Lebensmittelbranche
Ein Wasserhahn als Konkurrent

Danone will Schulden tilgen und gleichzeitig Übernahmen schultern. Die Firma hatte sich vor zwei Jahren bei der Akquisition des Babynahrungsherstellers Numico überschuldet. Außerdem belastet der schrumpfende Mineralwassermarkt das Geschäft. Danone muss sich an ein verändertes Umfeld anpassen.
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Babynahrung ist teuer und Leitungswasser kostet nichts. Danone muss sich dieser bitteren Wahrheit im Nahrungsmittelgeschäft jetzt stellen. Sie ist einer der Hauptgründe dafür, dass sich der französische Hersteller von Joghurt und Mineralwasser das Tauwetter auf den Märkten zu Nutze macht und eine Bezugsrechtsemission über drei Mrd. Euro ankündigt.

Die Erlöse sollen Danone beim Schuldenabbau helfen, während die Firma weiter nach passgenauen strategischen Akquisitionen Ausschau hält. Danone hatte sich mit Schulden überladen, die etwa das Dreifache des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) ausmachen, um die 2007 erfolgte kostspielige Übernahme des niederländischen Babynahrungsherstellers Numico in Höhe von 12,3 Mrd. Euro in bar zu finanzieren. Darüber hinaus wurde das zum Kerngeschäft zählende Joghurt-Segment der Gruppe heftig vom wirtschaftlichen Abschwung in Mitleidenschaft gezogen. Aber am schwersten wiegt, dass Danone intensiv im Mineralwassergeschäft engagiert ist, das enormen Herausforderungen ausgesetzt ist.

Der Mineralwasserabsatz wächst vielleicht noch in den aufstrebenden Ländern, doch in den westlichen Industrienationen ist er aufgrund von Umweltbedenken stark rückläufig. Die Verbraucher in Kalifornien, zum Beispiel, trinken nicht bedenkenlos teures Wasser, das auf kostspieligen Wegen mitten aus dem Herz der französischen Alpen angeliefert wird. Heutzutage nehmen die Stars aus Hollywood davon Abstand, in Evian zu baden, um ihren Status zu untermauern. Die gesundheitliche Unbedenklichkeit - und der Geschmack - des normalen Leistungswassers verbessern sich rund um die Welt.

Gegen diesen Trend antreten zu wollen, würde Danone Schwierigkeiten bereiten. Die Gruppe brüstet sich, umweltverträglich und gesellschaftlich verantwortlich zu handeln. Sich auf Kindernahrung zu verlegen, war ein Versuch, einen schnell wachsenden Markt anzuzapfen und gleichzeitig das Image eines Unternehmens aufrecht zu erhalten, das für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Kunden tätig ist.

Durch die Kapitalerhöhung werden die Schulden von Danone auf das etwa 1,7fache des Ebitda sinken und damit knapp über dem angestrebten Vielfachen der Firma von 1,5 liegen. Doch die Bezugsrechtsemission wird auch zur Probe werden, ob die Investoren an die Fähigkeit von Danone glauben, sich veränderten Märkten anzupassen. Die Aktien der Gesellschaft sind in diesem Jahr bereits hinter der allgemeinen Marktentwicklung zurückgeblieben, selbst bevor die Bezugsrechtsemission bekannt geworden ist.

Dem Danone-Chef Frank Riboud werden Stärken im operativen Geschäft zuerkannt. Er hat sich erneut auf das Erreichen eines Ergebniszuwachses um zehn Prozent in diesem Jahr festgelegt. Doch die Bezugsrechtsemission setzt ihn dem Druck aus, strategische Führungskraft an den Tag zu legen. Und wenn eine Neuausrichtung der Gruppe Akquisitionen beinhaltet, dann wird Danone das nächste Mal eine bessere finanzielle Disziplin walten lassen müssen.

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