gute Lagen im Verhältnis zu den Einkommen um 40 Prozent über den Preisen in Hongkong, hat die Investitionsbank CICC berechnet.

    "Die Verschuldung der Lokalregierungen ist die größte Zeitbombe, die ich in all den 17 Jahren, die ich China analysiere, je gesehen habe“, stöhnt Tao Dong Volkswirt bei der Bank Credit Suisse in Hongkong.

    Also wo bleibt da ihr "Weißer Ritter" ???

    China wird einen Umbruch erleben, aber keinen guten für die Weltkonjuktur!

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