LBOs/Libor
Buyout-Firmen: 4, Banken: 0

Der maßgebliche Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Gelder ausleihen, ist innerhalb von fünf Monaten um fast 275 Basispunkte gefallen. Für Banken, die auf blockierten LBO-Krediten sitzen, ist dies ein weiterer Grund zur Sorge. Unternehmen im Privatbesitz, die in angespannter Lage sind, profitieren von den niedrigeren Kosten für den Schuldendienst. Allerdings werden Buyout-Firmen das nächste Mal nicht so viel Glück haben.

Kredite für die Akquisitionsfinanzierung bereiten den Banken und Kapitalgebern eine Menge Kopfzerbrechen. Als wären Darlehen mit lockeren Auflagen und der Einsatz von PIK Toggle-Notes, die die Zahlung von Zinsen umgehen und mit denen die Beteiligungsgesellschaften problemloser an Geld kommen, nicht schon schlimm genug, verstärkt zusätzlich der Verfall der London Interbank Offered Rate (Libor) die Sorgen der Banken. Aber nicht alle leiden. Auf Übernahmen spezialisierte Firmen profitieren von dem niedrigeren Basissatz, zu dem sich international operierende Kreditinstitute am Finanzplatz London Gelder bei anderen Banken verschaffen. Allerdings werden sie das nächste Mal nicht so viel Glück haben.

Der in US-Dollar berechnete Libor ist innerhalb von fünf Monaten um fast 275 Basispunkte gefallen. Das bedeutet, dass die Rendite auf Schuldtitel, die von diesem Referenzwert abgeleitet sind, gleichermaßen gesunken ist. Das war kein großes Problem, solange die meisten Kredite noch von CLO-Fonds aufgesaugt wurden, die sich selbst über an den Libor gekoppelte Kredite finanziert und die Aufschläge eingesteckt haben. Aber das Profil der Kapitalgeber hat sich verändert. Hedge Fonds und Investmentfonds bestimmen jetzt die Spielregeln. Viele von ihnen – mit längerfristigen Anlagehorizonten – suchen nach absoluten Renditen, d.h. nach Libor zuzüglich dem Spread auf den Abschluss. Ein fallender Libor hat die Kredite um einiges unattraktiver gemacht.

Angespannten Unternehmen im Privatbesitz hatten die sinkenden kurzfristigen Zinsen allerdings einen willkommenen Spielraum verschafft. Nehmen wir einmal ein Unternehmen mit einem Kredit über drei Mrd. Dollar zu Libor plus drei Prozent. Durch die rückläufigen Libor-Sätze hat dieser Kreditnehmer rund 80 Mill. Dollar pro Jahr gespart. Das hört sich jetzt nicht gerade umwerfend an, aber einem Schuldner in prekärer Lage hilft jedes Tröpfchen. Und der Libor wird eine weitere Schonung gewähren, wenn sich die Konjunktur verschlechtert und die US-Notenbank ihre Zinssenkungen fortsetzt.

Aber dieser Segen dürfte sich wahrscheinlich nicht wiederholen. PIK Toggle-Notes und Kredite mit lockeren Auflagen sind ein Phänomen der Übernahme-Ära, genau so wie extrem hohe Vielfache beim Einsatz von Fremdkapital – in einigen Fällen wurde das Zehnfache des Cash Flow aus operativer Geschäftstätigkeit erreicht. Und Banken, die auf Krediten für die Akquisitionsfinanzierung über Milliarden von Dollar sitzen, haben ihre Lektion auf andere Art gelernt. Sie haben neue Kredite mit Libor-Untergrenzen ausgestattet, d.h. sie ziehen eine Untergrenze bei den Zinsen ein, die die Kredite abwerfen, um Investoren anzulocken, die auf der Suche nach der absoluten Rendite sind. Blickt man nach vorn, so sieht es unwahrscheinlich aus, dass die Buyout-Firmen noch einmal in der Lage sind, wieder in der gleichen Weise von fallenden Benchmarks zu profitieren.

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