LBO-Finanzierungen
Immer noch kraftlos

Die Kreditkrise hat der Private Equity-Branche nicht völlig den Garaus gemacht, wie sich an einer Flut möglicher Deals zeigt. Aber die Konditionen bei der Kreditvergabe sind nach wie vor restriktiv. Und die Übernahmefonds können all das Geld, das sie in besseren Zeiten eingesammelt haben, nicht unterbringen. Dieser Markt ist immer noch weit von seinen Schwindel erregenden Höhen während des Kreditbooms entfernt.
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Die Kreditkrise hat der Private Equity-Branche nicht völlig den Garaus gemacht, wie sich an einer Flut möglicher Deals zeigt. Aber die Konditionen bei der Kreditvergabe sind nach wie vor restriktiv, und die Übernahmefonds können all das Geld, das sie in besseren Zeiten eingesammelt haben, nicht unterbringen. Dieser Markt ist immer noch weit von seinen Schwindel erregenden Höhen während des Kreditbooms entfernt.

Die britische, auf Übernahmen spezialisierte Firma Candover musste zwar einen Fonds streichen, aber generell sieht es für die europäische Private Equity-Branche etwas positiver aus. Die Banken gehen wieder dazu über, Übernahmefinanzierungen zu zeichnen. Sie unterstützen die Buyout-Firmen dabei, bei Versteigerungen gegenüber besser kapitalisierten Käufern aus der jeweiligen Branche wieder als Konkurrenten auftreten zu können. Das sind gute Nachrichten für die Beteiligungsgesellschaften, die unter dem Zwang stehen, investieren zu müssen, da sie üblicherweise nach wirtschaftlichen Abschwüngen gute Renditen einfahren.

Die Bereitschaft der Kreditinstitute, Übernahmefinanzierungen zu zeichnen, erhielt dadurch Auftrieb, dass der Markt für hochverzinsliche Anleihen wieder belebt wurde. So konnten Darlehensnehmer wie Smurfit Kappa Bankschuldtitel refinanzieren und Cash an die Kreditanbieter zurückgeben, den diese weiter verwerten. Ein dynamischerer Bondmarkt steigert auch die Bereitschaft der Banken, Risiken einzugehen, von denen sie glauben, sie später weiterverkaufen zu können.

Die Bieter können auch einen Vorteil daraus ziehen, dass sich die bestehenden Kapitalgeber mit ihren derzeitigen Krediten unwohl fühlen. Ein Geldgeber einer mit einem übermäßig hohen Fremdkapitalanteil ausgestatteten Firma könnte dazu bereit sein, einem voraussichtlichen Bieter eine Finanzierung zu gewähren, der eine weniger stark auf Schulden ausgerichtete Kapitalstruktur anpreist.

Eine Rückkehr zu den Sturm und Drang-Zeiten der Branche zeichnet sich allerdings nicht ab. Die Bieter werden Mühe damit haben, Fremdkapital aufzutreiben, das über das 4,5fache des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen des Übernahmekandidaten hinausgeht. Sie sind damit also noch weit von dem Siebenfachen entfernt, das in den Boom-Jahren erreicht worden war. Die Banken bestehen darauf, dass das Eigenkapital mindestens 50 Prozent des Finanzierungsbedarfs ausmachen muss.

Zudem wirken sich auch die hohen Kosten der Mezzanin-Finanzierung, der am wenigsten besicherten Schuldtitel, belastend auf die Höhe des Fremdkapitalanteils aus. Einige Kreditanbieter verlangen eine Verzinsung von rund 20 Prozent. Die Geldgeber würden es dann vielleicht sogar vorziehen, mehr Eigenkapital beizusteuern, als zu viel an Zinsen zu zahlen und ein größeres finanzielles Risiko einzugehen.

Die Erholung auf dem LBO-Markt könnte sich als anfällig erweisen, wenn die Anleihemärkte im kommenden Jahr ins Stottern geraten - oder wenn die Bilanzen der Banken aufgrund von höheren Verlusten bei Übernahmefinanzierungen oder bei Immobilien unter Anspannung geraten. Die Lebensgeister kehren zwar in die Private Equity-Branche zurück, aber sie sind immer noch ziemlich kraftlos.

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