Las Vegas
Lotterleben in der Wüste

Las Vegas wird vom eigenen Image verfolgt. Das Motto der US-Glücksspiel-Metropole „What happens here, stays here“ trug dazu bei, das unartige Image der Stadt zu zementieren. Aber die Marketing-Botschaft ist inzwischen zur Last geworden. Muss die „Sin-City“ sich auf ihre Tugenden besinnen?
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Das Motto der US-Glücksspiel-Metropole "Was hier passiert, bleibt auch hier" trug dazu bei, das unartige Image der Stadt während des Booms zu zementieren. Aber die Marketing-Botschaft ist inzwischen zur Last geworden. Budgetbewusste Touristen und Konferenzteilnehmer scheuen vor der selbstbewussten Extravaganz der "Sin-City" zurück und schaden ihrer Wirtschaft.

Die Marketingstrategen der Stadt versuchten dem Einbruch zu Beginn des Jahres 2008 mit einer neuen - ähnlich schrägen - Botschaft zu begegnen: "Ihr Vegas zeigt sich" (Your Vegas is Showing). Sie brachte die Touristen ebensowenig an den Strip zurück, wie die Parole "Vegas, jetzt erst recht" (Vegas right now).

Die Besucherzahlen fielen von Juni 2008 bis Juni 2009 um 6 Prozent, während die Hotelkapazitäten im gleichen Zeitraum weiter stiegen. Das drückte die Zimmerpreise um schmerzhafte 25,5 Prozent. Das Ausbleiben der Touristen traf Läden, Showveranstalter und Kasinos, deren Spielumsätze gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent einbrachen.

Auch die Zahl der Kongresse - eine der Hauptstützen der Las-Vegas-Wirtschaft - fiel um 16 Prozent, weil rezessionsgebeutelte Unternehmen den Rotstift bei den Kosten ansetzten. Auch die staatlichen Behörden erhielten Anweisung, ihre Meetings in weniger teuren und auffälligen Lokalitäten abzuhalten, was prompt Proteste bei den Senatoren aus Nevada und Florida auslöste.

Die Kasino-Giganten blieben ebenfalls nicht verschont. MGM und Las Vegas Sands meldeten vor Kurzem Verluste im zweiten Quartal und Station Casinos begab sich unter den Gläubigerschutz des Konkursrechts. Das beteiligungsfinanzierte Harrah?s musste seine Schulden bereits zweimal umstrukturieren, um zahlungsfähig zu bleiben.

Die Entwicklung hat sich auch auf die Beschäftigungssituation in der Tourismusbranche niedergeschlagen, die wiederum den Immobilienmarkt der Stadt in Mitleidenschaft gezogen hat. Der Prozentsatz der Zwangsvollstreckungen in Las Vegas entspricht dem mehr als 7,5-fachen des nationalen Durchschnitts. Die Gläubiger pfändeten im Juli jede 47. Wohnung in der Stadt. Und die Preise für Eigentumswohnungen haben gegenüber dem Vorjahr bereits um mehr als 50 Prozent nachgegeben.

Und dennoch bauen die Hotelentwickler weiter. Das Hard Rock Hotel eröffnete vor Kurzem einen 490-Betten-Turm. Die Mandarin-Oriental-Kette will im Dezember ihr neues Haus eröffnen. Weiter 7.000 Hotelzimmer sollen im Jahr 2010 fertiggestellt werden.

All diese Unternehmen setzen immer noch darauf, dass die Touristen ihre Begeisterung für Exzesse wiederfinden. Aber in der neuen frugalen Ära wirkt der Pomp, nun ja, noch unziemlicher. Die "Sin-City" muss vielleicht einen Kurswechsel vornehmen und versuchen, sich auf ihre Tugenden zu besinnen.

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