Lehman Brothers
Ring frei für die fünfte Runde!

Die unter Beschuss geratene Wall Street-Firma hat bereits einiges versucht, um die Aktionäre zu beruhigen. Erst hat sich Lehman Brothers endlos über ihre Liquidität ausgelassen. Sie hat das Kapital erhöht und Aktien zurückgekauft und schließlich führende Manager entlassen. Jetzt hofft die Investmentbank, damit Erfolg zu haben, dass sie den Mitarbeitern einen Vorschuss auf die diesjährigen Aktienbonuszahlungen gewährt.

An der Hartnäckigkeit der Führungsriege von Lehman Brothers ist nichts auszusetzen. Während ihre Kollegen bei Bear Stearns scheinbar in eine Art Schockstarre verfallen waren, als sie angegriffen wurden, haben die Spitzenmanager von Lehman wenigstens einige der Angriffe der feindlich gesinnten Märkte und der negativen Anlegerstimmung pariert. Der jüngste Schritt, der auf den Rückgang des Aktienkurses um elf Prozent am Montag folgt, sieht vor, mehr Aktien an die Mitarbeiter auszugeben.

Sämtliche Angestellte werden einen Vorschuss auf den mit Beschränkungen versehenen Aktienanteil ihrer Bonuszahlungen für 2008 erhalten, der sich auf 20 Prozent der Aktienzuteilung, die im vergangenen Jahr vergeben worden ist, beläuft. Nach Angaben von Lehman fordert die Belegschaft die Papiere mit Nachdruck ein, da sie der Ansicht ist, sie seien unterbewertet. Vielleicht haben sie Recht – am Dienstag, als die Zuteilungen gewährt wurden, wurden die Aktien des Wertpapierhauses gerade noch bei 60 Prozent des Buchwerts gehandelt, was trotzdem noch besser war als der Kurs vom Montag.

Selbst wenn man bis zu dem Zeitpunkt in drei Jahren, zu dem diese eingeschränkten Aktien übertragen werden, den Pari-Wert erreicht, wäre das schon eine attraktive Sache. Und es gibt Präzedenzfälle: Die Investmentbank hatte ähnliche Arrangements eingeleitet, nachdem ihr Aktienkurs nach der Russland- und der LTCM-Krise 1998 eingebrochen war und nachdem er nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 einen Tiefstand erreicht hatte.

Aber die Mitarbeiter bei der Stange zu halten, ist nicht der einzige Grund für den Schritt – so wichtig dies auch ist. Die Belegschaft mit noch mehr Aktien auszustatten, soll auch ein Signal an die Märkte senden, dass Lehman noch lange nicht geschlagen am Boden liegt. Warum sollte man dies schließlich tun, wenn die Aktien wertlos sind?

In diesem Sinne ist das Vorhaben eine andere Art von Verteidigungstaktik für Lehman. Die Manager der Investmentbank haben bereits eine Reihe von Maßnahmen ausprobiert, um das Vertrauen der Investoren zu stützen. Sich endlos über die Liquidität der Bank zu ergehen, hat eine Weile lang funktioniert, bevor es sich abgenutzt hatte. Enorme Mengen an frischem Kapital zu sammeln, hat nicht ausgereicht, die Ängste der Anleger zu beschwichtigen, ebenso wenig wie ein beherzter, wenn vielleicht auch deplatzierter, Aktienrückkauf. Selbst die Entlassung von Spitzenmanagern – des Präsidenten und der Finanzchefin – hat die Nervosität nur für kurze Zeit gedämpft.

Der Bonusvorschuss hat zumindest den Aktien neuen Schwung gegeben – sie verbuchten am Mittwoch bei Handelsschluss ein Plus von fast sieben Prozent. Damit dieser Elan dauerhaft erhalten werden kann, wird es aber wahrscheinlich nötig sein, dass hinsichtlich der Ertragskraft und möglicher Abschreibungen größere Klarheit herrscht.

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