Lehman Brothers
Geben und Nehmen

Warum hat Lehman Brothers eigene Aktien zurückgekauft? Zwar hat es sich dabei nur um einige Millionen gehandelt. Aber die Investmentbank plant immerhin, sich bei den Anlegern neues Kapital über vier Mrd. Dollar zu beschaffen. So seltsam dieser Schritt zunächst auch anmuten mag, so ist die Idee vielleicht gar nicht so abwegig.

Lehman Brothers will vielleicht bald neue Aktien über bis zu vier Mrd. Dollar begeben. Warum also hat die Wall Street-Firma in dieser Woche eigene Papiere zurückgekauft? Das ist sicher das Letzte, was ein Unternehmen, bei dem der Markt davon ausgeht, dass es knapp an Kapital ist, mit seinem Geld anfangen sollte. Im besten Fall ist es instinktlos und potenziell rücksichtslos.

Und wirklich sieht es fast so aus, als wollten die Händler in unangebrachter Weise die Muskeln spielen lassen, besonders angesichts der erklärten Abscheu des Chairman und Chief Executive von Lehman, Richard Fuld, gegenüber denjenigen, die gegen die Aktien des Wertpapierhauses gewettet haben.

Aber das Vorgehen ist vielleicht gar nicht so seltsam, wie es auf den ersten Blick erscheint. Zunächst einmal hat Lehman, nach allem, was man hört, nur einen geringfügigen Betrag - vielleicht sogar weniger als 50 Mill. Dollar - zurückgekauft. Das wäre weniger als ein Prozent des Tagesumsatzes vom Mittwoch in Lehman-Titeln und damit bei weitem nicht genug, um den Aktienkurs zu stützen und denen, die ein Baisse-Engagement eingegangen sind, großen Schaden zuzufügen.

Zum zweiten könnte der Schritt, auch wenn es sich dabei nur um einen solch kleinen Betrag handelt, Teil einer Strategie sein, mit der die Investmentbank die Märkte überzeugen will, dass sie nicht in einer Liquiditätskrise steckt, ganz zu schweigen von ähnlich lebensbedrohlichen finanziellen Schwierigkeiten, denen Bear Stearns ausgesetzt war.

Darüber hinaus scheint der Rückkauf im Rahmen der üblichen Bemühungen des Unternehmens erfolgt zu sein, den verwässernden Effekt so gering wie möglich zu halten, der aus der Bezahlung der Mitarbeiter mit Aktien und Optionen entsteht. Die Aktionäre mögen vielleicht von der Vorstellung nicht sonderlich angetan sein, durch neues Kapital, das möglicherweise mit einem Abschlag kommt, einem Verwässerungseffekt ausgesetzt zu werden. Aber sie könnten jeden noch so kleinen Versuch willkommen heißen, die Kosten für die Vergütung von Investmentbankern zu reduzieren.

Das soll jetzt nicht bedeuten, dass Lehman oder irgendein anderes Unternehmen, das kurz davor steht, die Investoren um mehr Bares anzugehen, es sich zur Gewohnheit machen sollten, in großem Stil Aktienrückkaufe zu initiieren. Aber wenn die betreffende Firma dabei, als Teil des normalen Tagesgeschäfts, selektiv und vorsichtig vorgeht, dann könnte ein solcher Schritt durchaus seine Berechtigung haben.

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