La Tribune
Schwarz auf weiß ergibt rot

Die Kapitalgeber der französischen Zeitung Tribune müssen den Unternehmenschef Sam Zell einer harten Befragung unterziehen. Schließlich sind die meisten Aktionäre des Verlags nicht in der Lage, Druck auf ihn auszuüben. Aber irgendeiner muss es tun, denn die Zeitung ist kurz davor, die Kreditvertragsklauseln zu brechen. Und im kommenden Jahr werden Schuldtitel über zwei Mrd. Dollar fällig. Wenn die Geldgeber ihre Investitionen retten wollen, müssen sie eine unerbittliche Haltung einnehmen.

Die Tribune Co. braucht die Unterstützung ihrer Kapitalgeber, wenn sie die kommenden Jahre überleben will. Der Zeitungsverlag muss bis zum Ende des nächsten Jahres eine große Portion an Krediten refinanzieren. Und er steht kurz davor, gegen die Kreditvertragsklauseln zu verstoßen. Da die meisten Aktien der Firma in den Pensionsplan eingebunden sind, und die Stimmrechte bei einem durch den Board ernannten Treuhänder liegen, sind die Aktionäre nicht in der Lage, Druck auf den Unternehmenschef Sam Zell auszuüben. Wenn die Geldgeber ihre Investitionen retten wollen, müssen sie eine harte Haltung einnehmen und die Tribune dazu zwingen, sich während des heutigen Konferenzgesprächs des Managements zweier dringender Angelegenheiten anzunehmen.

Zunächst einmal muss der Verlag seine Strategie deutlicher darlegen. Die Betriebseinnahmen der Tribune sind im vierten Quartal des letzten Jahres zweistellig gesunken. Die Aussichten sind alles andere als rosig. Ein wirtschaftlicher Abschwung wird das Schalten von Anzeigen in der Zeitung beeinträchtigen, auf welches im vergangenen Jahr 80 Prozent der gesamten Einnahmen im Zeitungsbereich entfielen. Bis jetzt bestand die Annäherung Zells an die digitalen Medien – den letzten Wachstumsbereich – hauptsächlich darin, dass er einen ehemaligen Radio-DJ angeheuert hat, um Tribune Interactive zu leiten. Zell muss erklären, was er noch plant, damit Tribune wachsen kann.

Aber das braucht Zeit - und Tribune muss vor dem Ende des kommenden Jahres Schuldtitel über zwei Mrd. Dollar refinanzieren. Und der Verlag steht kurz davor, die Kreditvertragsklauseln zu brechen. Seine vorrangigen Schuldtitel bewegen sich bei etwa dem Neunfachen des operativen Cash Flow, das entspricht gerade noch knapp der Schwelle, die gemäß den Kreditvereinbarungen erlaubt ist. Das Unternehmen wird wahrscheinlich Vermögenswerte verkaufen müssen, um die Kapitalanbieter bei Laune zu halten. Zwar sieht sich die Tribune beim Baseballteam Cubs und bei Newsday um, aber sie wird dabei wahrscheinlich nicht genug erlösen, um den Schuldendienst ausreichend zu verringern. Zell wird in Betracht ziehen müssen, andere Vermögenswerte abzugeben.

Die Halter von Schuldtiteln nehmen in Fragen der Unternehmensführung gewöhnlich eine passive Rolle ein, solange ihre Zinszahlungen eintreffen und der Kreditnehmer die Vertragsklauseln nicht bricht. Sie können sich in der Regel darauf verlassen, dass die Aktien- und Kapitalbesitzer – privat oder öffentlich notiert – über das Management und den Board wachen. Im Falle der Tribune genießen sie diesen Luxus nicht. Hier müssen die Kapitalgeber selbst den Aufpasser spielen.

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