Lazard
Allmachtsansprüche, Bruce?

Lazard kann es nicht ausstehen, eine Investmentboutique genannt zu werden. Wenn die Firma allerdings typischerweise beim Beratungsgeschäft oder bei der Geldverwaltung geblieben wäre, dann wären vielleicht ganz ordentliche Ergebnisse dabei herausgekommen. So wie es aussieht, hat sich Lazard allerdings über ihre Bank in Paris auch noch im Handel versucht. Abschreibungen, die dort vorgenommen werden mussten, führten dazu, dass Lazard die Analystenschätzungen bei weitem verfehlte.

Wenn Lazard doch nur eine Investmentboutique wäre. Unternehmenschef Bruce Wasserstein und sein Team hassen dieses Etikett und geben sich immer die größte Mühe, darauf hinzuweisen, dass ihre Investmentbank – anders als Greenhill, Evercore oder Moelis & Co, - schon 160 Jahre alt ist, Niederlassungen in 39 Ländern und größere Einnahmen hat. Aber nach der Vorlage der Erstquartalsergebnisse wünschen sich die Aktionäre vermutlich, dass Lazard ein bisschen mehr wie die kleineren, jüngeren Konkurrenten wäre.

Warum? Schließlich hat das Geschäft mit der Finanzberatung doch ordentliche Einnahmen über 212 Mill. Dollar abgeworfen. Das sind zwar fünf Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, was aber unter den gegenwärtigen Marktbedingungen nachvollziehbar ist. Lazard schneidet damit immerhin besser ab als Goldman Sachs, deren M&A-Einnahmen um fast ein Viertel geschrumpft sind. Im Bereich Asset Management erzielte Lazard sogar einen eindrucksvollen Anstieg der Einnahmen um 15 Prozent auf 168 Mill. Dollar.

Wäre Lazard bei den Aufgabengebieten einer traditionellen Boutique geblieben und hätte die Firma ihr Geschäft auf einen oder sogar auf beide für Boutiquen übliche Bereiche beschränkt, dann hätte sie ein ganz ansehnliches Quartal hingelegt. Wie sich jetzt aber herausstellt, hat sich Lazard nebenbei über ihre Bank in Paris auch noch im Handel versucht und dort eine Reihe von Abschreibungen vornehmen müssen. Die größten Rückschläge stammten dabei anscheinend von erstklassig eingestuften Bonds und einigen Kapitalbeteiligungen.

Diese können sich in den kommenden Monaten ja noch erholen, und Lazard schreibt die meisten Positionen vom Handelsstatus auf den Status “für Investitionszwecke gehalten” um. Das ist ein kluger Schachzug, um den Einfluss kurzfristiger Kursbewegungen auf die Ergebnisse zu begrenzen. Aber für dieses Quartal kommt dieser Schritt zu spät, so dass Wassersteins unabhängige Investmentbank nur einen Gewinn von 14 cts je Aktie ausweisen kann und die Schätzungen der Sell-Side-Analysten damit bei weitem verfehlt hat. Mit nur 16 Mill. Dollar hat Lazard weniger verdient als Greenhill – eine Firma, die nichts dagegen einzuwenden hat, als Boutique bezeichnet zu werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%