Landebank gegen UBS
Maßgeschneiderte Klagen

Die HSH Nordbank ist vielleicht nicht genau das Opfer, von dem die Rechtsvertreter geträumt haben, die um die Geschädigten aus der US-Hypothekenkrise kreisen. Die Rechtsanwälte hoffen auf einen wegweisenden Prozess, bei dem sich ein Subprime-Opfer gegen seine Investmentbank wendet, und der als Köder für andere Geschädigte dienen könnte, die ihre Verluste vor Gericht wieder hereinholen wollen. Bei der Klage geht es um den angeblich unverantwortlichen Umgang der Schweizer mit einem CDO-Investment der HSH Nordbank über 500 Mill. Dollar aus dem Jahr 2002 und der nachfolgenden mangelhaften Verwaltung des Portfolios. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass sich nach dieser Klage nun die Schleusen für eine Flut von Subprime-Gerichtsverfahren öffnen.

Ohnehin dürfte es schwer werden, mit einem einzigen CDO-Verfahren einen völlig eindeutigen Präzedenzfall zu schaffen. Die schriftlichen Prospekte für CDOs sind nicht so aufschlussreich wie die für Stammaktien. Die CDO-Portfolios sind gewöhnlich genau auf die Wünsche der einzelnen Kunden zugeschnitten. Ob ein Prozess Erfolg hat, wird zu einem großen Teil davon abhängen, wer während der Verhandlungen was sagt. Natürlich werden sich die Beteiligten an unterschiedliche Sachverhalte erinnern.

Der Fall von HSH Nordbank hat auch noch ganz eigene Ecken und Kanten. Es handelt sich bei dem Kreditinstitut wohl kaum um einen etwas einfach gestrickten Anleger. Im Gegenteil. Die Bank verfügt über ein Conduit und eine Zweckgesellschaft, die mit durch Vermögenswerte besicherten Wertpapieren voll gestopft ist. Zwei der Sitze im Aufsichtsrat gehören Vertretern der Beteiligungsgesellschaft JC Flowers. Damit scheint die Bank bestens gerüstet für derlei Investitionen.

Ungewöhnlicherweise hat die HSH Nordbank auch schon Erfahrung in einem CDO-Rechtsstreit. Die Bank hatte vor drei Jahren Barclays wegen des Managements eines CDO-Portfolios über 150 Mill. Dollar verklagt und sich mit dem Institut außergerichtlich geeinigt. Unter diesen Umständen wird die HSH Nordbank wohl kaum sehr viel erreichen, wenn sie behaupten wollte, sie sei ein unschuldiges Opfer der trickreichen Vorgehensweise der Investmentbanken. Zyniker könnten sogar unterstellen, die HSH Nordbank hoffe darauf, dass die geschwächte UBS in einige überzogene Forderungen einwilligt.

Wenn die Bank verliert, könnten sich andere potenzielle Kläger vielleicht ein wenig damit trösten, dass der Fall der Bank besonders gelagert war. Doch die Klage wurde in New York eingereicht, eine im Allgemeinen eher den Investoren zugeneigte Gerichtsbarkeit. Andere Verlierer der Kreditkrise, die mit einer Klage liebäugeln, sollten vielleicht auch die eigenen enormen Verluste der Banken bedenken – bei der UBS waren das bisher immerhin 14 Mrd. Dollar. Das lässt die Banker zwar dumm aussehen. Aber es wird auch schwerer, ihnen nachzuweisen, dass sie bewusst Minderwertiges verkauft haben.

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