Lehman Brothers
Die Zeit ist reif zum Amputieren

Zwei Gliedmaßen müssen bei Lehman Brothers wahrscheinlich abgetrennt werden. Eines sind die kranken 65 Milliarden Dollar an fragwürdigen Darlehenssicherheiten. Und leider muss wohl auch der gesunde Fonds-Management-Arm dran glauben.

Wenn der Wundbrand zuschlägt, dann ist Amputation manchmal das einzig wahre Heilmittel. Lehman Brothers müssen möglicherweise zwei Gliedmaßen abtrennen, eines infektiös, das andere gesund.

Die Aktien der Investment Bank sind vom Tiefpunkt wieder abggeprallt, kurz bevor Fannie Mae und Freddie Mac von der US Regierung gerettet wurden. Aber ihre Position ist noch immer unsicher. Wenn die Finanzpanik zurückkommt, könnte dies Lehman dazu zwingen, sich auf die US Notenbank Sicherheitsnetze verlassen zu müssen. Besser wäre es, jetzt mutig in Aktion zu treten.

Das Problem ist, dass solch eine Aktion weh täte. Das erste, was zu gehen hätte, wäre das kranke Glied, der Berg mit den 65 Milliarden Dollar Wohnungsbau- und Gewerbedarlehen. Obwohl diese schon abgeschrieben wurden, bleibt immer noch das Risiko, dass sie noch mehr an Wert verlieren.

Der Haken ist, um eine solche Menge an unerwünschten Anlagen loszuwerden, müsste Lehman noch einen anderen Treffer landen. Stellt man sich vor, der Treffer wäre 15%. Das wären 10 Milliarden Dollar, die ein großes Loch in den Bilanzwert von 24 Milliarden Dollar reißen würden. Die Bank müsste dann sehr wahrscheinlich wenigstens ein bisschen ihrer Eigenkapitallücke wieder auffüllen.

Es gibt zwei offensichtliche Wege, dies zu tun. Einer ist, mehr Anteilskapital zu sammeln. Aber das wäre nur möglich, wenn es einen großen Abschlag auf den ohnehin schon niedrigen Aktienpreis gäbe. Der andere Weg wäre, entweder das ganze oder nur das anteilige Geschäft mit der Vermögensverwaltung und den Privatkunden zu verkaufen. Dieser Geschäftsbereich, basierend auf Neuberger Berman, ist das gesunde Glied. Analysten schätzen, dass hier mehr als 10 Milliarden Dollar erzielt werden könnten, obwohl Lehman als notleidender Verkäufer auch hier einen Abschlag in Kauf nehmen muss.

Solch eine Doppel-Amputation würde nur noch den Rumpf vom derzeitigen Lehman zurücklassen. Aber es würde jedem klar machen, ob Kunden, Aktionären, Mitarbeitern, dass Lehman nicht mehr auf der Risikoliste stehen würde. Die Bank könnte sich auf ihr Geschäft konzentrieren und nicht auf das Krisenmanagement.

Die Aktionäre mögen es schätzen, dass Lehman auf bessere Zeiten hofft und weiter macht. So wie Amputationen sind auch erzwungene Anlagenverkäufe nicht sehr beliebt. Aber dass Lehman wieder vollständig gesund wird, liegt im allgemeinen Interesse. Die Notenbank sollte sicher gehen, dass diese Nachricht auch ankommt.

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