Landesbanken
Über bayerischen Humor und rheinischen Frohsinn

Als Begründung einer Fusion von WestLB und BayernLB reicht es nicht aus, Synergien zu beschwören, die später im Alltag dann doch nicht zum Tragen kommen.
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Dieter Voigtländer und Gerd Häusler, die Chefs von WestLB und BayernLB, sind zwei vernünftige, erfahrene Männer, deren jeweiliges Ego auch noch durch eine normale Bürotür passt. So besehen könnte eine Fusion der beiden Häuser ein Erfolg werden. Aber was sonst spricht dafür?

Zyniker würden sagen, dass beide Banken „gemeinsame Gene“ besitzen. Zum Beispiel ein unzuverlässiges Risikogen oder eines, das einen Hang zu überflüssigen Engagements im Ausland verursacht. Aber diese Gene dürften die neuen Chefs ganz gut unter Kontrolle haben.

Eine andere Frage ist die Unternehmenskultur. Man sollte die gängigen Klischees über Bayern und Rheinländer nicht überstrapazieren. Aber wer je aus einer der beiden „Kulturen“ kommend in der anderen gearbeitet hat, weiß, dass bei diesem Aufeinandertreffen echte Integrationsprobleme auftreten können. In Bayern bewährt sich beim Umgang mit anderen sehr oft ein herzlicher Humor – man muss dann allerdings auch einstecken können. Man weiß dort oft sehr schnell, wen man mag und wen nicht, und hat auch kein Problem, das zu zeigen.

Die Rheinländer hingegen (wozu ich gehöre) wirken trotz ihres viel gerühmten Frohsinns auf Süddeutsche oft ein bisschen humorlos und, was persönliche Beziehungen angeht, oberflächlich und desinteressiert.

Wenn es denn trotzdem unbedingt zu einer Fusion kommen soll, müssen vorab drei Fragen geklärt werden. Erstens: Ergibt der Zusammenschluss auch unternehmerisch einen Sinn? Es reicht nicht aus, Synergien zu beschwören, die dann doch nur auf dem Papier bestehen oder durch Unterschiede in der Unternehmenskultur im Ansatz erstickt werden. Es sollte schon von der gesamten strategischen Position mehr dabei herauskommen als eine Art WestLB mal zwei oder BayernLB im doppelten Format.

Die zweite Frage: Wäre die Fusion ohne gefährliche Klumpenrisiken umzusetzen? Rein geografisch sind zwar nicht allzu viele Überschneidungen zu erwarten. Im Kreditgeschäft mit Großunternehmen könnten sich aber gefährliche Zusammenballungen ergeben, eventuell auch in der Abhängigkeit von einzelnen Branchen.

Die dritte Frage lautet: Ist die Machtfrage geklärt? Eine „Fusion unter Gleichen“ ist wunderbar, wenn diese Formel nur als gesichtswahrende Floskel für den schwächeren Partner gedacht ist. Soll es dagegen tatsächlich gleichgewichtig zugehen, ist in der Regel ein Desaster vorgezeichnet. Es muss geklärt werden, wer das Sagen hat – München oder Düsseldorf, und zwar für die Unternehmen insgesamt, aber auch für jede Abteilung.

Nur wenn alle drei Fragen eindeutig bejaht werden, sollte man die Fusion durchziehen. Politische Gründe oder die Tatsache, dass andere Fusionsvarianten im Landesbankensektor noch schwieriger wären, dürfen jedenfalls nicht die entscheidende Rolle spielen.

Kommentare zu " Landesbanken: Über bayerischen Humor und rheinischen Frohsinn"

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  • Die "Täter" dieser beiden Landesbanken-Zocker gehören erst mal wegen laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren vor Gericht gestellt. Es müssen erst alle Spuren in den laufenden Verfahren sichergestellt und ausgewertet werden, bevor hier die "bankster" die Spuren verwischen/vermischen können. Es hat schließlich mehrere Skandale um diese banken bekanntlich gegeben, die noch lange nicht aufgearbeitet sind.

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