Langfristige Risiken
Wer stoppt den Kursverfall des Dollars?

Die Spitzen der Weltpolitik verfolgen den Kursverfall des Dollars mit Sorge. Eine zu schnelle Talfahrt bringt keinem Nutzen. Die Abwärtsbewegung könnte sich aber beschleunigen, wenn die Nachfrage nach Dollarwerten sehr viel schneller fällt als sich die Handelsbilanz erholt. Aber niemand ist daran interessiert, den größten Schuldner der Welt mit harter Währung zu stützen.

Worüber sprechen Finanzminister und Zentralbankgouverneure bei ihren Treffen? Beim nächsten großen Powwow, dem G20-Gipfel in der nächsten Woche in Cape Town, wird der Dollar – um mit den Worten James Flahertys, dem kanadischen Finanzminister zu sprechen –„ganz oben auf der Agenda“ stehen.

Der Loonie, wie die Kanadier ihre Ein-Dollar-Note nennen, hat seit Anfang September 9 Prozent gegenüber der amerikanischen Währung gut gemacht, selbst nach einem Verlust von 2 Prozent am Montag. Kanadische Exporte werden darunter zu leiden haben. Das Pfund Sterling ist gegenüber dem Dollar in einem Jahr um rund 10 Prozent gestiegen und Großbritannien musste in der vergangenen Woche ein Rekorddefizit in seiner monatlichen Handelsbilanz bekanntgeben.

Das größte langfristige Risiko, das mit einem schnellen Dollarverfall verbunden ist, ist aber kein industrielles, sondern ein Finanzmarktrisiko. Amerikanische Schuldner stehen mit netto 8 Billionen Dollar bei Ausländern in der Kreide, ein Effekt aus der Kumulation von jahrzehntelangen Handelsbilanzdefiziten. Dollarguthaben, -darlehen und -anleihen bilden das Rückgrat der globalen Wirtschaft. Wenn Händler anfangen, den Wert ihrer Dollar-Vermögenswerte – gemessen in Fremdwährungen – anzuzweifeln, könnten zahlreiche grenzüberschreitende Finanzmärkte austrocknen. Man stelle sich die Krise vor, die die Zweifel am Wert der hypothekengesicherten Wertpapiere am Finanzmarkt ausgelöst haben, und multipliziere mit acht.

Ein Dollarsturz kann nicht ausgeschlossen werden. Das amerikanische Handelsbilanzdefizit hat sich stabilisiert, allerdings bei einem monatlichen Wert von 57 Milliarden Dollar. Mit anderen Worten: Ausländische Anleger müssen bereit sein, ihre Dollarportfolios um jährlich fast 700 Milliarden Dollar aufzustocken. Eine teure Wette auf eine Volkswirtschaft mit sinkenden Zinsen und Anzeichen für einen deutlichen Wachstumsrückgang.

Die Antwort auf diese Bedrohung liegt bei den ausländischen Regierungen. Sie dürfen sich auf keinen Fall zu schnell von ihren Dollarbeständen trennen. Mehr noch, sie sollten zumindest so viele Dollar kaufen, dass das Tempo des Währungsverfalls moderat bleibt. Die Regierungen, die den Dollar stützen, könnten dabei Geld verlieren, aber die Alternative ist noch schlimmer. Nichts dergleichen wird aber passieren, wenn die US-Behörden weiter den frommen Glauben an den Wert eines starken Dollar predigen. Die amerikanische Zentralbank hat den Dollar durch Zinssenkungen geschwächt. Im Ausland wird man sich kein Bein ausreißen, um einem Land zu helfen, das es nicht einmal versucht, sich selbst zu helfen. Die Diskussion in Cape Town könnte lebhaft werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%