Lehman Brothers
Lehman-Chef steht mit dem Rücken zur Wand

Wenn Dick Fuld keinen Verkauf von Vermögenspositionen oder Kapitalzuflüsse ankündigen kann, wenn er in den nächsten Wochen die Unternehmensergebnisse vorlegt, könnte es schlecht für ihn aussehen - und die ohnehin schon angeschlagenen Aktien des Unternehmens. Fuld jongliert mit verschiedenen Optionen - doch seine Position wird von Tag zu Tag schwieriger.

Der Chef von Lehman Brothers weiß, was er zu tun hat. Nachdem der Aktienkurs der Investmentbank kollabierte und ihre Überlebensfähigkeit infrage gestellt war, sind die Erwartungen der Anleger hoch. Der Kurs konnte sich in den vergangenen Wochen stabilisieren. Aber die Lage könnte sich auch wieder verdüstern, wenn Fuld weder den Verkauf von Vermögenswerten noch den Zufluss von frischem Kapital ankündigen kann, wenn er - voraussichtlich in wenigen Wochen - die Ergebnisse des dritten Quartals vorlegt.

Viele der potenziellen Ansätze bedingen sich gegenseitig. Lehmann muss seine Bilanz von gewerblichen Immobilienkrediten entlasten und möchte diese Positionen vielleicht sogar loswerden. Um die Verluste zu decken, könnte die Bank frisches Kapital aufnehmen. Aber neue Investoren - Kandidaten wie die Korea Development Bank wurden immer wieder genannt - werden kaum zu einem Einstieg bereit sein, wenn sie keine genaueren Informationen erhalten.

Das dritte Quartal des Lehman'schen Geschäftsjahres endet am 31. August. Bis dahin könnten alle Zahlen feststehen. Aber auch dann werden die wenigsten Investoren wohl einverstanden sein, frisches Kapital in das Unternehmen zu investieren, wenn das Schicksal des Geschäftsfelds Vermögensverwaltung nicht bekannt ist. Ein Verkauf dieses Zweigs ist jedoch fraglich, und die Zahl der Übernahmeinteressenten begrenzt.

Sollten sich andere Möglichkeiten auftun, braucht Lehman das Geschäftsfeld, das auch die Neuberger-Bermann-Aktivitäten umfasst, vielleicht gar nicht zu verkaufen. Aber solange der vollständige oder ein Teilverkauf nicht vom Tisch sind, können kluge Investoren ruhig abwarten, bis Fuld sich in letzter Minute eher mit einem Minimumpreis zufrieden gibt, bevor er mit leeren Händen vor die Aktionäre treten muss.

Auch eine Verzögerung der Ergebnisberichterstattung sähe schlecht aus. Fulds Position wird also von Tag zu Tag schwieriger - in einem wirtschaftlichen Umwelt, das nicht gerade hilfreich ist. Fuld hat einige Eisen im Feuer, aber wann und wo sie zum Tragen kommen, weiß er wahrscheinlich nicht. Er muss geschickte Verhandlungen führen und bei seinen Preisvorstellungen ultra-realistisch bleiben. Und selbst dann braucht er noch eine Portion Glück, um ein Paket zu schnüren, das den Erwartungen der Investoren entspricht.

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