Lafarge/Orascom
Harter Sand

Der französische Zement- und Baustoffkonzern wird Orascom Cement für neun Milliarden Euro von Nassef Sawiris übernehmen. Der Kauf, der zum Teil in bar und zum Teil in Aktien abgewickelt werden soll, wird Lafarges Expansion in die Emerging Markets beschleunigen. Darüber hinaus erhält das Unternehmen einen weiteren Großaktionär, der das Gewicht Albert Freres etwas ausbalanciert.

Bruno Lafont, Vorstandsvorsitzender bei Lafarge, erklärt, dass Neugründungen in der Branche kaum zu finden seien – er aber gerade eine im Wert von neun Milliarden Euro aufgetan habe. Diesen Preis zahlt der französische Zementhersteller für Orascom Cement, einen ägyptischen Erzeuger im Besitz von Nassef Sawiris. Orascom wächst im Tempo eines Start-ups – Umsatz und operatives Ergebnis schießen im Jahr um 30 Prozent nach oben. Ein ergiebiges Wachstum noch dazu – durch die geringen Arbeits- und Energiekosten erzielt das Unternehmen eine Umsatzrendite von 40 Prozent, verglichen mit 18 bei Lafarge.

Lafarge knausert nicht bei der Akquisition des in Zukunft vielleicht führenden Drehkreuzes im Nahen Osten. Bei diesem Preis bewerten die Handelspartner Orascom Cement mit dem 11,6-fachen seines für 2008 erwarteten operativen Ergebnisses (EBITDA), das entspricht – verglichen mit Lafarges eigener Bewertung – einer Prämie von 70 Prozent. Die Differenz ist deutlich – auch ohne dass Orascoms Fähigkeit berücksichtigt wird, Gewinne in Cash zu verwandeln, dank geringer Steuern und Synergien, die sich auf 150 Millionen Euro pro Jahr summieren könnten. Mit der Akquisition könnte Lafarges Kapitalrentabilität gleich vom Jahr eins an steigen.

Finanziert werden soll der Deal zum Teil durch Aktien, zum Teil durch Barmittel. Lafarge will Kredite in Höhe von 6 Milliarden Euro aufnehmen und bürdet dem Unternehmen dadurch erhebliche zusätzliche Lasten auf. Die Schulden steigen durch den Deal auf mehr als das Dreifache des EBITDAs. Aber aus dem französischen Konzern ist zu hören, dass der Verkauf von Vermögenswerten die Last wieder auf den realistischeren Wert eines 2,5-fachen EBITDAs senken soll.

Darüber hinaus will Lafarge neue Aktien an die Eigentümer von Orascom, die Familie Sawiri, ausgeben. Das Geschäft wird durch diesen Schritt etwas versüßt, da die jungen Aktien mit 14 Prozent über dem zuletzt gehandelten Kurs bewertet werden sollen. Die Emission beschert Lafarge einen weiteren Großaktionär mit einem Unternehmensanteil von 11,4 Prozent neben Albert Frere, dem belgischen Kapitalgeber, der seinen Unternehmensanteil schrittweise auf 16 Prozent erhöht hat. Beide, die Sawiris und der verwässerte Albert Frere werden damit im Aufsichtsrat vertreten sein. Es sieht ganz danach aus, dass Lafont gleich zweimal Gold gewonnen hat, erstens durch seinen Flug nach Ägypten, zweitens dadurch, dass er sich der erdrückenden Umarmung Albert Freres entziehen kann.

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