Lehman Brothers
Schon auf der sicheren Seite?

Nach der von der Fed eingefädelten Übernahme von Bear Stearns durch JPMorgan sind die Aktien von Lehman Brothers um rund 20 Prozent gefallen. Die Besorgnis der Anleger um die Liquidität von Lehman erinnert stark an die Furcht der Investoren, die zu dem Scheitern des kleineren Konkurrenten geführt hatte. Doch Lehman ist besser aufgestellt als Bear Stearns.

Nach der von der US-Notenbank eingefädelten Übernahme von Bear Stearns durch JPMorgan sind die Aktien von Lehman Brothers am Montag um rund 20 Prozent gefallen. Die Beinahe-Pleite von Bear, nachdem die Investmentbank von der Liquiditätszufuhr abgeschnitten worden war, bestärkt zweifellos die Pessimisten. Aber Lehman verfügt im Vergleich über die größeren Barreserven und die Firma hat direkten Zugang zu der Kreditvergabe der Fed. Das ist ein großer Vorteil.

Zum einen ist Lehman größer und ihre Geschäftsbereiche sind breiter gestreut als die des kleineren Konkurrenten. Ende November verbuchte Lehman Vermögenswerte über fast 700 Mrd. Dollar gegenüber 400 Mrd. Dollar bei Bear. Zwar ist auch Lehman intensiv im Hypothekendarlehensgeschäft engagiert, aber ihre Abhängigkeit von diesem Sektor ist geringer. Und sie ist stärker außerhalb des angeschlagenen US-Markts tätig.

Die Investmentbank führt zudem an, aus ihrer letzten Krise im Jahr 1998 gelernt zu haben und über eine stabilere Finanzierungsstruktur als einige ihrer Wettbewerber, darunter auch Bear, zu verfügen. Zum Beispiel hat sie Barmittel über 35 Mrd. Dollar gesammelt, die mit Leichtigkeit ausreichen, um sämtliche kurzfristigen Kredite abzudecken. Das ist mehr, als man von Goldman Sachs, Merrill Lynch und Konsorten behaupten kann.

Dazu kommt das Management. Mit Dick Fuld steht bei Lehman ein geachteter Chairman und Chief Executive am Steuer, der Erfahrung darin hat, wie man in einem Abschwung navigieren muss. Das ist ein großer Unterschied zu Bear Stearns, wo das Greenhorn Alan Schwartz erst seit zwei Monaten auf dem Chefsessel sitzt und der Chairman Jimmy Cayne lediglich durch Abwesenheit glänzt.

Und Lehman hat das günstigere Timing auf seiner Seite. Am allerwichtigsten hierbei ist, dass die Fed ihre Vergabe besicherter Kredite am Wochenende den Primärhändlern, also auch Lehman, geöffnet hat. Auf dieses Sicherheitsventil hatte Bear noch keinen Zugriff. Außerdem wird Lehman am Dienstag ihre Erstquartalsergebnisse bekannt geben, was zur Klärung beitragen sollte, wo die Investmentbank finanziell steht. Und schließlich dürfte die US-Notenbank am Dienstag die Zinsen senken, wodurch die Finanzierungsbedingungen auf breiter Front erleichtert werden.

Natürlich ist niemand völlig immun gegen einen „Sturm auf die Bank“, wenn die Kunden ihr Geschäft abziehen. Im Extremfall könnte das auch bei Lehman oder anderswo eintreten. Aber Fulds Firma hat viel bessere Chancen als Bear, die momentanen Turbulenzen zu überstehen.

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